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Tag : short story

I keep dreaming on

Wäre das Heute mir nicht so unendlich fremd und das Gestern so verdammt nah, gäbe es ein Morgen. Doch wohin mit Morgen, wenn es nebulös scheint, wenn es verwischt, vor dem ersten Grauen? Plötzlich ist ein Monat vergangen, ein weiterer und ich werde fast taub vom Ticken der Uhr, dieser scheusslich runden Scheibe, die weder Anfang noch Ende kennt. So ergeht es uns. Falls wir einander nicht mehr sehen, hören und fühlen können, woher wissen wir ob der Andere noch […]

Ich mag Dich

Sie lächelt. Alles ist bunt. Der Regen und die Blätter, selbst aschfahle Asphaltschwärze liegt farbenfroh unter unseren Füssen. Wir denken im Zickzack, überschlagen uns dabei, greifen nach verrückten Ideen und lachen, während wir uns an beiden Händen fassen und uns dabei so schnell im Kreise drehen, dass uns schwindelig wird und wir gedankenlos von einer Strassenseite zur anderen taumeln. Und wo wir uns miteinander und umeinander bewegen, bleiben Regenbogenfarben. Bunte Ballons hängen an grauverschmierten Bentonwänden hinab und überall schmeissen gut […]

Halte mich

Meine Worte bleiben in der Luft hängen. Es ist, als könnte man jeden einzelnen ihrer Buchstaben greifen und wie eine Frucht vom Baum pflücken. “Was?” Ich starre auf den Boden. Es war eine blöde Idee. Ich möchte mich übergeben. Ich möchte den Zeitbaum wieder herunterklettern und einen anderen Ast hinaufsteigen. “Ach nichts” Sie schaut herüber zu mir. Ich spüre ihren Blick wie Eiszapfen auf meine Haut schlagen. Sie zieht ein Blättchen, legt Tabak hinauf, drückt ein wenig Gras hinein, dreht […]

Du weisst nicht, wie sich Stille anfühlt

Die Lampen glitzerten in der Abendsonne. Die kahlen Bäume versanken in weichem Licht. Es wehte ein Wind, die Art von bewegter Luft, die etwas verhiess, ohne etwas zu versprechen, in der ein wenig Pathos lag, und dort lag er zu Recht. Denn weit ausserhalb der Stadt, im Garten eines winzigen Hauses, war nichts wie immer. Dort, auf einem Stück Boden von fünfhundertfünzig Quadratzentimetern, stand eine Frau mit der festen Absicht, der Unvernunft zu begegnen. Sie war geflüchtet. Sie hatte keine […]

Mehr Freiheit gibt es nicht

Ein paar Tage hältst du das Alleinsein aus, sehr gut sogar, zu gut vielleicht, der Antrieb ist kaputt, irgendein Kabel ist durchgeschmort, manch einer nennt das Depression aber wir halten uns über Wasser mit Ablenkung. In solchen Zeiten merkst du dann, wen du eigentlich wirklich gerne sehen würdest, oder besser: wen du nicht sehen magst; keine zwölf Pferde bringen mich vom Sofa, meine Ausrede hat Hand und Fuss und eine Erkältung, die ist gut gegen Gesellschaftsüberfluss und für Nachdenkzeit, für […]

Von der Nacht verwöhnt

Ein letzter Sonnenstrahl schält Dunkelheit von braunfarbenen Wänden und wuchtigen Holzbalken verströmen einen Duft aus vergangenen Zeiten. Ein schwerer Teppich, handgeknüpft, webt tiefes Ausatmen in einen Raum aus hölzernem Klang. Es klopft. Ich zupfe mir ein Lächeln zurecht und öffne die Tür. Lange Beine, in dunklen Strümpfen, verschwinden in einem kurzen Kleid. Du siehst bezaubernd aus, hinreissend, hübsch und süsse Erwartungen aus deinen hoffnungsfrohen Augen wünschen einen guten Abend. Als du in das Zimmer trittst, da tupft dein frohes Staunen […]

Ich will dich

Einfach so, den Verstand ausgeschaltet, den Körper auf Empfang, ohne Kompromisse, ohne Nachdenken. Ich will dir in halbgeschlossene Augen schauen, Augen die mich anflehen, nicht aufzuhören, deinen Körper zu erforschen, mit meinem Mund, mit meinen Händen, mit meiner Zunge. Ich will spüren, wie dein Körper mir entgegenstrebt, zitternd, verschwitzt, fordernd, drängend. Ich will dich schmecken, deine Lippen für mich öffnen, deinen Atem in mich aufnehmen, vergessen. Ich will den Moment, deinen Kopf zurückgeworfen, wenn die Spannung dich zwingt, aufzustöhnen, kurz […]

Irgendwo

Es ist schwer zu beschreiben, dass man irgendwo war mit seinen Gedanken, fremd und doch so nah, allein, irgendwo. Wie kann man, wie kann irgendjemand, jemals sicher sein, das Richtige zu tun? Bei all den Perspektiven, die möglich sind, nötig, vielleicht, bei allem, was sich aufdrängt und entzieht zugleich, wie ist da das Richtige überhaupt definiert? Es bleibt da immer ein Fragezeichen.

Nur küssen

Drei Worte mit “nur” sind mehr Glück für mich als fast alles was wir im Leben sonst tun dürfen oder tun müssen Die drei Worte sind: “Dich nur küssen” “Mich nur küssen sonst nichts? Ist das alles was du an Glück noch hast?” Nicht ganz. Denk im Falle des Falles an meine Worte zurück: Denn ich sagte vorsichtig “fast” (Erich Fried)   “Du bist wunderschön”, murmelt sie. Tränen steigen mir in die Augen und Anna zuckt zusammen. “Was ist?”, fragt […]

Immer wieder dieser Moment der absoluten Stille

Mein Lieber, Das hier ist mein Brief an dich. Ich habe ihn am Fenster geschrieben, und das Fenster war offen. Deine Birke draussen in unserem Garten raschelte, und nun lasse ich ihm vom Wind zu dir tragen, denn der kann das, und ich glaube wirklich, dass Worte fliegen können.   Es ist nichts mehr, wie es früher gewesen ist. Irgend etwas hat sich unbemerkt in meine Träume geschlichen, bereit, sich wie ein hauchdünnes Netz darin auszubreiten und mich Nacht für […]