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Category : Thoughts and Stories

Ich spürte die Sonne und den Wind und deine Worte auf der Haut

Du hast mir geschworen, dass das Licht nach den dunklen Jahren unfassbar sein würde. Ich habe dir nicht geglaubt. Du hast mich in deinen Briefen, in deiner fein geschwungenen Schrift mit nach draussen genommen, in den Regen, den Wind. Du hast die richtigen Fragen gestellt, aber das habe ich erst begriffen, als ich zum ersten Mal über das Blutrot der Sonne staunte. Über die unsagbare Stille der Berge. Über grandiose Blumenfarben am Strassenrand. Du hast mich aus der Fassung gebracht. […]

Ich kenne meine Aufgabe

Deine Haut. So glatt. So hell. Überall und nirgends.
 Du lehnst langsam den Kopf zurück und bietest mir deinen Hals. Die Erhabenheit deiner Bewegungen rauben mir den Verstand. Ich höre auf zu denken. Alles was ich noch wahrnehme, ist das wellenschlagende Echo deiner Sinnlichkeit in mir.
 Ich beuge mich über dich und weiss, ich bin verloren.
 Meine Lippen berühren die Kühle deines Halses und verschmelzen mit dir. Dein Duft berauscht mich.
 Ich grabe meine Zähne hungrig und sanft in dein Fleisch. Du […]

Ein Versuch

Die Trennung ist lange her und ebenso lange vergessen, da läuft einem die alte Liebe plötzlich über den Weg. Sofort steigen die Erinnerungen an damals in den Kopf, und ich frage mich in diesem Moment, warum die Beziehung eigentlich auseinanderging. Nach langer Zeit, nach Jahrzehnten weiss ich nicht mehr so recht, was damals eigentlich geschehen ist. Ein Versuch einer Aufarbeitung. Die Pizza auf dem Teller ist kalt und der Tisch noch warm, als der Kellner die Reste wegräumt. Ein Viertel […]

Dann war die Sonne weg

Es war Abend und die Welt tat, was sie zu tun hatte: weit draussen rauschte ein Zug vorbei, irgendwo hockte ein Vogel und sang ein Nachtlied, die Wolken standen am Himmel, weil sie es mussten. Alles war wie immer. Die Bäume versanken in weichem Licht der Abendsonne. Es wehte ein Wind, die Art von bewegter Luft, die etwas verhiess, ohne etwas zu versprechen, in der ein wenig Pathos lag. Ausserhalb der Stadt, im Garten eines winzigen Hauses, war nichts wie […]

Dort wachsen keine Träume mehr

Wo lernen wir uns gegen die Wirklichkeit wehren die uns um unsere Freiheit betrügen will und wo lernen wir träumen und wach sein für unsere Träume damit etwas von ihnen unsere Wirklichkeit wird ? (Erich Fried)     Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und sehe in den Spiegel. Ich sehe mir in die Augen wie einem Fremden, der mir gegenübersteht. Lege meine Hand auf meine Wange, sehe die Finger und spüre doch — nichts. Ich beuge mich nach vorne […]

Ich machte die Augen zu und atmete die Stadt

Aufwachen heisst, dass man geschlafen hat. Irgendwann musste ich eingeschlafen sein. Ich sah nach ihr, sie schlief noch, ich stand auf, schloss vorsichtig das Fenster und sperrte den Autolärm aus, machte die Schlafzimmertür hinter mir zu, hörte das Tapsen meiner nackten Füsse auf dem Laminat, ging durchs Wohnzimmer zur Küche.   Auf dem Boden liegt mein weisses Shirt, ich ziehe es an, nehme eine Zigarette aus der Schachtel. Auf der Fensterbank liegt ein Feuerzeug, ich öffne das Fenster, spüre die […]

Alleinsein

Ein paar Tage hältst du das Alleinsein aus, sehr gut sogar, zu gut vielleicht, der Antrieb ist kaputt, irgendein Kabel ist durchgeschmort, manch einer nennt das Depression aber wir halten uns über Wasser mit Ablenkung. In solchen Zeiten merkst du dann, wen du eigentlich wirklich gerne sehen würdest, oder besser: wen du nicht sehen magst; keine zwölf Pferde bringen mich vom Sofa, meine Ausrede hat Hand und Fuss und eine Erkältung, die ist gut gegen Gesellschaftsüberfluss und für Nachdenkzeit, für […]

Geht auf die Strassen raus und tanzt

Vergesst den Schmerz, vergesst die Angst, hört auf, irgend etwas peinlich zu finden, hört auf, euch ständig Fragen zu stellen. Schaltet eure Köpfe aus, denkt mal nicht nach. Hör auf, traurige Gedichte zu schreiben. Fahrt mal wieder aus eurer Haut, macht mal was anderes. Biegt falsch ab, fahrt Umwege, geht raus aus euren Zimmern, euren Wohnungen, euren Städten, vergesst mal alle Pläne und eure Ziele, lasst eure Terminkalender zuhause und sperrt die Vernunft in einen Käfig. Hört auf, vom Leben zu […]

Die Sonne malt mir ein Bild

Aufgewacht. Blinzelnd: Urlaubsstimmung, ungestüme Freude; ich bin wieder Kind, die Welt wieder Spielplatz, und alles will entdeckt, betrachtet, gekostet werden. Kaum hat mich der letzte Tropfen Duschwasser berührt, zieht es mich schon hin, zum Fenster, zur Sonne, und obwohl das Fenster einen Spalt breit offensteht, gewinnt die Wärme die Überhand; streichelnde, liebkosende Wärme, ganz anders als alles, was der Winter zu bieten hat. Heizung, Kamin; nichts ist deren Wärme gegen das hier. Diese Wärme macht nicht schläfrig. Diese Wärme macht […]

Dinge die mir einfach passieren

So war das, damals, so hat das damals alles angefangen, so nahm die Geschichte ihren Lauf, die Geschichte, die erklärt, dass Dinge mit mir einfach so passieren. Ach ja Texte zu schreiben, das bedeutet, Gedanken in der richtigen Reihenfolge aneinanderzureihen. Immer einen an den anderen. Manchmal funktioniert das nicht so richtig. Diese Ordnung im Kopf, dieses geordnete Denken, die zurechtgerückten, auf die richtige Länge gestutzten Wortschlangen, das alles ist mir manchmal so fremd. Wenn ich beginne nachzudenken, dann ist da […]