Ich spürte die Sonne und den Wind und deine Worte auf der Haut

Du hast mir geschworen, dass das Licht nach den dunklen Jahren unfassbar sein würde. Ich habe dir nicht geglaubt. Du hast mich in deinen Briefen, in deiner fein geschwungenen Schrift mit nach draussen genommen, in den Regen, den Wind. Du hast die richtigen Fragen gestellt, aber das habe ich erst begriffen, als ich zum ersten Mal über das Blutrot der Sonne staunte. Über die unsagbare Stille der Berge. Über grandiose Blumenfarben am Strassenrand.
Du hast mich aus der Fassung gebracht. Im besten Sinne.

Wenn ich könnte, ich würde jeden Brief an dich neu schreiben.

ein Gedicht

statt ein Brief
statt einer Berührung
statt verflochtener Finger
statt eines flüchtigen Streichelns
statt eines gehauchten Kusses
statt eines Schauers auf dem Rücken
statt einer Zunge zwischen den Lippen
statt einer Brust die sich in eine Hand schmiegt
statt eines zitternden Atemzuges
statt einer Hand am Schoss
statt
nur ein Gedicht

Ich wünsche mir, dass wir uns eines Tages an irgendeinem Bahnhof gegenüberstehen, müde von der Fahrt und vom Vorfreuen, und dass ich dir sagen kann:

Ich habe es damals nicht gewusst, aber du hast mir das Leben gerettet.

 

 

Totally alone, I feel you breaking off a piece of my heart
Oh, you know that I care
You know why I’m here
You know I care
I’ll always be here
(Amy Shark)

 

 

Das Bild ist entstanden aus der Zusammenarbeit mit Poet Laval (Michael) .

Wichtig ist, nie beim Anfang zu starten

Ich werde dich suchen, hier, zwischen den Zeilen. Irgendwo zwischen zurechtgeschnittenen Worten und Bildern, im Fluchtpunkt einer Atempause.
Kontrollgang des Blicks in die Ferne: Unser Wir zieht Fäden, die Wolken entlang. Jeder Vogelschatten, der mich streift, berichtet von deinen Brauen und Wimpern. Die Spuren von Entenfüssen im Fluss erzählen von deinem Lächeln. Der Duft frischer Pistazien muss mit deinem Nacken zu tun haben. Wenn ich mein Gesicht lang genug in die Stille halte, weiss ich, dass es sich lohnt, an Worte zu glauben. An die glatte Kühle hinter dem Spiegel. An sonnendurchschienene Katzenohren und mehlbestäubte Finger, die sich ineinander verschränken. An die Möglichkeit einer guten Nacht. An Kuchenteig.

An die Sagbarkeit von Freude.

 

 

Das Bild ist erstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler Poet Laval.

 

Über der Stadt

Ich gehe spazieren. Kurve um Kurve geht es hinauf auf die Anhöhe über der Stadt. Laub verschiedenster Form und Farbe säumt den Weg. Ein wenig Nässe der letzten Tage liegt verstreut hier und dort in den schattigen Stellen. Ich mag es, wenn meine Füsse in die bunten Blätterhaufen eintauchen. Ich mag es, sie davon zu stossen. Es ist ein sonniger Novembertag. Der Wind bläst. Schritt für Schritt erklimme ich die Anhöhe, die sich Biegung für Biegung immer weiter nach oben zieht. Ich blinzle in die Sonne, die mir mitten ins Gesicht scheint. Welch stilles Glück in diesen kleinen Momenten liegt.
Oben, auf dem Hügel angekommen, überblicke ich die Stadt, die links und rechts und rundherum zu meinen Füssen liegt.
Geradeaus, mit dem Rücken mir zugewandt, erblicke ich eine junge Frau, die ganz allein auf einem Stein sitzt. Ihr langes Haar und der dünne Schal an ihrem Hals flattern im Wind. Ihre Beine hat sie an sich herangezogen und mit ihren Armen umschlungen. Sie blickt hinab. Sie ist schön.

Nur küssen

Drei Worte mit “nur”
sind mehr Glück für mich als fast alles
was wir im Leben sonst
tun dürfen oder tun müssen
Die drei Worte sind: “Dich nur küssen”

“Mich nur küssen
sonst nichts?
Ist das alles
was du an Glück
noch hast?”

Nicht ganz.
Denk im Falle des Falles
an meine Worte zurück:
Denn ich sagte vorsichtig “fast”
(Erich Fried)

 

“Du bist wunderschön”, murmelt sie. Tränen steigen mir in die Augen und Anna zuckt zusammen. “Was ist?”, fragt sie als sie eine Träne mit ihrer linken Hand auffängt. “Das hat noch nie jemand zu mir gesagt”, murmele ich und blicke zu Boden. “Aber jeder hat es gedacht”, lächelt sie.
“Wir sehen uns morgen, okay?”
“Okay”, antworte ich als sie meine Haare zurückstreicht und mir einen Kuss auf die Stirn gibt. Ich will schon die Tür öffnen als ich bemerke dass sie sich nicht rührt und mich weiter anstarrt.

“Was ist?”.

Immer wieder dieser Moment der absoluten Stille

Mein Lieber,
Das hier ist mein Brief an dich. Ich habe ihn am Fenster geschrieben, und das Fenster war offen. Deine Birke draussen in unserem Garten raschelte, und nun lasse ich ihm vom Wind zu dir tragen, denn der kann das, und ich glaube wirklich, dass Worte fliegen können.

 

Es ist nichts mehr, wie es früher gewesen ist. Irgend etwas hat sich unbemerkt in meine Träume geschlichen, bereit, sich wie ein hauchdünnes Netz darin auszubreiten und mich Nacht für Nacht gefangen zu nehmen.

Auch heute erwache ich schon in der Morgendämmerung, die verblassende Spur eines Traumes als winziger Abdruck im weichen Sand meines Bewusstseins. Sie lässt sich nicht mehr greifen, die Erinnerung an diesen Traum, gleitet mit jedem Atemzug weiter und weiter ins Bodenlose, doch das Gefühl, das sie hinterlässt, erfüllt meinen Körper mit einer seltsamen Unruhe, die mich lange nicht loslassen will. Ich bin mir sicher, dass es nicht immer derselbe Traum ist, aus dem ich erwache. Ich kann es spüren. Manchmal weckt mich das heisere Keuchen meines eigenen Atems, begleitet vom rhythmischen Trommelschlag meines Herzens. Wachsam. Durstig. Und voller Ungeduld. Jeden Tag verbringe ich in einer Mischung aus beglückender Vorfreude und schleichender Angst. Angst, du könntest einfach nicht auftauchen, mich im Stich lassen.

 

Allein mit meiner unerfüllten Sehnsucht und einer unendlich scheinenden Reihe von Tagen.

 

 

Ein weiteres Bild aus der Zusammenarbeit mit Michael.

Halte mich

Du siehst bezaubernd aus, hinreissend.

Doch ich spüre das Fernweh in meiner Brust schlagen. Deine Blicke sagen “geh nicht” und dieses eine Mal möchte ich ihnen widerstehen.

 

 

Du hast mir viel gegeben, viel gezeigt von diesem anderen Leben.

 

 

Ein Bild aus der Zusammenarbeit mit dem Künstler und Freund Michael.

Frei sein

Ich will dich.
Ich will zu dir
und da bist du, und ich sehe dich, und du siehst mich an, und dann fliegst du davon.

 

 

 

Ich bin frei. Ich schließe die Augen und denke eine Weile über diesen Umstand nach. Aber noch bin ich nicht imstande, wirklich zu begreifen, was es bedeutet, frei zu sein.

Alles Licht, das wir nicht sehen

Die besten und schönsten Dinge auf dieser Welt kann man weder sehen noch berühren, sondern nur im Herzen spüren.

 

 

 

Es war, wie sie mir einmal erklärt hatte: Es sind nicht die Augen, mit denen wir die Welt erkennen. Es sind unsere Gefühle, die uns sehen lassen.

Warum sollte man sich der Erinnerung entledigen

„Warum sollte man sich der Erinnerungen entledigen, die ebenso für eine gute Zeit stehen?“

 

Ja doch. Du hast das richtig gesehen: Da sind Blätter in meinem Haar und Grashalme auf meinen Lippen. Während du roten Wein getrunken hast, habe ich gewartet, dass etwas passiert. Irgendetwas muss doch irgendwann einmal passieren, das kann doch nicht sein, dass ich hier warte, bis dir der Rotwein von der Zunge tropft und mit ihm eine Lüge oder eine Wahrheit, was weiss ich denn davon. Der Teufel in mir lärmt und tanzt und trinkt und lacht, während der Engel in mir feinbravartig arbeiten geht, Geld verdienen für den Wein, den du trinkst, um Mut zu sammeln für die vielen Fragen, die du mir doch niemals stellen wirst. Unterdessen ist unterwegs etwas verlorengegangen, ich weiss nicht mehr genau, was es war, aber ich vermisse es – mit Inbrunst und doch nur ganz nebenbei, so latent beim Aufstehen und Zubettgehen, beim Umsehen und Nichtverstehen, ständig, immerzu. Während ich in dein Ohr flüstere und die Wahrheit sage, ausnahmsweise einmal, nicht für lange, denn der Wahrheit folgt umgehend eine Lüge, wie das immer so ist mit diesen Dingen, die in uns drin passieren und die wir deswegen partout nicht verstehen können. Du lachst, bittersüss, deine Zunge schwer und dunkelrot deine Zähne; ich warte immer noch.

 

“… Ich trinke solidarisch mit, und es kommt der Blues, gegen den man weder anlieben noch -trinken kann, weil der Sex in diesem Fall sinnlos und Alkohol einem schal werden lässt, und dennoch wird man ganz kurz mitgerissen von den Gedanken und ist kurz wirklich bei sich, bei dem Zwanzigjährigen, der man mal war.”

 

Sie war weg vor langer Zeit.

 

Danke Michael!

Für mich, hier die Non-Blues Version:

Non blues

 

Der Abendsonne entgegen

Ich will dir sagen, wie schön du bist, ohne dass es farblos und wie daher gesagt klingt. Es wird genug eben einfach so gesagt. Doch dies soll wertvoll bleiben. Du sollst dich nicht daran gewöhnen. Ich schaue dich an, wie du dort auf dem Boden liegst, die Augen geschlossen. Deine Lider zucken ein wenig im Licht der schwindenden Abendsonne.
Ich schaue hinaus aus dem weiten Flügelfenster, das bis hinab an die Bodenkante reicht. Ich setze mich zu dir, ganz nah, noch näher. Erst jetzt ist es gut. Ich möchte dir etwas sagen. Ich streife dein Haar zur Seite. Ich lege Strähne um Strähne, als wäre jede der besonderen Beachtung wert. Ja, als wäre es gar unhöflich sie zu bündeln oder einer unter ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken. Was spürst du, wenn ich dich berühre, wenn meine Finger an deiner Wange über die Haut fahren, wenn sie etwas von der Sonne nehmen und dir einen Schatten auf das Gesicht legen? Du regst dich nicht. Nur als meine Nase an deinen Arm stösst, murmelst du etwas. Ich verharre, warte einen Moment, bleibe wie ich bin. Einen Augenblick, zwei Augenblicke, drei. Wärst du wach, würdest du meinen Atem hören. Du magst das, hast du gesagt.
“Ich, ich, ich.” – Flüsterton. Ich höre dich lächeln. Hörst du mich? “Ich, ich, ich.”, setze erneut an. Sollst dich nicht daran gewöhnen, nicht, nicht daran gewöhnen. “Ich, ich.”. Drücke meine Lippen vorsichtig an dein Ohr. Spüre den zarten Widerstand und lasse mich ein wenig zurückfallen. Ich schliesse meine Augen und noch bevor ich aus dem Dunkel zurückkehre, flüstert es “ich dich auch, ich dich auch, ich auch”.

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