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Sundigmorge

Da draussen regnet es weit und breit.
Es regnet graugraue Verlassenheit.
Es plaudern tausend flüsternde Zungen.
Es regnet tausend Erinnerungen.
Der Regen Geschichten ums Fenster rauscht.
Die Seele gern dem Regen lauscht.

Der Regen hält dich im Haus gefangen.
Die Seele ist hinter ihm hergegangen.
Die Insichgekehrte ist still erwacht,
Im Regen sie weiteste Wege macht.
Du sitzt mit stummem Gesicht am Fenster,
Empfängst den Besuch der Regengespenster.

(Max Dauthendey)

Und:

Seit ihrer Kindheit war sie fest überzeugt, wasserlöslich zu sein. Sie wartete nur darauf, eines Tages ohne Schirm und Regenjacke im Regen zu stehen. Sie würde auf der Strasse neben dem Trottoir stehen und zusehen, wie sie sich langsam auflöst. Wie ihre Kleidung verschwimmt, ihre Haare, ihre Hände weggewaschen werden und ihre Farben am Gehwegrand entlang in den Abfluss an fliessen. Und sie würde dastehen und zusehen. Wie sie langsam verschwindet.

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