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Category : Du musst das Leben nicht verstehen

Ich war so…

Ich wanke schlaftrunken durch die Gassen nichts denkend, sehend, fühlend. Plötzliches erwachen trifft mich wie der Rausch den Nüchternen und mir wird das Spiel von Nebel Licht und Wind gewahr. Ich freue mich früh aufgestanden zu sein, sehe noch ein wenig zu und gehe.

Wer sich selbst belügt

Welches Bild wir von uns selbst haben. Welch verzerrtes, weichgezeichnetes Bild. Von uns, von unseren Mitmenschen. Ein Bild, geformt aus alltäglichem Geplauder, aus zusammengeschnipselten, aus dem Zusammenhang gerissenen Gesprächsfetzen, die man im rechten Licht herabrieseln lässt, und selbst davon erreicht nur die Hälfte das Gehirn des Gegenübers, kitzelnd, interessant, das wird gespeichert, der Eindruck, die Empfindung. Nicht das Tatsächliche. Und anstatt danach zu suchen, suhlen wir uns in Selbstgefälligkeit. Geldgier, Machtgier; Gier nach mehr. Mehr ist nicht genug. Wir räkeln […]

Es ist für alle besser, wenn ich jetzt gehe

Eine soulige Frauenstimme, ein wenig Klavier und ein bassiges Saxophon dröhnen hinaus aus den halb geöffneten Fenstern und verschwinden irgendwo dort in den Hügeln des Emmentals. Ich drehe lauter. Du magst das. Neben mir, da sitzt du. Und du – hey du – magst du denn gar nichts sagen? Ab und an versuche ich ein bisschen Kommunikation zu betreiben, doch es hat eher etwas von einer ersten Stunde Fremdsprache lernen. Irgendetwas von dröger Grammatik und einem nicht-so-recht-wollen. Ich blicke gerade […]

Im Grunde sind diese Gedanken ganz ohne Bedeutung

Abends sind die Farben malerisch; ich laufe mit ihr durch die Felder, Bäume, blühenden Sträucher, alles ist malerisch, und wir bleiben mehrfach stehen und versuchen, das aufzufangen, festzuhalten.  Fühlt man sich als Künstler, in diesen Momenten, oder als beauftragt zur Dokumentation? Assoziiert man mit Vergänglichkeit immer das Verschwinden von Wert? Und liegt dahinter das Streben nach Grossem?; etwas Bleibendes will man schaffen, etwas von Bedeutung. Etwas, das erinnert wird, egal von wem, es soll nur nicht im Nichts verschwinden, und […]

Irgendwann nach Mitternacht (V3)

Nach Mitternacht ist’s. Ich schreibe aus mir heraus, meine Gefühle, meine Gedanken. Sie gehören dann nicht mehr nur mir, selbst wenn niemand sie liest. Wenn nur ich bisweilen diese getrockneten, gepressten Gedankenblüten betrachte – hat sich sofort etwas verändert. Das Schreiben wäscht etwas aus mir heraus, die Buchstaben fangen es ein und lassen den erlebten Moment erstarren. Erstarren, weil er mit Worten beschrieben wurde. Gedanken sind anders, sind mehr, sind nicht nur Worte. Und dann überwiegt wieder der Drang, der […]

Steihsch scho siteme Ziitli ganz hinger

Vergiss den Schmerz, vergiss die Angst, hör auf, irgendwas peinlich zu finden, hör auf, dir ständig Fragen zu stellen. Schalte deinen Kopf aus, denk mal nicht nach, hör auf, traurige Gedichte zu lesen, vergiss die Balladen, die Liebeslieder und alles unter 60bpm, mach mal wieder Sport, probier aus, wie weit du gehen kannst, fahr mal wieder aus deiner Haut, mach mal was anderes. Bieg falsch ab, fahr Umwege, geh raus aus deiner Wohnung, deiner Stadt, vergiss mal alle Pläne und deine […]

Alles geit verby

Man vergisst sich und vergisst sich doch nicht, schliesslich dreht sich alles ums Selbst; aber das Selbst auch um so vieles, das nicht Selbst ist!, all diese Erlebnisse, alles, was angesammelt wurde, empfunden, überwunden. Es ist wie: alte Wunden betrachten, mit einer gewissen Wehmut, beinahe als sehne man sich nach dem alten Schmerz, und bedauere, dass man sich nur an ein schwaches Echo davon erinnert, ein Echo, das kaum noch zu hören ist, durch all die Schichten neuer Erlebnisse, durch […]

Ich denke immer wieder über unsere Regentropfen nach

Morgens: Träume aus dem Kopf schütteln, den Gedanken an sie, an alles, mit dem Frühstück runterwürgen. Wenigstens temporär. Tränenkanäle trockenlegen. Ausziehen, wegziehen; mein Zimmer wird von Tag zu Tag kahler, ich will das so, ich beisse die Zähne zusammen und trage den kleinen Tisch auf den Dachboden. Den will sowieso niemand.  Und immer noch will ich zu ihr, alles drängt mich, alles schreit in mir.    

Du trägst mich über den schlammigen Boden

  Was macht mich zum Menschen – der Wille zum Wollen oder das Wollen zum Willen, frag ich mich und schwanke auf offener See. In dieser Nussschale meiner Gedanken, die zwar den Horizont zur Weite macht, mein eigenes Leben aber mit jedem salzigen Atemzug enger, sitze ich und sende Hilferufe an einen Unbekannten.

Stille

„Hallo.“ „Hallo. Ist gerade schlecht.“ „Wieso?“ „Ich habe keine Zeit. Rufe in einer Stunde zurück.“ „Mhm. Okay.“ „Warte, ich schaffe es heute doch nicht mehr. Hab noch zu tun.“ „Klar.“ „Klar?“ „Ja, klar. Tut mir leid, dass ich Dich anrufe, um wenigstens fünf Minuten heute Deine Stimme zu hören.“ Atmen. „Komm doch noch vorbei.“ „Geht nicht, muss noch einkaufen.“ „Dachte ich mir.“ „Das klingt, als ob ich keine Zeit für Dich hätte.“ Stille. „Habe ich nicht gesagt.“ Schweigen. Tränen. Tränen.