Ich habe dir Licht gegeben, als du mich nach Schatten gefragt hast

Der Wein ist gut:
Musik und Wein und dieser Geruch, den ich nicht vergesse.

 

Welche Rolle spiele ich? Ich habe den Text nicht parat, keiner souffliert, nur das Glas raunt mir wenig hilfreich Dinge ins Ohr, Fragen und ein bisschen Einsamkeit. Wir improvisieren, damit kennen wir uns aus, das Französische daran ist die leichtgenommene Schwere, das Wollen und Hinauszögern und zur Ablenkung noch einen Roten, bis die Zunge schwer wird und man eine Entschuldigung hat für das Nichtgesagte, das Nichtküssen, das Festhalten und Liebkosen mit Sicherheitsabstand, damit einen die Sehnsucht nicht auffrisst. Was war da nochmal, letztes Jahr, was war da noch gleich, wen interessiert das und wer kann so schnell lernen aus all dem, wer will das schon, ich nicht, du nicht, wir stolpern blind und ohne doppelten Boden durch unsere Befindlichkeiten und weinen nachts dann ein bisschen in unseren Betten.

 

Time will save you
You don’t need to save yourself
Sorry eyes of those left behind
When we were kids do these thing we oblige
If you find yourself alone, with no need to call home
(Turin Brakes)

Du bringst mich um den Verstand

Ein Traum das alles
und ich stehe
mit feuchten Wangen
am Ufer
meiner Welt

 

Steh still, nur einen Moment, während ich dich küsse und koste.
Und ich spüre deine Haut, elektrisiert, es knistert. Kannst du es hören? Ich schalte den Kopf ab, ich denke nicht nach, ich lebe, ich liebe, ich wende mich nach hier und dort, ich trinke des anderen süsse Lust, lasse mich mitreissen und durch die Nacht tragen, und es ist gut – bis am nächsten Morgen die Gedanken wie ein Gewitter über mir zusammenbrechen.

Ich verlier dich, langsam entgleitest du mir. Wie Honig rinnst du mir durch die Finger, und deine süsse Spur verblasst, vom Regen fortgewaschen. Schlaf, schlaf wohl, während ich hoffe, dass du irgendwann wieder auftauchst. Bis dahin wart ich im Regen.

 

All I want is nothing more
To hear you knocking at my door
Cause if I could see your face once more
I could die a happy man I’m sure
(Kodaline)

 

Nur ein Paar Augen sein

Zwischen Sehnsucht und Zuhause, zwischen meinen Laken und den Kaffeetassen auf dem Küchentisch, zwischen dir und mir und der Leichtigkeit unserer Gegensätze, dazwischen ist immer noch Platz für ein Lächeln.
Grund genug, nichts zu fürchten, Grund genug, sich nicht den Kopf zu zerbrechen; vielleicht ist es ganz genau das, was mich dir nahe bringt.

Now:

“Küss mich, aber küss mich nicht irgendwie, küss mich wieder und wieder, wo und wie es dir gefällt.”

Lisa schaut aus halb geschlossenen Augen her.

Ich nicke sacht.

 

“Lies in meinen Augen, was ich dir nicht alles sagen kann.”
(Gotthold Ephraim Lessing)

Diamante

Ein Kopfnicken bist du, ein schweigsames Nicken und ich schau hoch zu dir und deine Augen versuchen etwas zu sagen, dass ich in all dem Lärm um uns herum einfach nicht hören kann. Statt zu reden küssen wir uns, statt uns zu küssen halten wir uns aneinander fest, ich will nicht mehr loslassen und tue es doch.

Auf dem Weg nach Hause wünschte ich, du würdest dort auf mich warten, um mich in den Arm zu nehmen und zu schweigen, ein stilles Nicken, ein schweigsames Verstehen, ein Anker und Land in Sicht, wer bist du, meine Fremde, wer bist du, dass ich immer wieder in deinen Armen an Land gehe, wie stürmisch die See auch ist, wie hoch auch die Wellen schlagen, wie sehr auch die Irrfahrten zehren.

I ha Längizyti

Ich lausche einem Klang jenseits des Klanges,
der in der Nachtlandschaft meiner Träume herumschleicht.

Wärst du doch hier.

Ich sitze mit unruhigen Beinen und schreibe ein paar Worte – ein paar Worte an dich.
Gedanken.
Doch du ziehst an ihnen.
Und so liegen sie dort, diese unglücklichen Gefährten grübelnder Nächte, liegen dort, neben dir und halten eine Erinnerung fest, einen Duft, eine Berührung, einen süssen, kurzen Augenblick. Ich wäre so gern bei dir.
Ich kneife meine Augen zusammen ganz fest. Ich wünsche mir was.

Ich liege wach. Ich warte. Ich habe noch einen Duft von dir. Ich will dir aufmachen und dich hereinbitten und so echt, so verletzlich, so brennend und verlangend vor dir stehen, wie es mir nicht anders, nicht besser, nicht richtiger gelingen mag. Es ist still. Tatenlose Gedanken zerreiben mir das Gesicht und rauben meinen Schlaf. Ich sollte etwas tun, machen, mich in meine Angelegenheiten einmischen. Doch nicht jetzt, lieber nicht, irgendwann, dann, in Zukunft einmal. Und auf den Gleisen, die in ein Morgen reichen, fahren diese und jene Totgeburten einer ungelebten Zukunft. Und anstatt ihrer Gast zu sein und sie zu meinem Zuhause, einer schönen Gegenwart zu machen, bleibe ich, Wünscher und Denker, auf dem Bahnsteig stehen und bin Wächter ausgekühlter Sehnsüchte. Und ich schaue und führe Schrift über dies “hätte doch” und “wäre schön gewesen”, wie es nach einer Weile, blass, schon irgendwo dort in den Zipfeln ferner Baumkronen verweht.
Mit einem schweren Atem kehre ich zurück. Meine Blicke treten nach aussen, in ein ödes Hier- und Jetzt. Ich starre in das warme Licht einer alten Lampe und darunter, Tintenflecke unnützer Gedanken. Es ist still. Es ist leer. Ich lehne mich zurück, zerreibe mit Händen ein ermüdetes Gesicht und lösche das Licht.

 

Versprich mir, dass wir einen Baum pflanzen, sobald das hier vorbei ist, sagte sie leise, bevor sie meine Hand hob und sie ganz sachte mit den Lippen berührte.

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