Träumerische Traumfrau

Hallo, wo seid ihr, warme Gedanken, zärtliche Momente? Ihr seid in meinen Träumen in der Nacht, in meinen tiefsten Sehnsüchten. Du bist in meinem Traum, der so traumlos ist und mich nicht mehr los lässt. Ich spüre dich, rieche dich, schmecke dich. Es ist schmerzlich, aufzustehen ohne dich, die ganze Nacht bist du bei mir, schenkst mir deine Zärtlichkeit, deckst mich mit deiner Nähe zu. Du bereitest mir Lust, verführst mich regelrecht mit deiner selbst. Ich liege wach im Bett und spüre dich, obwohl du nicht da bist. Wie kann es sein? Deutlich spüre ich noch deine Hände auf mir, deine warmen zärtlichen Lippen, die über meine verschwitzte Haut wandern. Draussen ist es hell geworden, die Sonne scheint und lässt ein paar Strahlen in mein Zimmer. Ist die Nacht denn schon vorbei? Mein Traum vorbei? Vögel singen ihre Lieder, ihre wiederkehrenden Laute dringen in mein Ohr, sie legen sich in mich, so wie du auf mir liegst, so eng. Sonnenstrahlen lecken über meine Haut, sie dringen in meine Poren und bringen mir Wärme. Es ist eine zärtliche, streichelnde Wärme. Deine Hände können so streicheln. Wie Sonnenstrahlen gleiten sie über mich, sie berühren mein Herz. Ein Baum steht leuchtend grün vor meinem Fenster, Schattenspiele tanzen an meinen Wänden, Blätter winken mir zu, bewegt vom Wind der Welt. Durch wie viele Lungen ist der Wind erzeugt worden? Ist er aus Mensch gemacht?

Sonntagmorgenfrüh

Ich mag zum Samstagmorgen auch den Sonntagmorgen. Eigentlich. Statt wie sonst kann man einfach noch ein Weilchen länger liegen bleiben und seinen müden Gedanken nachhängen.

Eigentlich also ein schöner Morgen. Nur komme ich heute nicht dazu, ihn auch wirklich zu geniessen. Schon die ganze Nacht habe ich kaum ein Auge zugebracht, lag die meiste Zeit nur wach da. Es ist aber auch einfach viel zu viel los bei mir! So viele Gedanken, die mich umtreiben.

Und in eben diesem Gedankenwirrwarr bricht draussen vor meinem Fenster der Sonntagmorgen an. Unaufhaltsam weicht die Nacht der vorsichtigen Frühlingssonne, dringen die ersten Geräusche des neuen Tages durch meine Fenster herein. Und dann, zu allem Überfluss, fängt da draussen auch noch ein Vogel an zu zwitschern.

Nein, denke ich, das will ich gerade einfach nicht hören! Dieses fröhliche Leben, diese heitere Stimmung da draussen. Ich will mich lieber weiter in meiner dunklen Höhle verkriechen. Doch auch mein Decke-über-den-Kopf-ziehen bringt nichts: Der dumme Vogel hört nicht auf zu singen. Zwitschert munter weiter, als gäbe es nichts Schöneres auf der Welt. Ich gebe mich schliesslich geschlagen und fange an, ihm zuzuhören. Was das wohl für ein Vogel ist? Amseln singen doch so, oder? Allmählich zaubert mir das Gezwitscher ein kleines Lächeln auf mein Gesicht. Klingt das nicht irgendwie schön, wie unbeschwert und gegen alles Dunkel der Nacht dieser kleine Vogel den neuen Tag begrüsst? So voll Zuversicht und Vorfreude auf das, was dieser Sonntag wohl mit sich bringen mag? Daran will ich mir ein Beispiel nehmen!

Denn irgendwie spricht mir dieser Vogel auch ein klein wenig aus der Seele. Ja, momentan trage ich viele Sorgen mit mir herum. Bin wie ein Vogel mit gebrochenem Flügel. Aber eigentlich will ich mich nicht vom Dunkel der Nacht überdecken lassen. Nein, ich will diesem Morgen eine Chance geben, ein schöner Tag zu werden. Und vielleicht werde ich am Ende auch wieder fliegen können.

 

Sonntage wie dieser

Du bringst mich um den Verstand

Du bringst mich um den Verstand, wunderliche Welt. Mit allen Momenten der Freiheit und den bösen Rückholaktionen auf den Boden der Tatsachen. Diese Dinge, die man nicht kontrollieren kann und die einen einholen im Augenblick der Unachtsamkeit, achtsam nur noch tränennah, und ich weine an deiner Schulter und ich hasse mich dafür und ich liebe dich dafür. Dann wieder fühlt sich alles so gut an und richtig und frei, aber der Hammerschlag kommt jedes Mal, jedes Mal wieder, mit der Gewalt eines gebrochenen Herzens und mit der Sehnsucht nach einem Arm um meine Schulter. Da sehe ich dich stehen und du bist, wie du bist, ein bisschen stumm, ein bisschen kalt, ein bisschen Stein und wieder spür ich in meinem Kopf deine warme Haut unter meinen Händen, während es so aussieht, als lächeltest du von oben auf mich herab.

 

Steh still, nur einen Moment, während ich dich küsse und koste.

 

Und ich spüre deine Haut, elektrisiert, es knistert. Kannst du es hören? Ich schalte den Kopf ab, ich denke nicht nach, ich lebe, ich liebe, ich wende mich nach hier und dort, ich trinke des anderen süsse Lust, lasse mich mitreissen und durch die Nacht tragen, und es ist gut – bis am nächsten Morgen die Gedanken wie ein Gewitter über mir zusammenbrechen.

 

Ich verlier dich, langsam entgleitest du mir. Wie Honig rinnst du mir durch die Finger, und deine süsse Spur verblasst, vom Regen fortgewaschen. Schlaf, schlaf wohl, während ich hoffe, dass du irgendwann wieder auftauchst. Bis dahin wart ich im Regen.

 

Ein Traum das alles
und ich stehe
mit feuchten Wangen
am Ufer
meiner Welt

Endlich küsst er sie

Ich wünsche manchmal
ich könnte
mich an dir sattküssen
aber dann müsste ich sterben
vor Hunger
nach dir
denn je mehr ich dich küsse
desto mehr muss ich dich küssen:
Dich Küsse nähren nicht mich
nur meinen Hunger
(Erich Fried)

 

Ihre Kehle ist viel zu trocken, die Welt viel zu dunkel, die Fremde zu gross. Die Lust einem Zittern gewichen, das nur noch schreien möchte. Sie wünscht sich nur noch aufzuwachen, aus diesem Traum, der solange ihr Leben mitbestimmt hat. Sie reisst die Augen unter der schwarzen Binde auf und registriert, beinahe mit einer an Wahnsinn grenzenden Klarheit – nur Dunkelheit. Und die deutlich.

„Ich bin hier, alles ist gut, nichts kann dir geschehen. Ich bin hier vertrau mir.“

Und sie fällt zurück – und vertraut .

Sie spürt seinen Atem auf ihrem Gesicht, weiss seinen Körper beinahe berührungslos über ihrem, kann seinen Duft fast auf ihrer Zunge schmecken und fühlt seine Hände beruhigend über ihr Haar gleiten.

„Du bist schön, ja, du bist aufregend du bist mein wahrer Traum, hörst du?“

„Ich begehre dich, ich will dich!“

Endlich küsst er sie.

Im schläfrigen Nebel sanft gewordener Augen, liegen sie aneinander. Ineinander. Haltlos. Bodenlos. Ihr gleichmäßiges Atmen und das leise Ticken seiner Armbanduhr sind das einzige, das die Stille begleitet.

 

Das Bild ist ein Resultat der Zusammenarbeit von mir und Michael.

 

Dort wachsen keine Träume mehr

Wo lernen wir uns gegen die Wirklichkeit wehren
die uns um unsere Freiheit betrügen will
und wo lernen wir träumen
und wach sein für unsere Träume damit etwas von ihnen unsere Wirklichkeit wird ?
(Erich Fried)

Dort wachsen keine Träume mehr

 

 

Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und sehe in den Spiegel. Ich sehe mir in die Augen wie einem Fremden, der mir gegenübersteht. Lege meine Hand auf meine Wange, sehe die Finger und spüre doch — nichts. Ich beuge mich nach vorne und zähle die Haare meiner Augenbrauen, die Falten unter meinen Augen, die Grübchen in meinen Wangen. Ich muss an sie denken. Sie sagt die Guten kennen die Anzahl deiner Grübchen. Sie hat genau 3. In ihrer rechten Wange. Ein grosses, und zwei winzig kleine. Ich weiss das. Ich mag sie so, wenn sie lacht.
Draussen geht eine Tür auf, leise knarrend, doch sie lässt einen kurzen Windstoss herein, Füsse nähern sich, ich sehe immer noch in den Spiegel und sehe sie im Türrahmen stehen. Ihren Körper, die verwuschelten Haare. Kommst du nach draussen? fragt sie. Ich nicke gleich, geh ruhig schon vor. Sie dreht sich um, ich höre sie in den Garten laufen und sehe noch einmal in den Spiegel. Es ist ein heisser Frühlingstag, auf meiner Stirn sammelt sich Schweiss. Ich streiche mir über den Bart, rasieren, ja, höre sie von draussen, wo bleibst du denn? wende mich ab und gehe nach draussen.

 

Auf der Wiese im Garten liegt eine grosse rote Decke, darauf hat sie zwei Teller gestellt und den Kuchen, den wir gestern gebacken haben. Es ist ein Johannisbeerkuchen. Und eigentlich hat sie ganz alleine gebacken. Ich durfte die Beeren von den Stängeln zupfen, während sie den Teig für den Boden zerkrümelte und die Beeren auf dem Boden verteilte. Sie ass die Teigschüssel leer, während der Kuchen im Ofen war, ich durfte ein bisschen vom Teig probieren, und ich durfte den Kuchen zum Abkühlen aus dem heissen Backofen holen, als er fertig war.
Ich setze mich zu ihr auf die Decke, sie springt noch einmal auf, sagt, ich solle warten, sie läuft ins Haus, um ein Messer zu holen, ich bleibe sitzen und habe einen Kloss im Hals. Und ich staune, wie schön das alles ist. Der Kuchen, der neben mir steht, sieht grossartig aus, die roten Beeren und der helle Teig, aus dem Zuckerkristalle glitzern, ein Grashüpfer hüpft über die Decke, keine einzige Wolke steht am ganzen Himmel, der Apfelbaum wirft einen Schatten über den Rasen. Und über allem liegt eine grosse Stille. Und meine grosse Sprachlosigkeit.
Sie kommt zurück, sie hat eine Kuchenschaufel mitgebracht. Ich bewundere ihren Kuchen und wie schön sie das alles hier draussen gemacht hat, sie lacht und sagt das ist doch alles von alleine da, und gut, dass du so selten den Rasen mähst, siehst du die Schmetterlinge da drüben? Und weisst du schon, wir haben ein neues Vogelnest im Apfelbaum.
Sie sagt, sie kann mit Tieren sprechen. Sie erzählt mir von den Amseln im Garten, von den Eidechsen, die sich auf den Steinen vor dem Haus sonnen. Und sie kennt die Geschichten der Regenwürmer, die sie fand, als sie im Herbst neue Erdbeeren pflanzte. Sie weiss all das, was ich nicht weiss, ihre Welt ist so viel grösser als meine. Und alles, was mir bleibt, ist ein Staunen. Ein Bewundern. Alles, was ich noch kann, ist, Autofahren, und ich kann ihr Lieder singen. Sie sagt immer, dass ich nicht singe, sondern brumme, dabei lacht sie.

Manchmal sagt sie Dinge, die ich nicht verstehe. Früher habe ich manchmal nachgefragt, habe versucht, zu verstehen, was sie meint. Doch inzwischen habe ich begriffen, dass all die Fragen müssig sind. Dass das Fragen nur ein Versuch ist, die Dinge so kompliziert zu machen, dass sie in meine Welt passen. In ihrer Welt ist alles so einfach. In ihrer Welt ist alles so klar. Manchmal wünschte ich mir ein Stück ihrer Welt für meine eigene. Ein Stück von dieser Welt, in der manche Dinge keine Erklärung brauchen. Weil sie einfach — sind.
Sie sagt, wenn es regnet, dann singen die Pflanzen. Manchmal läuft sie dann mit nackten Füssen in den Garten und legt sich auf die Wiese, um zu lauschen. In warmen Sommern bleibt sie dort manchmal die ganze Nacht. Dann bleibe ich auf, setze mich auf die Bank an der Hauswand und bewache sie. Und wenn es am Morgen immer noch regnet, dann liegt sie da, in ihrem regennassen Kleid, immer ohne Schuhe. Und sie schläft. Dann setze ich mich neben sie. Ihre Haare sind ganz nass. Und sie sieht so glücklich aus, wie sie daliegt. Wenn der Regen aufhört, hebe ich ihren Kopf an und lege einen Arm darunter, den zweiten unter ihre Beine, und trage sie ins Haus. Dort lege ich sie auf den grossen Sessel, der ganz nah am Kamin steht, decke sie zu und zünde das Feuer im Ofen an, damit sie sich nicht erkältet. Und wenn sie aufwacht, koche ich ihr Kakao und sie erzählt mir, was sie nachts im Regen gehört hat.
Manchmal gehen wir in die Stadt, nur sie und ich. Wir laufen durch die Stadt.
Im Auto auf der Fahrt zurück sieht sie stumm geradeaus. Auf der Hälfte der Strecke fragt sie, können wir anhalten? Ich muss dir etwas sagen. Ich fahre auf einen Feldweg. Der Kies knirscht unter dem Reifen, erst jetzt merke ich, dass die ganze Zeit Musik an war. Die Felder sind schon ganz grün, der Regen hat ihnen gutgetan, wer weiss, welche Lieder sie singen, hier draussen, wo sie keiner hört, denke ich, schalte den Motor ab und sehe sie an. Sie hat sich abgeschnallt und öffnet die Türe, komm, ich zeig dir was. Am Rand des Feldes wächst Klatschmohn und auf dem einzigen Baum in all der Weite sitzt ein Falke. Weisst du, wo er wohnt? fragt sie, ich weiss es nicht, aber ich glaube, er wohnt überall, wo es einen Himmel und einen Platz zum Landen gibt, sage ich. Dann möchte ich ein Falke sein. Sagt sie. Und läuft weiter. Wir gehen nebeneinander den Weg zwischen den Feldern entlang. Manchmal habe ich Angst, diese Welt könnte ihr etwas anhaben, ihr wehtun, sie könnte an all dieser Gier, diesem Leid, diesem Schmerz um uns herum zerbrechen.
Vorsichtig läuft sie über die Steine, dann in der Mitte des Weges auf dem schmalen Streifen Grün. Die Gräser sind schon ganz lang. Sie streichen an meinen Beinen entlang. Der Wind streicht über die Felder, die Blätter des Baums zittern. Irgendwo zwitschern Vögel, sie rennt los, ihre Haare und ihr Kleid flattern im Wind. Wir sind auf einem kleinen Hügel angelangt, von dem aus man die Stadt sehen kann. Sie bleibt am Rand einer Wiese stehen und schaut hinunter, dann sieht sie mich mit ihren grossen Augen an. Sag … magst du die Stadt? Der Wind weht ihr eine Strähne ins Gesicht, sie streicht sie zur Seite und wendet ihren Blick nicht von mir ab. Ich setze mich auf die Wiese und sehe ihr in die Augen. Ich weiss es nicht. Ich mag an der Stadt, dass wir dort einkaufen gehen können, dass es dort alles gibt, was wir brauchen. Das ist so schwer zu sagen. Magst du denn die Stadt? Sie setzt sich neben mich und blickt auf die Dächer unter uns. Ich weiss es nicht. Aber dort sind alle so schnell. Alle haben immer so viel zu tun. Es gibt so viele Menschen. Und immer laufen alle in dieselbe Richtung. Ich glaube, ich mag die Stadt nicht.

 

Dort wachsen keine Träume mehr.

 

Sie steht auf, nimmt meine Hand, wir gehen schweigend zurück zum Auto und fahren nach Hause.

An Dich denken

Plötzlich träumst du von anderen.

Du widersetzt dich nicht, warum auch, es träumt sich gut.
Deine Hände noch ganz taub beim Aufwachen, weil du versucht hast, etwas festzuhalten, was du nicht festhalten kannst. Es entgleitet dir, er entgleitet dir, dein Herz blutet dabei, aber nicht mehr so stark. Du küsst andere, es tut dir gut, du machst seit Monaten mal wieder die Augen auf und erschauderst beim Blick auf die Welt, sie drängt sich dir auf, fast nicht auszuhalten ist das, du frierst, steckst die Hände unter die Achseln und hebst die Schultern an.

Wenn die Nacht kommt, kommt die Einsamkeit und die Erinnerung.

Auf Treibsand baue ich mein Haus.

 

An Dich denken
und unglücklich sein?
Wieso?
Denken können
ist doch kein Unglück
und denken können
an Dich:
an Dich
wie Du bist
an Dich
wie Du Dich bewegst
an Deine Stimme
an Deine Augen
an Dich
wie es Dich gibt —
wo bleibt da
für wirkliches Unglück
(wie ich es kenne
und wie es mich kennt)
noch der Raum
oder die Enge?
(Erich Fried)

 

Kein Grund zur Panik

So herrlich unentspannt tröpfelt das Leben vor sich hin und wir mit ihm. Ab und an trifft uns ein Papierflieger mitten ins Gesicht, das macht nichts, jedenfalls nichts kaputt aber sonst auch nicht viel. Wir sind herrlich entspannt, sagen die anderen, sagen wir uns immer wieder vorm Spiegel bis wir uns selbst glauben, ein wenig nur. Das reicht, um nicht durchzudrehen. Immerhin. Troztdem vermissen wir es, das gehalten werden, das halten dürfen, ein bisschen Wärme, auch ohne Kerzenflimmern und Backgroundmusik. Den Wein können wir auch alleine trinken, er schmeckt, nur halb so gut aber was macht das schon, nachts kuscheln wir uns in unsere Betten und schlafen nicht, daran haben wir uns gewöhnt, das kennen wir, kein Grund zur Panik.

In unserer Umarmung

Was bist Du mir?
Was sind mir deine Finger
und was deine Lippen?
Was ist mir der Klang deiner Stimme?
Was ist mir dein Geruch
vor unserer Umarmung
und dein Duft
in unserer Umarmung
und nach ihr?

Was bist du mir?
Was bin ich Dir?
Was bin ich?
(Erich Fried)

 

Später liege ich im Bett und spüre die Melodramatik auf meinem Gesicht, spüre das, und muss lächeln, muss beinahe lachen, aber es ist dunkel und ich liege im Bett, und darum lächle ich bloss, belustigt über mich selbst, und denke an sie, und fühle mich verbunden.

Das Bett: zu gross, zu klein, zu hart, zu weich. Die Decke: zu leicht, schwer, warm, dünn. Linke Seite, rechte Seite, auf dem Bauch. Hin- und herdrehen und zurück. Kissen aufschütteln. Kissen plattliegen. Aufgeben, aufstehen, die Decke hinter einem her-, aufs Sofa umziehen. Hin- und herdrehen und zurück. Aufgeben, aufstehen, die Decke hinter einem herziehen, ein Glas vom Tisch reissen. Es krachen und liegen lassen. Zurück ins Bett. Fallen lassen. Umdrehen. Zwanzig Minuten später aufstehen, ein Glas Wasser trinken. In die Küche setzen. Umherlaufen. Ins Bett fallen. Nein sagen aus blosser Verzweiflung. Nichts sagen aus Mangel an Alternativen. Ein Körper, der spricht, in einer Sprache, an der nichts zu deuten ist. Ein Gesicht, das nicht einmal mehr die Augenbrauen hochzieht. Es wird Zeit, spätestens an der Stelle, wo die Musik wiedereinsetzt. Warten darauf, dass es einfach nur noch vorbeigeht.

Erstmal Kaffee kochen und die gute Tasse ohne Sprung heraussuchen. Musik hören. Dasitzen, hinsehen und mich wundern. Wie leicht es ist. Wie einfach. Wie es ist, ganz ohne Nachdenken, ohne Mühe. Wie alles anders ist und wie schwerelos.

Dass Du nicht da bist

Es war der Moment, der alles veränderte, alles in mir und um mich herum. Mit offenen Augen und den weit geöffneten Fenstern meines Bewusstseins daliegend umschloss ich jede Sekunde mit dir einzeln mit beiden Händen, um sie festzuhalten. Doch eine nach der anderen bahnte sich ihren Weg zwischen meinen Fingern hindurch in die Freiheit und zerplatzte im Zwischenraum zwischen Raum und Zeit wie eine Seifenblase.

Nur einige Sekunden später reisse ich die Türe auf und tauche in der Menschenmenge ab. Es ist so leicht, in der Menge unterzugehen. Sich in der Masse zu verlieren. Man hört auf, sich mit sich selbst zu konfrontieren, denn das Gedränge lässt keinen Platz für raumgreifende Fragen. Eine grosse Ansammlung von Menschen entwickelt ihren eigenen, durch die Musik vorgegebenen Herzschlag. Er nimmt dich vollständig ein und saugt dich in sich auf, er übernimmt die Kontrolle über dich und Sekunden später bist du verschwunden.

 

Ich bin so müde
dass ich
wenn ich durstig bin
mit geschlossenen Augen
die Tasse neige
und trinke.

Denn wenn ich die Augen
aufmache
ist sie nicht da
und ich bin zu müde
um zu gehen
und Tee zu kochen.

Ich bin so wach
dass ich dich küsse
und streichle
und dass ich dich höre
nach jedem Schluck
zu dir spreche.

Und ich bin zu wach
um die Augen zu öffnen
und dich sehen zu wollen
und zu sehen
dass du
nicht da bist.
(Erich Fried)

Ich liebe den Engel

Heute bin ich dir sehr nahe. Fühle mich herbei geholt in deine Welt. Kann deutlich dein Lachen hören, deine Stimme. Nun fühle ich mich im Hier und Jetzt geborgen. Ich kann deine Liebe spüren, deine Wärme und Energie in mich aufnehmen. Fühle mich in deinen Armen sicher und geborgen. Es sind die Arme eines Engels die mich gerade halten, mich wiegen und mir zu flüstern, ich bin bei dir.

Tränen des Glücks suchen sich einen Weg durch mein Gesicht. Eine starke Energie zieht nun durch meinen Körper, will mich auf den Weg bringen, um dich auf unserem gemeinsamen Weg zu begleiten. Ich lasse mich fallen, versinke in einen Mantel der Ewigkeit, als mich die Wellen der Liebe weit nach oben tragen. Nach oben in den Horizont, weiter zur Milchstrasse, bis an den Rand der Unendlichkeit.

 

Ich liess meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde gross:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloss.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er liess mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…
(Rainer Maria Rilke)

 

Dieser Post ist inspiriert durch die wunderbaren Texte von Annina.

Das Bild ist aus der Reihe “Photo Painting”, ein Projekt mit Michael, dass mir grosse Freude bereitet.

 

Du:

“Es gibt Schicksalsbegegnungen, die passieren einfach. Wie die Bäume im Frühling, wenn sie erneut blühen. Die Natur weiss, was sie tun muss, um das Leben zu würdigen. Und es gibt Seelen, die wissen, wohin sie müssen, um Liebe zu vergeben, zu erfahren und gemeinsam zu erleben.”

 

Ich:

“Alles ist wie es ist und alles hat Sinn, dass es geschieht, wie es geschieht, auch wenn ich nicht immer in der Lage bin, die Sinnhaftigkeit zu erkennen. Insofern weiss ich, dass es nichts gibt, was keinen Sinn ergibt.”

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