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Was ist los mit dir?

 

Ich kann nicht denken. Du legst deinen Kopf an meine Brust und ich spüre, wie sich mein Herz nervös bis an deine Wangen drückt, als wollte es flüchten und bei dir Schutz suchen.
Ich erstarre.

"Was ist los?"

Du richtest dich auf. Kniest auf der weichen Matratze und bist nun auf einer Höhe mit mir. Deine Augen versuchen in mich einzudringen, sich durchzuwinden und ein Schlupfloch zu finden in der Mauer meines Schweigens. Ich weiche deinem Blick aus und schaue zu Boden.
Ich spüre deine Finger, wie sie an meiner Hand entlang streicheln, wie Fingerkuppen sich aneinanderdrücken und sich dabei zu einem Kartenhaus aneinander hochstemmen. Das Licht ist gedämpft. Nur die kleine Lampe wirft einen rötlichen Schimmer auf dein Gesicht. Mir ist warm und ich öffne das Fenster einen Spalt weit. Ich lege meine Hand an deinen Hals und du schmiegst dich daran. Mit dem Daumen berühre ich deine Wangen und verharre einen Moment an deinen Lippen, diesen zarten, honigsüssen Lippen. Du drückst einen Kuss darauf.
"Was ist los? Was ist los? Was ist los?"

Worte vernebeln, zerfasern und sickern hinab in das trübe Sumpfland meiner Gedanken. Hilfe, ich ertrinke. Du siehst die tiefen Gräben, die sich in meine Stirn geschlagen haben, diese Zeugen meiner Furcht. Du umfasst mein Gesicht mit beiden Händen. Streichelst durch mein Haar und nur einen Moment später spüre ich, wie deine Nase sich daran schmiegt, wie ein Windstoss, der das Laub von den Strassen trägt.

"Ich gehe duschen. Komm mit, dann kann ich dir zeigen, wie viel hübscher das Badezimmer im Gegensatz zu diesem Zimmer ist."

Und nach der Rückkehr vom Duschen:

"Irgendwann wirst du mich freiwillig in dieses Badezimmer begleiten. Du weisst es, ich weiss es, und die Welt ist sich darüber auch schon seit Anbeginn der Zeit im Klaren."

War nicht so, könnte aber so geschehen sein.

Hätte ich beim Schreiben nur nicht so viel gesoffen. :-) Andererseits ist es ein grosses Werk, da kann es schon mal vorkommen, dass ein paar Texte noch mal überarbeitet werden müssen. Und Hemingway hatte ja auch gesoffen.

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