Wie kann es sein?

Hallo, wo seid ihr, warme Gedanken, zärtliche Momente? Ihr seid in meinen Träumen in der Nacht, in meinen tiefsten Sehnsüchten. Du bist in meinem Traum, der so traumlos ist und mich nicht mehr los lässt. Ich spüre dich, rieche dich, schmecke dich. Es ist schmerzlich, aufzustehen ohne dich, die ganze Nacht bist du bei mir, schenkst mir deine Zärtlichkeit, deckst mich mit deiner Nähe zu. Du bereitest mir Lust, verführst mich regelrecht mit deiner selbst. Ich liege wach im Bett und spüre dich, obwohl du nicht da bist.

Ihr Blick

Da liegt irgendwas in ihrem Blick, das mir den Atem nimmt.

Ein Gefühl, ich schmecke es auf der Zunge, auf der Haut, ich rieche es. Spüre es. Wie das Klingen einer Stimmgabel, wenn der ursprüngliche Ton mit den Ohren längst nicht mehr wahrnehmbar, das Vibrieren der Gabel aber noch spürbar ist.
So fühlt sich das an, was in ihrem Blick mitschwingt.

Ein bisschen.

The Very Darkest Color

Nächte: Sie sind wieder zu lang.
Die Helligkeit verkriecht sich, bis zum Frühling. Sie macht uns nichts recht, lässt sich nicht befehlen, nicht steuern. Unwichtig wie wir das sehen, dieser Dunkelheit sind wir so egal, wir müssen sie dann nehmen, wenn sie uns überlagert, einhüllt.

 

Ich schaue in das Glitzern grosser, blauer Augen, die aus Spiegelglas zurückgeworfen werden. Es klopft. Ich öffne die Tür. Lange Beine, in dunklen Strümpfen, aus katerschwarzen Schuhen, verschwinden in einem kurzen Kleid. Du siehst bezaubernd aus, hinreissend, hübsch und süsse Erwartungen aus deinen hoffnungsfrohen Augen wünschen einen guten Abend. Als du in das Zimmer trittst, da tupft dein frohes Staunen ein wenig Grün an die sandbraunfarbnen Wände. Wir stehen im Scheinwerferlicht eines jungen Abends. Wir tanzen vielgehörte, krass verstörte Lieder. Sind herrenlose Winde, die sich drehen, sich umwehen, nach einem Sturm in Zärtlichkeit verwehen, lass ebendies auch uns begehen. Ich lasse dich auf Kissen nieder und spüre dich in Küssen wieder. Das weiche Wachs abgebrannter Kerzen schmerzt süss in den Konturen eines zuckenden Körpers.

 

Und am schlaflosen Ende einer Nacht malen wir mit Filzstiften den Himmel neu.

Alles Licht, das wir nicht sehen

Die besten und schönsten Dinge auf dieser Welt kann man weder sehen noch berühren, sondern nur im Herzen spüren.

 

 

 

Es war, wie sie mir einmal erklärt hatte: Es sind nicht die Augen, mit denen wir die Welt erkennen. Es sind unsere Gefühle, die uns sehen lassen.

Sie standen sich still gegenüber

Warum ich dir nicht schreibe?

Fragst du das?.

 

Du solltest raten, dass ich mich wohl befinde und zwar, ich habe eine Bekanntschaft gemacht, die mein Herz näher angeht.

 

Ich habe – ich weiss nicht.

 

Es war der herrlichste Sonnenaufgang. Sie fragte mich, ob ich nicht auch von der Partie sein wollte; ihretwegen sollte ich unbekümmert sein.

„So lange ich diese Augen offen sehe“, sagte ich und sah sie fest an, „so lange hat’s keine Gefahr“.

Und wir haben beide ausgehalten bis an ihr Tor, das ihr die Magd leise aufmachte und auf ihr Fragen versicherte, dass Vater und Kleine wohl seien und alle noch schliefen.

 

 

Die ersten Minuten ihres Nacktseins waren wunderschön.

 

 

Dieser Moment

Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich dem süssen Sommermorgen, den ich mit ganzem Herzen geniesse. Ich bin allein und freue mich meines Lebens in dieser Gegend, die für solche Seelen geschaffen ist wie die meine. Ich bin so glücklich, meine Beste, so ganz in dem Gefühl von ruhigem Dasein versunken.

Wenn’s dann um meine Augen dämmert, und die Welt um mich her und der Himmel ganz in meiner Seele ruhen wie die Gestalt einer Geliebten,

dann sehne ich mich oft und denke:

Ach könntest du das doch ausdrücken,

könntest du dem Bild das einhauchen,

was so voll,

so warm in dir lebt.

 

Du stehst vor der untergehenden Sonne, deren Strahlen uns mit letzter Kraft wärmen, doch diese Wärme ist nichts gegen die, die in uns ist.

Wie oft haben wir uns geschrieben? Nachgedacht? Geantwortet?

Du bist.
Ich sehe, wie du deine Schuhe ausziehst und mit deinen Zehen im noch warmen Sand wühlst. Ich wünschte mir, hier stehen zu bleiben und dich bis ans Ende meiner Tage zu beobachten.

Bist du ein Magnet, der mich anzieht? Schwirrt deine Seele um mich und schiebt mich nach vorne?

Ich habe nicht einmal Blumen mitgebracht, nur mich. Keinen Anzug angezogen, nur mich selbst. Kein Orchester bestellt, nur meine Stimme. Nur noch ein paar Meter, ich bin nervös und habe Angst.

Muss ich überhaupt etwas sagen? Ist jetzt nicht die Zeit gekommen zu spüren? Ich scheine über den Boden zu schweben, immer näher, immer dichter komme ich. Ich spüre und rieche dich. Die Musik, die der Wind mit sich trägt ist lautlos.

Ich glaube, ich weine gleich. Warum habe ich dir soviel von mir erzählt? Wir kennen uns. Manchmal ist es so im Leben. Man sieht sich und kennt sich, doch ein Wort, das man nur mit seinem Inneren aufnimmt und darin eine warme Seele erkennt, ist selten.
Ich sehe deine Füsse, immer wieder lässt du die kleinen Steinchen zwischen deine Zehen gleiten, wie Wasser laufen sie hindurch. Wie gerne würde ich der Sand sein, auf dem du stehst.
Erschrickst du dich, wenn ich dich berühre?
Du scheinst zu träumen.

Meine Hände berühren deine Mitte, langsam lasse ich sie nach vorne gleiten bis zu deinem Bauch.
Jetzt spüre ich, wie du atmest.
Dein Leben.

Du.

Einer dieser Abende

Ganz allein, nur ich und der letzte schluck Rotwein. Dieses Lied und eine Zigarette.

Der Himmel, die frische nach-Regen-Luft.
Gedanken.
Erinnerungen.
Pläne und Wünsche.

Kleine Zettel überall auf dem Schreibtisch.
Einer dieser Abende. Denken und träumen und schreiben und ich sein, ohne Filter.
Die Stille der Nacht und meine Worte, ganz laut.

Der Himmel sieht aus wie gemalt und mir fehlen die Worte. Wie seit Wochen schon. Ich kann die Sätze, die ich fühle, nicht formen, nicht fassen.

Am Horizont flackert es schon wieder hell, es donnert und grummelt.

Die Vögel zwitschern.

Ich brauche Zeit zum Vermissen, Zeit zum Ankommen. Und zwischendurch brauche ich Zeit, um zu fühlen, zu verstehen, sacken zu lassen. Ich muss sortieren, begreifen, einordnen, Schubladen schliessen, um endlich darüber schreiben zu können.

Denn dann wird es besser. bestimmt.

Viel Kaffee und Musik.
Innehalten, ein Schritt nach dem anderen.

Alles scheint zu funktionieren, fast automatisch.

Die Zeit fliegt

Seltsam, wie die Zeit fliegt.
Tage vergehen wie im Rausch, im Traum.
So viele Momente und immer dieses Gefühl im Bauch und immer diese Fragen.

Dinge ausgesprochen, so klar und deutlich wie noch nie. Ganz laut; ohne den Hauch eines Zweifels in der Stimme.

Durch das kleine Dachfenster in den Himmel gucken. selbst die Wolken haben es heute eilig.

Das seltsame Gefühl breitet sich im ganzen Körper aus.

Aus dem Wohnzimmer dringen Chopin-Fetzen zu mir hinauf. Ich sitze in meinem Lieblingssessel.

Der Stift tanzt über das weisse Papier, wird schneller, im Takt der Musik, dreht Pirouetten, schwebt.

Punkt.
Und wieder ziehen Bilder rechts und links an mir vorbei und ich bin ganz leicht.
Innen drin.
Das gibt mir Kraft und Sicherheit.
Egal, was kommt. Egal, was bleibt.

Deswegen lasse ich mich einfach fallen, ins Leben, mitten hinein.

Und dennoch will ich an diesen Ort, den es nicht gibt.

 

Wo lernen wir
uns gegen die Wirklichkeit zu wehren
die uns um unserer Freiheit
betrügen will
und wo lernen wir träumen
und wach sein für unsere Träume
damit etwas von ihnen
unsere Wirklichkeit wird?
(Erich Fried)

 

Das Bild ist aus der Zusammenarbeit mit Michael entstanden.

Ich bin unglaublich glücklich, Michael kennen gelernt zu haben. Zum einen weil er mir als Künstler viel über Ästhetik und Philosophie erzählen kann und ich ihn sofort als Co-Autor für mein Buchprojekt begeistern konnte und zum anderen weil er mir als Mensch in den wenigen Wochen sehr ans Herz gewachsen ist. Die Gespräche mit ihm sind unglaublich wertvoll und gleichzeitig für mich und meine fotografische Entwicklung sehr inspirierend.

Ich mag dich

Stolz recken Blumen sich gegen den Himmel. In das tiefe dunkle blau, dieses Meer, das so stolz über ihren Köpfen schwebt. Ich streife durch sie hindurch. Lasse sie durch meine Finger gleiten. Spüre die feinen langen Gräser auf meiner Haut. Es ist alles weich, merkwürdig, anders.

Neben mir gehst du. Du hältst ein wenig Abstand. Wenn du etwas sagst, dann lächelst du und manchmal, da wirst du rot. Du schaust dann auf den Boden.

Du bist schön. Du bist schön, deine  Lippen, der schüchternen Blick deiner Augen. Alles.

Ich bin gerne mit dir zusammen. Fühle mich wohl bei dir. Es ist schön.

Wir sind scheues Getier. Du und ich. Achten darauf, uns nicht zu schrecken. Nicht voreinander wegzulaufen, davon zu rennen. Wir sprechen vorsichtige Worte.

Ja.

Es ist ein warmer Tag. Ein warmer Wind zieht vorüber. Ich rieche das Getreide, das sich vor und hinter und neben uns in die Ferne zieht. Ich schliesse meine Augen.

„Ich, ich, ich“, stottere ich. Wir bleiben stehen und dein Blick, dieser Quell deiner süssen Verletzlichkeit, wendet sich mir zu.
„Ich mag dich“,

 

sage ich schliesslich. Ich schlucke, zögere. Dann greife ich nach deiner Hand. Es ist alles still. Du, ich, die Welt. Ich spüre, wie ein kräftiger Atem durch deine Lungenflügel strömt und deine Brust hebt. Du reibst deine Lippen aneinander, als seien sie ein wenig trocken und dann, dann lächelst du.

Ich habe dir nicht geglaubt

Du hast mich in deinen Briefen, in deiner fein geschwungenen Schrift mit nach draussen genommen, in den Regen, den Wind. Du hast die richtigen Fragen gestellt, aber das habe ich erst begriffen, als ich zum ersten Mal über das Blutrot der Sonne staunte. Über die unsagbare Stille der Berge. Über grandiose Blumenfarben am Strassenrand. Als ich den Kopf in den Nacken geworfen und mit dem Wind gelacht habe.

 

 

Ihr Kopf liegt neben mir auf dem Sofa. Sie ist eingeschlafen. Ich rieche die Wärme, die das feuchte Haar abgibt. Sie wollte unbedingt eine Decke, trotz der Hitze. Eine Decke ist wie eine zweite Haut, sie hält ohne etwas zu wollen. Ich verstehe das.

Ich habe wieder angefangen zu lesen und wenn ich lese, will ich gleich auch wieder anfangen zu schreiben. In den letzten Monaten habe ich wenig gelesen und kaum geschrieben.

Worte ändern nichts und alles.

Ich schreibe mich neu.

 

Epilog

Ich habe deine Stimme verloren, weisst du. Es ist zu lange her. Ich würde sie unter vielen nicht wieder erkennen. Aber ich wünsche mir, dass ich das nicht muss. Ich wünsche mir, dass wir uns eines Tages an irgendeinem Bahnhof gegenüberstehen, müde von der Fahrt und vom Vorfreuen, und dass ich dir sagen kann: Ich habe es damals nicht gewusst, aber du hast mir das Leben gerettet.

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