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Warum man nicht schreiben kann, wenn man glücklich ist

Ich könnte dir sagen, dass die Sehnsucht immer erfüllender ist als das Glück. Weil die Idee vom Glück immer schillernder, bunter, gewaltiger sein wird ist als das Glück selbst. Aber dir das zu sagen, wäre zu einfach.

Denn das Glück kommt in kleiner Erscheinung um die Ecke, trägt einen Hut tief in die Stirn gezogen und einen dunkelgrauen Trenchcoat mit hochgeklapptem Kragen. Das Glück raucht und trinkt zu viel, es hat zu viele Falten für sein Alter, das Glück hat einen miesen Humor und es hat manchmal Mundgeruch, und wenn es erst da ist, ist es so unspektakulär, dass man sich manchmal kneifen muss, um in seiner Anwesenheit nicht einzuschlafen. Und es verschwindet stets genauso schnell, wie es gekommen ist. 

Stell dir einfach vor, die Welt wäre eine einzige Seifenblase. Und diese Seifenblase ist deine Sehnsucht. Du kannst ihr folgen, ihr hinterherlaufen, du kannst rennen, und wirst sie doch nie erreichen. Das ist es, was die Sehnsucht mit dir macht. Sie hält dich am Laufen, am Atmen, am Hoffen, am Leben.

Das Glück dagegen, es muss dich nicht am Leben halten. Es muss manchmal auf der Strasse an dir vorbeigehen, ein unscheinbarer Passant vor unscheinbaren Fassaden, um dich ab und zu daran zu erinnern, wie es sich anfühlt, wenn eine Sehnsucht sich erfüllt. Dann kann es wieder gehen und dich deinem Sehnen überlassen.

 

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