Is The Spring Coming?

Nach der Musik kommt die Nacht, nach der Nacht der Sonnenschein und du lächelst, weil dich jemand im Arm hält ohne Erwartungen und ohne Fragen. Nach der Musik kommt die Nacht, immer wieder, sie ist kalt wie deine Füsse auf dem Kies in diesen viel zu dünnen Schuhen und den viel zu leicht genommenen Küssen, du spürst dich nicht und dein Herz, es schlägt. Ja doch, nur wie lange schon, in diesem Takt, der nicht zur Musik passt oder vielleicht auch viel zu gut; der Soundtrack deines Lebens ein trauriges Saxophon, gespielt von einem traurigen Mann mit eiskalten Fingern bei drei Grad Celsius. Ein trauriges Saxophon und dein trauriges Herz.

Winter bei 20 Zentimetern Neuschnee und du auf einem einsamen Spaziergang in den Bergen.

Ein festgefrorener Augenblick

“Es gibt Augenblicke, in denen in unserem Leben Widrigkeiten auftauchen, die wir nicht verhindern konnen. Doch alles hat seinen Grund. Erst nachtraglich begreifen wir, warum es sie gegeben hat.”
(Paulo Coelho)

 

In den vergangenen Tagen befand ich mich auf einer Reise. Ich traf alte Freunde und unter ihnen auch ein paar neue, darunter auch sie. Ich erinnere mich an ihre offenen Augen und ihre scharfe, klare Sprache. Ich sehe noch immer ihren Ausdruck, das, was sie mit mir tat, ohne sich dessen bewusst zu sein. An das Ignorieren meines Verbots, das Niemandsland meiner Seele zu betreten. Wir rangen miteinander um die Hüllenlosigkeit und das verletzbar sein, um Vorherrschaft und Herrschaftslosigkeit. Sie wollte auch das andere sehen. Diesen anderen Teil von mir. Nicht nur das Souveräne, nicht nur das, was ich vorgab zu sein und worin ich augenscheinlich gut war. Sie wollte verstehen, warum ich wortkag blieb, nur das besprach, wo es sicher für mich war. Sie wollte sehen, vorgeblich, wie ich annahm, denn sie hatte doch keine Ahnung. Mit seinem Therapeuten schläft man nicht, dachte ich und obwohl sie keine war, verhielt sie sich so. Wusste sie denn nicht, dass wir so manches wünschen, um dann zu bereuen, es gewünscht zu haben. Ich konnte sie nicht einkehren lassen, denn eine Umkehr wäre dann nicht mehr denkbar, ganz und gar unmöglich gewesen und auch, wenn sie dies bewusst nicht dankte, so dachte ich, es sei wohl besser so. Sie streckte mir ihre Hand entgegen, tat es mit Worten und Gesten, lud mich ein und ich streckte mich ihr entgegen. Im Geiste war ich schon voraus, sprich es blieb nur Fantasie, dass sie meinen Kopf hielt und ihn streichelte und ihre Lippen mich liebkosten und wir sahen und spürten, dass es gut war. Im Konkreten aber, in der Realität also, nicht in meiner Vorstellung, da hasste ich sie. Sah sie denn nicht, dass hier betreten verboten war, dass es an dieser Stelle keinen Einlass gab. Ich löste den Spalt, den sie zwischen meinem Inneren und der Aussenwelt getrieben hatte und schob ihn zwischen uns. Sie rüttelte wieder und wieder an dieser schweren Tür, die sie ein wenig geöffnet hatte und ich hoffte wohl, sie würde es schaffen. Ich selbst aber hatte umgekehrt, schaute aus der Ferne durchs Schlüsselloch und blieb verborgen. Nach aussen lehnte ich sie ab, bespöttelte und erniedrigte sie. Ach, wie sehnte ich mich nach ihr.

Kate

Hin und wieder spürte ich die Sonne auf der Haut, die sich aus den zerzausten Wolken befreite. Dazu den Wind und deine Worte.
Was hast du zu mir gesagt?
Was hast du mir erzählt?
Wenn ich mich nur an alles erinnern könnte.
In jener Zeit waren wir unsterblich. Das Leben erschien uns so lang.
Ich spürte die Sonne und den Wind und deine Worte auf der Haut, und nichts anderes zählte.

Das hat sich nach Abschied angefühlt

Wie wir da stehen, der leuchtende Abendhimmel über uns. Nicht sicher, wann und wo wir uns wiedersehen werden. Blicke, die alles sagen sollen. Berührungen, die alles versprechen. Die leisen Zweifel nur kurz sichtbar, weil du die Füsse so seltsam drehst. Weil ich einmal zu oft, dir die eine Haarsträhne hinter dein linkes Ohr streiche.

 

Ich hoffe, dass es diese Abschiede für uns nicht mehr geben wird.

 

“Die Wirklichkeit ist das, was ihr fühlt, was ihr seht und hört, was ihr schmeckt, riecht und anfasst. Wenn ihr euch mit allen Sinnen an das, was geschah, erinnert, dann ist es für euch wirklich geschehen. Über alles Weitere braucht ihr euch keine Gedanken zu machen.”
(Jorgos Canacakis)

Du weisst nicht, wie sich Stille anfühlt

Wenn du gehst, nimmst du nichts mit von mir; meine Gedanken hängen dir nicht nach, vielmehr bleibt etwas von deinen an mir kleben. Kleine Gewissheiten deiner Gegenwart, deiner Existenz; Haut, Mund, Lippen; der weiche Ausdruck in deinem Gesicht; wie du mich an dich ziehst; wie ich vorsichtig dein Gesicht studiere, um nach Veränderung zu suchen, oder nach Kälte, aber nicht fündig werde, und seufzend vergrabe ich meinen Kopf an deiner Schulter und du freust dich, und ich freue mich; wir sind zwei warme Wesen, zwei warme Wesen, die sich gern noch näher wären jetzt, aber es sind Leute im Wohnzimmer, es sind noch andere im Haus, deshalb nur Haut zeigen, wo Haut erlaubt ist, und meine Hand greift sich dein Shirt, und du greifst in mein Haar.

 

Aber eins weiss ich mit Sicherheit: Dass wir das Leben führen, für das wir uns entscheiden. Dass wir so tief fallen, wie wir es zulassen, dass wir so weit sehen, wie wir es wagen, die Augen zu öffnen. Und dass die Worte, die wir sprechen, nur so lange weiterklingen, wie wir ihnen Nachdruck verleihen.

Begegnung

Immer habe ich mir gewünscht, dich wiederzusehen.

“Man läuft sich im Leben zweimal über den Weg”

sagten mir schon viele Freunde und Mitmenschen.

Nun kann ich es glauben und habe es verstanden. Doch was wollte mir diese Begegnung mitteilen? War es die Chance ungesagte Worte endlich auszusprechen? War es die Chance dir für Alles zu danken? War es die Chance endgültig und richtig Abschied zu nehmen? Es war sicherlich nicht die Chance, dass wir füreinander bestimmt sind, denn wir haben wohl nie zusammengehört. Es ging Alles so schnell und war wie ein Traum, den man nicht (be)greifen kann. Doch es waren Momente voller Glück.

Ich vermisse dich zwar, doch ich höre die Vögel wieder singen, kann wieder atmen, konnte Vergangenes vergessen, kann den blauen Himmel sehen und geniessen. Jahrelang hatte ich mich auf Papier sterben lassen, nun bin ich wach – im Leben.

Danke – zum Zweiten Mal

Halte mich

Meine Worte bleiben in der Luft hängen. Es ist, als könnte man jeden einzelnen ihrer Buchstaben greifen und wie eine Frucht vom Baum pflücken.
“Was?”
Ich starre auf den Boden. Es war eine blöde Idee. Ich möchte mich übergeben. Ich möchte den Zeitbaum wieder herunterklettern und einen anderen Ast hinaufsteigen.
“Ach nichts”
Sie schaut herüber zu mir. Ich spüre ihren Blick wie Eiszapfen auf meine Haut schlagen.
Sie zieht ein Blättchen, legt Tabak hinauf, drückt ein wenig Gras hinein, dreht das Paper, bringt ein wenig Speichel daran und begutachtet ihr Werk. Sie schweigt und ich rieche das Hanf in ihrem Atem.
Sie lächelt und reicht mir den Joint.
“Ich weiss”. sagt sie.
“Ich weiss”, sage ich.
Wir sitzen und rauchen und schweigen.

Es ist alles gesagt an diesem Abend.

Und wahr wird es immer sein

Jetzt in diesem Moment ist die Wahrheit, dass du Recht hast mit allem. Aber das hast du dir, glaube ich, schon gedacht.
Dieses Jahr fing an mit einem Apfel den ich nicht essen durfte.
Mein Herz schlägt schneller.
Es ist kalt in der Stadt. Schnell gehe ich durch die Strassen, die Füsse auf dem Asphalt im störrischen Gang derer, die in Wahrheit lieber zuhause in einer Ecke liegen und Vorwürfe gegen die Zimmerdecke rufen würden. Nur mehr hastige, schnelle Bewegungen und auch diese mit ausdrücklichem Widerstreben. Endlich zurück in der Wohnung und ich sperre den Winter aus.
Ich ziehe die Kleider aus, dusche heiss. Ich höre Musik von neunzehnhundertachtundachzig und lese das Internet von zweitausendsechzehn.
Ich kehre an einen Ort zurück, den ich seit sehr langer Zeit nicht mehr sah; lese alte Zeilen darin, offenbar verfasst von mir. Es kommt mir vor, als läse ich die Texte eines Fremden. Ich vergleiche sie mit dem Heute und frage mich erst, was denn jetzt eigentlich wahr ist und dann, ob ich mir nicht allein schon mit dieser Frage etwas vorlüge.
Denn ich weiss, dass alles wahr war und alles wahr ist. Und wahr wird es immer sein, aber selbst im allerbesten Fall immer nur für ganz genau einen Moment. Für einen Moment, der sich nur in den seltensten Fällen wiederholt. Mehr Wahrheit ist nicht drin.

 

Ich finde das sehr gut so.

Wenn ich schon gerade beim Sommer bin

Ja es dürfte bekannt sein, dass ich dem Sommer, aber insbesondere dem Frühling, sehr offensiv gegenüberstehe, um nicht zu sagen euphorisch. Der Herbst ist ja auch angenehm. Punkt.
Aber wenn ich krampfhaft etwas nennen sollte, was ich am Winter zu schätzen weiss, dann vielleicht diese angedeutete melancholische Stimmung, die in Verbindung mit den tiefen Temperaturen auftritt und die ansatzweise auch an den Herbst erinnert.
Das sitzen vor einem Feuer und starren auf die Flammen.

Aber im Sommer gibt es so viel mehr. Das allein-sitzen in einem Strassencafé und beobachten der Leute. Die Entdeckung des eigenen Willens, das Fahrrad stehen zu lassen und nachts nach Hause zu laufen. Nicht die Sonnencreme, sondern den Sonnenbrand. Nicht die Stimmung und die Leute auf all den Open-Airs, sondern,
das fühlen, bemerken, aufnehmen dieser Stimmung um einen herum, während man im Gras sitzt und irgendwo im Hintergrund nette Musik zu hören bekommt. Nicht der hohe Anteil der hellen Stunden am Tag, sondern die Chance, die Zeit von einem Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang auf einer Spielplatzschaukel sitzend beobachten zu können und sich nicht dabei zu langweilen.

Du!
Die Sonne brennt mir ins Gesicht, Flimmern auf den Augen, Licht in den Wimpern. Der Sommer stiehlt sich an den Anfang des Herbstes; trotzt der Zeit mit blauem Himmel, obwohl der Schatten schon den ersten Winter mit sich trägt.