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Category : Photography

Ich habe deinen Zettel

Ich hab ihn rausgekramt, und allein die Farbe des Papiers und deine rundgeschwungenen Schriftzüge haben mich lächeln lassen. Wir waren jung, denke ich, wir waren so kindlich. Ich muss lächeln über unsere Versuche, tiefgründig zu wirken; tiefgründig und ach-so-klug, das waren wir, und oh-so-melancholisch. Und dann treiben deine Worte einen schmerzlichen Zug in mein Lächeln; denn du schreibst von Veränderungen, und damals war ich es, die dir Veränderung vorwarf. Es sei gut, schreibst du, dass wir uns verändern und beeinflussen […]

und unsere Blicke treffen sich

Manchmal bin ich stark, und dann erwidere ich ihre Blicke mit einer gewissen Schamlosigkeit, mit provokantem Blitzen. Sie schaut dann schnell weg, und ihre Augenbrauen heben sich unmerklich.  Manchmal schaue ich sie an und weiss, dass sie das spürt, und dass sie aber den Blick nicht heben wird; und dann betrachte ich ihr Gesicht mit leiser Intensität, und denke, wie schön sie ist. Und wie magisch, wie magisch sich das anfühlt, sie anzuschauen.  

Sie (Version 2)

Sie, die irgendwann im Sommer zu mir kam. Sie gibt nie klare Antworten. Sie ist die Richtige für schiefe Metaphern. Sie ist schön. Und sie schreibt ihren Schmerz und ihre Wut und jedes andere grosse Wort, das es eben braucht, in die Welt hinaus, ganz egal, was diese Welt davon halten will, denn sie weiss, dass sie ohnehin nie dazu gehören wird. Dass sie nur in einem kleinen Zimmer Worte und Bilder zurechtschneiden und irgendwo in der weiten Welt nach […]

Das Glück besteht darin zu leben

Ein Glück bist du. Trägst mich über den schlammigen Boden meiner Angst und fragst nicht nach morgen, heute ist dir genug, hier und jetzt mit den Füssen unter meinem Tisch und einer Tasse Kaffee, während ich über Eis gehe und ständig fürchte, das Gleichgewicht zu verlieren. Ich schwanke, zugegeben. Ich schwanke und sterbe mitunter viele kleine Tode in einer einzigen Nacht, weil ich alles will, weil ich keine Türen schliessen will, es könnte für immer sein, für immer, das klingt […]

Die Hoffnung muss sein

Es stimmt schon, was du sagst. Man wartet eben doch. Allen selbst auferlegten Spielregeln zum Trotz wartet man. Heimlich und dennoch unendtäuscht, weil sämtliche Phantasien und Vorstellungen lediglich bekräftigt werden mit jedem Tag des unvollendeten Wartens. Weil die schale Hoffnung, Gesagtes könne so gemeint gewesen sein, wie es gesagt wurde, schon lange abgestorben ist. Ganz still, ganz leise und fast ohne Todeskampf. Nahezu unbemerkt. Du sagst zu mir, dass es bitter sei, aber unvermeidbar, dass es dazugehören würde, und meinst […]

O Süsse Abendstunde

Auf dem Bildschirm meines Laptops bewegt sich ihr Kopf bestätigend auf und ab. Die Pixel lassen zu wünschen übrig; ich betrachte das kleine Bild, ich lächle. “Bei wem fühlst du dich denn geborgen?”, fragt sie. Mein Blick wandert wieder zu ihr zurück; ihre Augen schauen fragend, ihr Blick ist warm, und müde. Ich nenne ein paar Namen, ein paar wenige; dann verstumme ich. Dann tippe ich ein paar Worte, und drücke die Enter-Taste, mit Nachdruck. Das ist wie Flüstern, denke […]

Herbststimmung

Dann der erste kühle Tag, und ich erinnere mich an Beschwingtheit; ist es vielleicht das, was ich an meinem ersten Herbst fern von Zuhause fühlte? Auf einem anderen Kontinent; spürte ich da zum ersten Mal all die Möglichkeiten, die möglichen Zukünfte? Die Frische der Luft trägt eine Kraft in sich, anders als die des Sommers, eine herzhafte Frische, ein Mich kann nichts aufhalten. Ein Ich packe es an, und vielleicht rührt meine Melancholie daher, dass ich die Stimmung zwar auffange, […]

Tschüss, Sommer

Ein Sommer mit Tagen, die sich aufteilen liessen zwischen Hitze, Wolkenbrüchen und Regen. Mit Unwettern und einem Staunen vom Fenster aus, als draussen die Welt unterging. Mit Tagen an den Bächen, mit Barfusslaufen. Und mit Fotos. Und während draussen der Wind die ersten Blätter über den Weg weht, denk ich zurück und weiss: Es gibt sie wirklich. Die kleinen Dinge, die am Ende so gross sind, dass sie einen zerreissen, wenn man sie zurücklassen muss. Tschüss, Sommer. Hallo, Herbst!

Das Ende ist immer der Anfang

Jeder sollte mehrere unglückliche Lieben unterhalten. Denn dann erwartet einen überall etwas, egal wohin man geht- und sei es nur ein Scherbenhaufen. Denn wer nur eine einzige grosse unglückliche Liebe hat und sie zurücklassen muss, kann gehen, wohin er will – und wird nie richtig ankommen.

Herbst ist es

Draussen fallen die ersten Blätter, und auch bei Sonnenschein ist der Wind kalt. Man kocht Suppe und löffelt sich langsam Wärme in den Bauch, denn die Kälte hat ihr Zelt in einem aufgeschlagen und probt den Anarchismus. Die Heizung dreht man weiter auf, doch zu kalt, zu schwer, zu arm fühlt man sich. Also kocht man heute keinen Kaffee, man braut heisse Schokolade, mit Milchschaum und Streuseln. Das bauchige Porzellan trägt man mit beiden Händen vorsichtig ins Zimmer, nippt vorsichtig, […]