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Tag : Kurzgeschichte

Es ist ein gewöhnlicher Abend

Ich spüre eine tiefe, warme Freude auf meiner Haut. Eine Freude, die sich wie ein Nebel durch und über meinen ganzen Körper zieht. Tausend kleine Gräserspitzen wandern über meinen Bauch und meine Schultern, über Beine und Arme und hinterlassen ein wohliges Kribbeln. Ich wende meinen Blick ab. Du bist so schön. Du bist so zart. Du bist so plötzlich einfach da. Ich mag dir diesen langen Blick und tausend süsse Küsse schenken. Schau doch her zu mir, denn aus langen, […]

Stille Wasser

Das Emmental ist schön, aber das ist es ja immer. Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont verschwunden, also ist es noch hell, aber die Ahnung der Nacht liegt bereits in der Luft. Ich stehe am Ufer der Emme. Ich geniesse die laue Brise, die mir über den Nacken streicht. Ich bin nervös. Am liebsten würde ich wegmarschieren, zurück in die Stadt, in der heute ein Frühlingsfest stattfindet – eine Menge Lärm und Trubel, die Musik schwappt mit dem Wind […]

The Missing Picture

Die Wahrheit eines Augenblicks Ich spüre, wie du dich anlehnst an mich. Ganz leicht habe ich dich nur an mich gezogen, worauf du dich eingelassen hast und deinen warmen Rücken gegen meine Brust drückst, um mich zu spüren. Ich sehe dich von der Seite: deinen Mund, der anfängt, die frische Luft in deine Lungen fliessen zu lassen, deine Nasenflügel, die sich leicht bewegen, deine Haare, die leicht im Wind tanzen, berühren mein Gesicht wie zarte Finger. Du guckst auf den […]

Ich verlange Dich

Wir nehmen einen grossen Anlauf, fallen und landen im kalten Wasser. Ich tauche ab, öffne meine Augen und sehe vielfarben buntes Dämmerlicht sich im Wasser brechen. Ich tauche auf und reisse meine Arme in die Höhe. Ich schreie laut. Du lachst. Es ist Freiheit. Es ist Leben. Ja, ja, ich lebe, ich lebe! Wir blödeln herum, tauchen unter, schwimmen umher, beobachten ein paar Enten. Nach einer Weile stehst du vor mir, ruhig und dein braunes Haar liegt nass auf deinen […]

Du bist stumm

Es sind deine Augen, die die Worte formen. Ich stehe still. Du erhellst mich mit deinen wachen Augen. Ich bin stumm, liege vor deinen Füssen, in der Gewissheit nicht getreten zu werden. Mit dir würde ich durchs Feuer gehen, mich in die Dunkelheit stürzen. Wenn du mich mit deinen Händen formst, mich mit deinen Fingern ins Leben holst, dann atme ich tief und bin. Immerzu durchwandern Gedanken mein Gehirn. Du bist die Stille für mich, ein Ort, wo ich mich […]

Ich beobachte Dich

Vorsichtig schiebe ich die Bettdecke von dir, meine Augen wandern über deinen warmen nackten Körper, der im Schlaf gefangen ist. Mein Finger gleitet über deine Wirbelsäule, ich spüre unter deiner Haut deinen lebenden Körper, wunderbar warm fühlst du dich an. Deine Wärme, dein Anblick, deine ganze Menschlichkeit lässt mich erregt atmen. Du bewegst dich etwas, ganz zart beuge ich mich über deinen Rücken, kurz vor deiner Haut spüre ich deine Wärme, die sich an mein Gesicht schmiegt wie warme Hände. […]

Da ist was zwischen euch

Wie sie mich ansah, und in diesem Moment brachen sämtliche Barrikaden, stürzte das Bild, das ich von ihr hatte, lautlos in sich zusammen. Ihr Blick erinnerte mich an den eines Tieres; hastig, nervös witternd, auf dem Sprung. Ich hatte sie einige Stunden zuvor noch in der Stadt gesehen; sie war geradewegs an mir vorbeigelaufen während ich, an eine Wand gelehnt, gegen die Sonne blinzelte. Sie wirkte kalt, und abweisend. Auf arrogante Weise zielstrebig. Sie hatte mich nicht gesehen, oder selbiges […]