Deine Zärtlichkeit

Du schüttest deine Zärtlichkeit aus über mich. Ich stehe immer staunend vor der Tatsache, in welch unendlichem Umfang du fähig bist dazu.

 

Ich lasse mich aus dem Traum gleiten, denn ich will bei dir sein. Noch geniesse ich es, mich einfach streicheln zu lassen. Ich kenne dich, ich weiss, wie du dabei aussiehst. Manchmal wie ein Kind, dass etwas ganz Neues, Fremdes entdeckt, das erforscht werden will, ganz ernsthaft bei der Sache. Manchmal liebevoll lächelnd, weil es dir einfach Freude macht, was du tust und weil du genau weisst, wie sehr ich es mag, was du tust. Manchmal mit gierigem Ausdruck, weil du dich daran erinnerst, welche Lust es dir bereitet hat, und mir. Ich liebe sie alle, diese deine Gesichter. Das Bedürfnis sie zu sehen wächst.

Dafür lebe ich in diesem Moment: zu merken, da ist ein Mensch, der mich will. Nicht meinen Körper, um Spass zu haben, wogegen ja nichts zu sagen ist. Aber das ist dir nicht genug. Du streichelst mit deinen Fingern meine Seele, du küsst mit deinen Lippen meinen Verstand, du dringst ein in meinen Geist.

Warum sind wir so

Wichtig ist, nie beim Anfang zu beginnen. Ich werde dich suchen, hier, zwischen den Zeilen. Irgendwo zwischen zurechtgeschnittenen Worten und Bildern, irgendwo in den Glasfaserkabeln, im Fluchtpunkt einer Atempause.
Kontrollgang des Blicks in die Ferne: Unser Wir zieht Fäden, die Wolken entlang. Jeder Vogelschatten, der mich streift, berichtet von deinen Brauen und Wimpern. Die Spuren von Entenfüssen im Fluss erzählen von deinem Lächeln. Der Duft frischer Pistazien muss mit deinem Nacken zu tun haben.
Wenn ich mein Gesicht lang genug in die Stille halte, weiss ich, dass es sich lohnt, an Worte zu glauben. An die glatte Kühle hinter dem Spiegel. An einen neuen Namen. An sonnendurchschienene Katzenohren und mehlbestäubte Finger, die sich ineinander verschränken. An die Möglichkeit einer guten Nacht. An Kuchenteig. An die Sagbarkeit von Freude.

 

“Ein streifen aus Licht und ein bisschen Staub. In den nächsten Stunden wird es schon nicht mehr gewesen sein, als diese eine Zeile. Ohne mich, ohne uns. Kein Zauber, keine Momente ohne Erklärungen, keine Teilchen von Kopf zu Kopf, ohne Materie. Warum sind wir so. Warum reicht manchmal ein verirrtes Wort. Und obwohl man es besser weiss. oder doch nicht, sondern genau, weil man es weiss. Wegschieben. Und andersherum, die Arme ausgebreitet, ohne Sieb und Filter. Das Herz im Finstern, blind sich an die Dunkelheit gewöhnend. Und Stille. Um ein Herz herum. Es genügt ein Funken und alles springt, obwohl du weisst, dass das nur Momente sind. Es könnte doch noch da sein, oder wieder. Alles frei geschoben und nichts ist zusehen.”

 

Und ich erzähle dir Geschichten

Was ist schon dabei, wenn ich noch bleibe, sagst du und bleibst einfach. Alles, was noch ist, bist du. Und dann liegst du so nah bei mir, dass ich ein Herz klopfen höre, ist es deins, ist es meins, ich weiss es nicht, ich will es nicht wissen.

Im Winter ist das alles so einfach, da kann einem kalt sein und man muss einfach ein wenig näher zusammenrücken, damit niemand friert. Im Frühling und Sommer kann einem nicht so einfach kalt sein und man kann nicht einfach der Wärme wegen näher zusammenrücken. Man muss andere Gründe haben, doch Gründe sind tief und Gründe sind schwarz, und wir können kein Grund sein, weil wir kein Teich sind.

Du bist am Kommen, du bist am Gehen, du bist am Bleiben, du bist am Sehen, und ich erzähle dir Geschichten.

Wenn ich viel erzählt habe, schläfst du manchmal ein und ich bleibe wach, nur um dich morgens aufwachen zu sehen.

 

Ich werde die Fensterläden geschlossen halten und die Türen werde ich nicht öffnen, aus Furcht, dass der Wind die Erinnerung, die mir geblieben ist, davonträgt.

 

und ich sage nicht

Du bist so pessimistisch, wirft sie mir vor. Und sie hat recht, es mir vorzuwerfen. Ich stolpere zurzeit durchs Leben und rede mir das Unbequeme dramatisch, und das Schöne zu Scherben.

Manchmal muss man ein paar Zeilen löschen, um neue Worte zu schöpfen. Ich bin ein bisschen wie im Halbschlaf; ein bisschen nicht da, obwohl das nicht stimmt, jedenfalls nicht immer, und eigentlich nicht oft. Ich bin schon da, und ich sehe und nehme wahr und existiere.

Was ist, fragt sie, und ich finde mein Lächeln auf ihren Lippen wieder. Nichts, sage ich, und schmiege mich an sie, und drücke Küsse auf Lippen, Wange, Hals. Wärme umwogt mich. Wärme kitzelt in der Magengrube. Fest hält sie mich, und ich will meine Freude auf sie übertragen wissen, will, dass meine Küsse ihr sagen, was mein Mund sich zu formen weigert. Was sagen Worte schon. Vor allem diese drei Worte; sie versprechen so viel. Und ich kann längst nicht sicher sein, auch nur die Hälfte dieser Versprechungen einhalten zu können.

 

 

Is there anybody in there?

Ich bin weit davon entfernt, mich erwachsen zu fühlen. Aber zum Jungsein, zum Austoben und Ausprobieren habe ich auch längst den Bezug verloren. Ich bin in einem Zwischenraum eingekapselt, taste die Wände von innen ab und finde weder den Ausgang noch einen Eingang. Ich wage keinen Schritt nach vorn und will nicht zurückblicken. Ich habe mir die Augen zugebunden in der Hoffnung, dass der nächste Blick ein Blick auf eine andere Welt sein wird.
Mir fällt es schwer zu begreifen, dass es so natürlich nicht ist, nicht sein kann.

Die andere Welt existiert,
wenn überhaupt, in mir selbst.

Ich muss sie ausgraben oder gar neu entstehen lassen.

“Hello
Is there anybody in there?
Just nod if you can hear me
Is there anyone at home?”

“Manche haben ihren Goethe-Moment, anderen geht bei Hölderlin das Herz auf, mein Leben wurde durch Pink Floyd ein anderes.
Denn.
Ich fühle mich schwerelos in diesen Klangwolken.”