Ich weiss, was Sehnsucht ist und Abschied und Distanz

Ich spüre Sand zwischen meinen Zehen. Füsse, die bis zum Knöchel darin versinken. Ich blicke mich um und irgendwo dort in den Spuren, die du hinterlassen hast, wehen deine Worte. Irgendwo dort in dem Sand, der unaufhörlich in die Ferne greift. Himmelsrichtungen überschlagen sich, drehen sich im Kreis. Überall ein paar Spuren, überall ein bisschen Liebe, ein bisschen Duft, ein bisschen hier und da. Ich halte einen Moment inne und blicke ihnen nach. Ich strecke meine Arme und greife in die salzige Luft und etwas zieht mich nach vorne, so dass ich das Gleichgewicht verliere.

Und wir liegen dort und wälzen uns entlang der Zeit. Eng umschlungen und ich spüre deine Hände in meinen Rücken drücken. Spüre die Worte, die du mir auf die Wangen küsst und ein paar Tränen, die gleich darauf im Sand verschwunden sind. Ich grabe ihnen nach, doch komme nicht hinterher. Nun liege ich dort, auf dem Grund dieser tiefen Grube. Den Rücken habe ich tief in den Sand gedrückt, die Beine überschlagen, die Hände hinter dem Kopf gekreuzt. Ich summe Erinnerung, male dein Gesicht in die Luft. Ein Stück blauer Himmel hängt mir in den Augen, zwischen den Tränen, deinen oder meinen.

“Bis bald”, flüsterst du und ich denke ein “Vergiss mein nicht”, ein “das wird schon”, ein “hoffentlich”.

 

Auch ein irgendwo hat irgendwie ein Ende.

 

Achte auf den Augenblick, der dich ganz tief berührt

Ich will dir sagen, wie schön du bist, ohne dass es farblos und wie daher gesagt klingt. Es wird genug eben einfach so gesagt. Doch dies soll wertvoll bleiben. Du sollst dich nicht daran gewöhnen. Ich schaue dich an.

Deine Lider zucken ein wenig im Licht der schwindenden Abendsonne.

Schweigend die Blumen zwischen deinen Händen.

 

Ich komme zu dir, ganz nah, noch näher. Erst jetzt ist es gut. Ich möchte dir etwas sagen.

 

Was spürst du, wenn ich dich berühre, wenn meine Finger an deiner Wange über die Haut fahren, wenn sie etwas von der Sonne nehmen und dir einen Schatten auf das Gesicht legen? Du regst dich nicht. Nur als meine Nase deinen Hals berührt, murmelst du etwas.

Ich verharre, warte einen Moment, bleibe wie ich bin. Einen Augenblick, zwei Augenblicke, drei.

Du magst das, hast du gesagt.

“Ich, ich, ich….” – Flüsterton. Ich höre dich lächeln. Hörst du mich? “Ich, ich, ich…”, setze erneut an. Sollst dich nicht daran gewöhnen, nicht, nicht daran gewöhnen. “Ich, ich, ..”. Drücke meine Lippen vorsichtig an dein Ohr. Spüre den zarten Widerstand und lasse mich ein wenig zurückfallen. Ich schliesse meine Augen und noch bevor ich aus dem Dunkel zurückkehre, flüstert es

“ich dich auch, ich dich auch, ich auch”….

 

 

 

 

(Ganz ehrlich, beim Überarbeiten werde ich zum Sadisten und quäle den Text immer und immer wieder. Nichts ist gut, ich stelle alles infrage und raufe mir oft die Haare, wenn ich darüber nachdenke‚ in welchem schäbigen Bewusstseinszustand ich gewesen sein muss, als ich diesen Text geschrieben habe.)

 

Vergesst nicht: Hinter den Wolken ist der Himmel immer blau

Stolz recken die Gräser sich gegen den Himmel. In das tiefe dunkle blau, dieses Meer, das so stolz über ihren Köpfen schwebt. Ich streife durch sie hindurch. Lasse sie durch meine Finger gleiten. Spüre sie auf meiner Haut.

Neben mir gehst du. Du hältst ein wenig Abstand. Wenn du etwas sagst, dann lächelst du und manchmal, da wirst du rot. Du schaust dann auf den Boden. Du bist schön. Du bist schön mit deinem langen Haar, deinen vollen Lippen und dem schüchternen Blick deiner Augen. Ich bin gerne mit dir zusammen. Fühle mich wohl bei dir. Es ist schön.

Wir sind scheues Getier. Du und ich. Achten darauf, uns nicht zu schrecken. Nicht voreinander wegzulaufen, davon zu rennen. Wir sprechen vorsichtige Worte und behutsame Blicke liegen auf fruchtbarem Boden. Wir sollten etwas Schönes darauf bauen. Ja.

Es ist ein warmer Tag. Ein warmer Wind zieht vorüber. Ich rieche die Felder, die sich vor und hinter und neben uns in die Ferne ziehen. Ich schliesse meine Augen.

„Ich, ich, ich“, stottere ich. Wir bleiben stehen und dein Blick, dieser Quell deiner süssen Verletzlichkeit, wendet sich mir zu. „Ich mag dich“, sage ich schliesslich. Ich schlucke, zögere. Dann greife ich nach deiner Hand. Es ist alles still. Du, ich, die Welt. Ich spüre, wie ein kräftiger Atem durch deine Lungenflügel strömt und deine Brust hebt. Du reibst deine Lippen aneinander, als seien sie ein wenig trocken und dann, dann lächelst du.

Es nimmt mir den Atem

Please give me one more night, give me just one more night
Oh one more night, ’cause I can’t wait forever
Please give me one more night, oh just one more night
Oh just one more night, ’cause I can’t wait forever
Give me…
(Phil Collins)

 

“Hallo”,
sagte ich und lächelte dich an und du konntest nicht anders, als auch zu lächeln. Ich hätte stundenlang einfach immer nur “Hallo” oder “Es ist schön dich zu sehen” sagen können. Es wäre keine Zeit verschwendet gewesen. Doch wir wollten mehr, mehr, mehr. Ich wollte mehr und in jedem Blick, in jeder Berührung in jedem einzelnen Wort lag dieses mehr. Du warst schön. Ich wollte dir das auch irgendwie, irgendwann an diesem Abend noch sagen. Wir redeten ein wenig, plauderten über dies und das und es war, wie es nicht anders, nicht besser, nicht richtiger, nicht perfekter hätte sein können.

Irgendwo dazwischen wollte ich eine Zigarette rauchen und als ich dort ein Stockwerk tiefer, am grossen, geöffneten Fenster stand, kamst du die Stufen hinab. Schritt für Schritt. Es war wie in einem dieser gruselig, romantischen Bauchatmungs-Wohlfühl-Kitsch-Schinken. Es deutete sich etwas Grosses, etwas Explosives an, etwas vor dem du Angst hast und zur gleichen Zeit nichts stärker willst – durch und durch willst – mit deinem ganzen verdammten Körper.

Du hast gesagt, jemand habe dich geschickt und ich antwortete dir darauf, dass dann ja jemand alles richtig gemacht habe. Wir standen dicht beieinander. Alles war ein bisschen Flüsterton, ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Funkeln, Lächeln, Begierde und Verbot. Es war, als ob alles ein wenig langsamer und zärtlicher wäre als sonst. Dann habe ich dich bei deinen Händen genommen. Wir haben getanzt, im Flur, alleine, mit dem Rest an Musik, der durch den Türspalt zu uns hinunter drang. Wir haben gelacht und dann, dann war es plötzlich einen Moment still.

Wir standen eng beieinander, Nasenspitze an Nasenspitze und wohlriechender Atem lag zwischen zwei Mündern, die sich längst schon einander versprochen hatten.

 

 

Was ist los mit dir?

Worte, die sich in mir verfangen und einnisten. Ich kann nicht denken. Du legst deinen Kopf an meine Brust und ich spüre, wie sich mein Herz nervös bis an deine Wangen drückt, als wollte es flüchten und bei dir Schutz suchen.
Ich erstarre.

“Was ist los?”

Du richtest dich auf. Kniest auf der weichen Matratze und bist nun auf einer Höhe mit mir. Deine Augen versuchen in mich einzudringen, sich durchzuwinden und ein Schlupfloch zu finden in der Mauer meines Schweigens. Ich weiche deinem Blick aus und schaue zu Boden.
Ich spüre deine Finger, wie sie an meiner Hand entlang streicheln, wie Fingerkuppen sich aneinanderdrücken und sich dabei zu einem Kartenhaus aneinander hochstemmen. Das Licht ist gedämpft. Nur die kleine Lampe wirft einen rötlichen Schimmer auf dein Gesicht. Mir ist warm und ich öffne das Fenster einen Spalt weit. Ich lege meine Hand an deinen Hals und du schmiegst dich daran. Mit dem Daumen berühre ich deine Wangen und verharre einen Moment an deinen Lippen, diesen zarten, honigsüssen Lippen. Du drückst einen Kuss darauf.

“Was ist los? Was ist los? Was ist los?”

Worte vernebeln, zerfasern und sickern hinab in das trübe Sumpfland meiner Gedanken. Hilfe, ich ertrinke. Du siehst die tiefen Gräben, die sich in meine Stirn geschlagen haben, diese Zeugen meiner Furcht. Du umfasst mein Gesicht mit beiden Händen. Streichelst durch mein Haar und nur einen Moment später spüre ich, wie deine Nase sich daran schmiegt, wie ein Windstoss, der das Laub von den Strassen trägt.

Dies ist der Anfang von unserem Ende.

 

And I should but I can’t let you go
But when I’m cold, I’m cold
Yeah, when I’m cold
Cold
There’s a light that you give me when I’m in shadow
There’s a feeling within me, an everglow
(Coldplay)

 

 

Wie gut es tut, dich zu sehen

Ich sehe, wie du deine Schuhe ausziehst.

“Gefalle ich dir?”

Du schaust mir in die Augen. Keck bleibst du vor mir stehen, die Hände in der Hüftgegend abgestützt.

“Du bist wunderschön, sexy, eine echte Traumfrau”.

“Worauf wartest du dann noch?”

Ihre Augen funkeln mich herausfordernd an.

“Komm fotografier mich endlich!”

Ich habe dir Licht gegeben, als du mich nach Schatten gefragt hast

Der Wein ist gut:
Musik und Wein und dieser Geruch, den ich nicht vergesse.

 

Welche Rolle spiele ich? Ich habe den Text nicht parat, keiner souffliert, nur das Glas raunt mir wenig hilfreich Dinge ins Ohr, Fragen und ein bisschen Einsamkeit. Wir improvisieren, damit kennen wir uns aus, das Französische daran ist die leichtgenommene Schwere, das Wollen und Hinauszögern und zur Ablenkung noch einen Roten, bis die Zunge schwer wird und man eine Entschuldigung hat für das Nichtgesagte, das Nichtküssen, das Festhalten und Liebkosen mit Sicherheitsabstand, damit einen die Sehnsucht nicht auffrisst. Was war da nochmal, letztes Jahr, was war da noch gleich, wen interessiert das und wer kann so schnell lernen aus all dem, wer will das schon, ich nicht, du nicht, wir stolpern blind und ohne doppelten Boden durch unsere Befindlichkeiten und weinen nachts dann ein bisschen in unseren Betten.

 

Time will save you
You don’t need to save yourself
Sorry eyes of those left behind
When we were kids do these thing we oblige
If you find yourself alone, with no need to call home
(Turin Brakes)

Nur ein Paar Augen sein

Zwischen Sehnsucht und Zuhause, zwischen meinen Laken und den Kaffeetassen auf dem Küchentisch, zwischen dir und mir und der Leichtigkeit unserer Gegensätze, dazwischen ist immer noch Platz für ein Lächeln.
Grund genug, nichts zu fürchten, Grund genug, sich nicht den Kopf zu zerbrechen; vielleicht ist es ganz genau das, was mich dir nahe bringt.

Now:

“Küss mich, aber küss mich nicht irgendwie, küss mich wieder und wieder, wo und wie es dir gefällt.”

Lisa schaut aus halb geschlossenen Augen her.

Ich nicke sacht.

 

“Lies in meinen Augen, was ich dir nicht alles sagen kann.”
(Gotthold Ephraim Lessing)

Diamante

Ein Kopfnicken bist du, ein schweigsames Nicken und ich schau hoch zu dir und deine Augen versuchen etwas zu sagen, dass ich in all dem Lärm um uns herum einfach nicht hören kann. Statt zu reden küssen wir uns, statt uns zu küssen halten wir uns aneinander fest, ich will nicht mehr loslassen und tue es doch.

Auf dem Weg nach Hause wünschte ich, du würdest dort auf mich warten, um mich in den Arm zu nehmen und zu schweigen, ein stilles Nicken, ein schweigsames Verstehen, ein Anker und Land in Sicht, wer bist du, meine Fremde, wer bist du, dass ich immer wieder in deinen Armen an Land gehe, wie stürmisch die See auch ist, wie hoch auch die Wellen schlagen, wie sehr auch die Irrfahrten zehren.

I ha Längizyti

Ich lausche einem Klang jenseits des Klanges,
der in der Nachtlandschaft meiner Träume herumschleicht.

Wärst du doch hier.

Ich sitze mit unruhigen Beinen und schreibe ein paar Worte – ein paar Worte an dich.
Gedanken.
Doch du ziehst an ihnen.
Und so liegen sie dort, diese unglücklichen Gefährten grübelnder Nächte, liegen dort, neben dir und halten eine Erinnerung fest, einen Duft, eine Berührung, einen süssen, kurzen Augenblick. Ich wäre so gern bei dir.
Ich kneife meine Augen zusammen ganz fest. Ich wünsche mir was.

Ich liege wach. Ich warte. Ich habe noch einen Duft von dir. Ich will dir aufmachen und dich hereinbitten und so echt, so verletzlich, so brennend und verlangend vor dir stehen, wie es mir nicht anders, nicht besser, nicht richtiger gelingen mag. Es ist still. Tatenlose Gedanken zerreiben mir das Gesicht und rauben meinen Schlaf. Ich sollte etwas tun, machen, mich in meine Angelegenheiten einmischen. Doch nicht jetzt, lieber nicht, irgendwann, dann, in Zukunft einmal. Und auf den Gleisen, die in ein Morgen reichen, fahren diese und jene Totgeburten einer ungelebten Zukunft. Und anstatt ihrer Gast zu sein und sie zu meinem Zuhause, einer schönen Gegenwart zu machen, bleibe ich, Wünscher und Denker, auf dem Bahnsteig stehen und bin Wächter ausgekühlter Sehnsüchte. Und ich schaue und führe Schrift über dies “hätte doch” und “wäre schön gewesen”, wie es nach einer Weile, blass, schon irgendwo dort in den Zipfeln ferner Baumkronen verweht.
Mit einem schweren Atem kehre ich zurück. Meine Blicke treten nach aussen, in ein ödes Hier- und Jetzt. Ich starre in das warme Licht einer alten Lampe und darunter, Tintenflecke unnützer Gedanken. Es ist still. Es ist leer. Ich lehne mich zurück, zerreibe mit Händen ein ermüdetes Gesicht und lösche das Licht.

 

Versprich mir, dass wir einen Baum pflanzen, sobald das hier vorbei ist, sagte sie leise, bevor sie meine Hand hob und sie ganz sachte mit den Lippen berührte.

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