Why Not You?

Sonntagmorgengedanken

Küsschen auf die Wange. Küsse auf den Mund. Küsse auf den Ellenbogen. Küsse woanders. Die Nasen aneinander reiben. Streicheleinheiten. Umarmungen. Einander bei der Hand nehmen oder Arm in Arm laufen. Die Haare anfassen. Nebeneinander schlafen, oder aneinander geschmiegt.

Blicke. Lange Gespräche. Komplimente. Gesten der Aufmerksamkeit, des Zuhörens, des Interesses. Zusammen verbrachte Zeit. Zärtliche Worte. Lachanfälle. Sich vielsagende Blicke zuwerfen.

 

Offenbar wird mir: du fehlst.

 

Ich erinnere mich, wie an einen Traum. Spaziergang aber kein Kuss. in die Augen sehen.
Momente in denen sich die Seelen berühren und die ein tiefes Gefühl zueinander hervorrufen. Mit allen Sinnen den Anderen wahrnehmen, ihn in der Fülle und Tiefe seiner Persönlichkeit begreifen und seine Schönheit erkennen. Zarte Berührung der Seelen untereinander.

 

Du bist so schön. Du bist so zart. Du bist so plötzlich einfach da. Und ich kann nur noch an dich denken. Ich mag dir diesen langen Blick und tausend süsse Küsse schenken. Schau doch nochmal her zu mir und aus langen, tiefen Blicken entsteht ein wir, ein festes Band aus wolkenweichem Stoff gewebt und durch feine Fingerkuppen fest vernäht. Ich mag dir all diese schönen Worte eines romantischen Erwachens, die voller Zärtlichkeit auf meiner Zungenspitze liegen, in meinen Blicken zuwerfen. Und wenn deine Augen sich in scheuer Schamesröte senken, dann möchte ich mit fester Hand dein Gesicht an meines heben und meinen Mund an deinen legen.

 

Ein gemeinsames Bild mit Michael.

Herzlichen Dank dafür.

Du fragst nur nach dem Morgen

Morgen ist, wenn der Regen von letzter Nacht in der Luft hängt. Morgen ist ein leises Flattern von Vorhängen im Wind. Morgen ist noch schlafen und wissen, dass die Hand auf meiner Schulter dir gehört. Morgen ist meine Nase in deinem Nacken vergraben. Morgen ist ein verschlafenes Lächeln, Morgen ist ein leises Blinzeln. Morgen ist eine Strähne aus dem Gesicht streichen. Morgen ist dich immer noch mögen. Und Morgen ist ein Flüstern: Lass die Augen zu. Und küss mich.

Du umarmst mich. Auf der Strasse ist niemand ausser uns, ich küsse deinen Hals. Diese Richtung? fragst du und deutest die Strasse hinunter. Ich nicke, wir laufen zur Bahn. Wir gehen übers Kopfsteinpflaster, ich zähle die Steine, du die Autos am Ende der Strasse. Die Bahn ist schon da, als wir ankommen, die letzten Meter rennen wir, als wir Luft holen, schliessen sich die Türen. Ich mag dich, wenn du lachst.

Im Waggon, ein Mädchen schläft an einen Jungen gelehnt, zwei Männer steigen ein und singen Yesterday. Ich habe einen Kloss im Hals und ich möchte nicht, dass er weggeht. Bei der vorletzten Station bremst die Bahn abrupt und wirft mich gegen dich, du hältst mich fest.

03 Uhr 15. An der letzten Station steigen wir aus und gehen schweigend nach Hause.

Wir lassen das Licht im Treppenhaus aus und du zündest eine Kerze im Wohnzimmer an. Romantik ist nur dann kitschig, wenn man nicht dabei war. Wein? Du nickst, ich gehe in die Küche und suche die Gläser. Als ich zurückkomme, sitzt du am Klavier, ich bleibe leise und im Türrahmen stehen und kenne die Melodie nicht. Du bist ganz versunken, summst eine Zeile lang mit, plötzlich hörst du auf, du drehst dich um, siehst mich an. Und fragst nicht nach heute Nacht.

Du fragst nur nach dem Morgen.

 

 

 

(Das Bild ist eine gemeinsame Arbeit mit Michael)

 

In unserer Umarmung

Was bist Du mir?
Was sind mir deine Finger
und was deine Lippen?
Was ist mir der Klang deiner Stimme?
Was ist mir dein Geruch
vor unserer Umarmung
und dein Duft
in unserer Umarmung
und nach ihr?

Was bist du mir?
Was bin ich Dir?
Was bin ich?
(Erich Fried)

 

Später liege ich im Bett und spüre die Melodramatik auf meinem Gesicht, spüre das, und muss lächeln, muss beinahe lachen, aber es ist dunkel und ich liege im Bett, und darum lächle ich bloss, belustigt über mich selbst, und denke an sie, und fühle mich verbunden.

Das Bett: zu gross, zu klein, zu hart, zu weich. Die Decke: zu leicht, schwer, warm, dünn. Linke Seite, rechte Seite, auf dem Bauch. Hin- und herdrehen und zurück. Kissen aufschütteln. Kissen plattliegen. Aufgeben, aufstehen, die Decke hinter einem her-, aufs Sofa umziehen. Hin- und herdrehen und zurück. Aufgeben, aufstehen, die Decke hinter einem herziehen, ein Glas vom Tisch reissen. Es krachen und liegen lassen. Zurück ins Bett. Fallen lassen. Umdrehen. Zwanzig Minuten später aufstehen, ein Glas Wasser trinken. In die Küche setzen. Umherlaufen. Ins Bett fallen. Nein sagen aus blosser Verzweiflung. Nichts sagen aus Mangel an Alternativen. Ein Körper, der spricht, in einer Sprache, an der nichts zu deuten ist. Ein Gesicht, das nicht einmal mehr die Augenbrauen hochzieht. Es wird Zeit, spätestens an der Stelle, wo die Musik wiedereinsetzt. Warten darauf, dass es einfach nur noch vorbeigeht.

Erstmal Kaffee kochen und die gute Tasse ohne Sprung heraussuchen. Musik hören. Dasitzen, hinsehen und mich wundern. Wie leicht es ist. Wie einfach. Wie es ist, ganz ohne Nachdenken, ohne Mühe. Wie alles anders ist und wie schwerelos.

Das wünsche ich mir für dich

Was ich nicht vergessen will: Wie du gelächelt hast, als du langsam aufgewacht bist und meinen Kuss gespürt hast.

Ein leichter, weicher Kuss war das, du hattest die Augen noch geschlossen, und dann, mitten im Begreifen und Erwachen, hast du so gelächelt. Ein rein spontanes, glückliches Lächeln war das. Das war wunderschön.

Ich bin tatsächlich stolz, merke ich; stolz, dein Vertrauen zu geniessen, es geniessen zu dürfen. Es berührt mich, wenn du einschläfst, fest um mich geschlungen; wenn du dich dem Schlaf ergibst, wie ein Kind in meinen Armen. Manchmal richtest du im Halbschlaf Worte an mich; ein erklärender Satz, eine Frage, mit geschlossenen Augen, immer mitten aus einem Gespräch gerissen, das du dir erträumt hast.

Ich mag, dich noch nicht aufwecken, obwohl mein Nacken schmerzt; ich halte dich dann fest und freue mich. Ich halte dich fest mit dem Gefühl, dich beschützen zu wollen, vor allem, was kreucht und fleucht und draussen herumheult. Vor allem, das dich unter Druck setzt, das Erwartungen an dich stellt; wenigstens für den Moment soll die Zukunft ohne Widerstände sein, alle Hindernisse hinweggefegt. Du sollst sicher wandeln in deinem Traum, nichts soll dich quälen.

Das wünsche ich mir, das wünsche ich mir, für dich.

Näher als Du denkst

Wir heben uns etwas auf, für später vielleicht oder für immer, das ist erstmal unwichtig. Aus zwei Wochen und Jahren kann ein Frühlingslächeln werden und du weisst nicht, wo du es einsortieren sollst, du schaust darauf und daran vorbei, zurück ein bisschen und vorwärts auch, aber findest die passende Schublade nicht. Also legst du es ab unter Seltsamkeiten, da liegen schon so viele Dinge, allesamt ein buntgemischtes Inferno deiner eigenen Ungereimtheiten, suchst die passenden Wörter für etwas, worauf du dir keinen Reim machen kannst. Dann schweigst du und schliesst die Augen, kurz nur, in diesem Frühlingswindwetter.

Du bist gerade ganz weit weg, sagst du und ich nicke und denke:

viel näher als du glauben magst, viel näher an mir selbst.

Was für ein Gefühl (II)

Die Kellnerin schob die Stühle zusammen. Das Licht auf der Terrasse erlosch.
“Wir müssen gehen”, sagte sie. Ich beobachtete, wie ihre Fingerspitzen um das leere Glas vor ihr auf dem Tisch kreisten. Wir sahen uns an. Was für ein Gefühl.

Ich nickte.

Wir erhoben uns fast gleichzeitig. Auf der schmalen Treppe, die zum Parkplatz hinabführte, streifte mich der Saum ihres Rockes. Sie zog ihre Schuhe aus und lief über das angrenzende Feld. Sie lief in die andere Richtung, weg vom Parkplatz, weg von den Lichtern.
Langsam, fast zögernd ging ich ihr nach. Ich spürte das feuchte Gras unter meinen Füssen, die warme Sommerluft auf meinen Armen. Wenn wir uns auch nur für diesen einen Tag verabredet hatten, schien es doch, als flüsterten ihre Spuren im Gras “Lass uns bleiben.”
Sie stand am Fluss. Sie legte ihren Kopf an meine Schulter. Ich begann zu frieren. Ihre Lippen näherte sich meinem Mund.
“Was meinst du, wollen wir einfach so bleiben?”
Ihre Stimme klang rau.

Ich nickte.

Sie drückte ihre Lippen an meinen Hals. Ihre Hände berührten mich an der Schulter. Es schien, als wolle sie in mich hineinkriechen, mich erkunden wie ein fremdes Tier. Zwischen ihren Küssen sah sie mich an. Ihre Augen schimmerten an den Rändern durchsichtig.

“Komm”, hörte ich mich auf einmal sagen.

Ich nahm ihre Hand.

 

 

Einst hatt’ er sich ein Bild gemacht,
Es staunte, wer es sah;
Es stand in aller Schönheit Pracht
Ein junges Mädchen da.
(Johann Wolfgang von Goethe)

 

Eine gemeinsame Arbeit mit Michael.

Why Not You?

Leben

Dieses Leben, wie es ist, in einem Moment – der bleiben soll. (*)

Du & ich, welch eigene Beziehung. Freund, Seelenverwandter, guter Freund, Verliebtheit, tiefe Freundschaft, Wegbegleiter, für kurz oder länger oder lang? Du & ich, ein Glaube, oder auch kein Glaube, unser Alter, unsere Reife, unsere Entfernung, unsere Arbeit, unsere Ausbildung. Du & ich. Ganz nah, ganz fern? Du & ich viel Kontakt, dann wieder wenig? Du & ich soviel Dinge. Eine eigene Beziehung. Unsere eigene Beziehung. Wie sie auch sein sollte, in einem grossen, manchmal unüberschaubaren Plan, der Göttlichkeit, oder des “Schicksals”. So verschieden und doch so gleich. Eine eigene Beziehung. Aneinander denken, oder auch nicht, sich vermissen, weniger, stärker. Schön, dass es dich gibt, einfach schön, dass es uns gibt. Auch was die Zukunft bringt, wie es uns geht, wo wir sein werden, was wir tun werden, Du & ich, oder Du irgendwo und ich irgendwo. Es ist unsere Geschichte: Du & ich und es ist schön, gemeinsam ein paar Zeilen, In welcher Form auch immer, wenn man behutsam miteinander umgeht, zu schreiben. *Keep smiling – you never now who will fell in love with you, when you are smiling* (weiss nicht mehr genau wer das geschrieben hat, aber nicht ich).
Eine tiefe Seele, die an dich denkt. Vergiss nicht, du bist nie allein, egal welche Wendung unsere Geschichte nimmt.

 

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
(Rainer Maria Rilke)

(*) Hat mir so unglaublich gefallen

I bi immer für di da – ei tag länger aus für immer

Lass Dich fallen, hab keine Angst
Schliess Deine Augen und spüre mich
Gib Dich deinem Verlangen hin
weil ich nur heute bei Dir bin
Zwei Seelen die auf einer Wolke schweben
nur mit Dir will ich das erleben
Dein Atem streichelt meine Haut
wir beide sind uns so vertraut
Der Augenblick der uns gehört
dein sanfter Blick der mich betört
Denk jetzt nicht nach und lass Dich geh’n
vor Leidenschaft will ich vergeh’n
Auf meinem Körper Deine Hände
Zart und sinnlich ohne Ende
Von Deinen Lippen will ich trinken
und sanft in Deine Arme sinken

 

Ich will dich. Einfach so, den Verstand ausgeschaltet, den Körper auf Empfang, ohne Kompromisse, ohne Nachdenken. Ich will dir in die Augen schauen, Augen die mich anflehen, nicht aufzuhören. Ich will spüren, wie dein Körper mir entgegenstrebt, zitternd, verschwitzt, fordernd, drängend. Ich will dich schmecken, deinen Atem in mich aufnehmen, vergessen, dass ich sterben muss. Ich will den Moment, wenn die Spannung dich zwingt, aufzustöhnen, kurz bevor dein Atem sich überschlägt, und du die Grenze übertrittst, den Punkt ohne Wiederkehr, unkontrolliert, dich selbst offenbarend. Ich will dein Salz auf meinen Lippen, Muskel um Muskel erforschen, auf deiner Haut lesen, deinen Rhythmus spüren.

Nichts, was ich lieber täte, als dich mitten im Satz zu stoppen, dich heranzuziehen, um dich zu küssen.

Sei mein Engel für die Nacht

Das Zimmer ist dunkel, nur der flackernde Schein der beiden Kerzen durchdringt die hereinbrechende Schwärze der Nacht. Ich bin allein mit meinen Gedanken, allein mit meinen Gefühlen.
Nah ist die Erinnerung an letzte Nacht, als du bei mir warst.

Oder war es nur ein Traum?

“Berühr’ mich, bitte berühr’ mich”, die Worte sind in meinem Kopf, Du flüsterst sie mir ins Ohr, so dass dein Atem meinen Hals streift.

“Ganz langsam”, flüstere du wieder, “ich will von der Spannung in mir umspült werden wie von einer grossen Welle, so lange, bis ich glaube, ertrinken zu müssen”.

Mein Finger umfährt die Linie deiner Brust, ganz leicht nur.

“Hör’ nicht auf“.

 

Lass mich Deinen Atem spüren,
deine Lippen sanft berühren.
Deine Nähe lässt mich beben,
lass uns in den Himmel schweben.
Hast in mir die Glut entfacht,
sei mein Engel für die Nacht.

Die Sonne malt mir ein Bild

Aufgewacht. Blinzelnd: Urlaubsstimmung, ungestüme Freude; ich bin wieder Kind, die Welt wieder Spielplatz, und alles will entdeckt, betrachtet, gekostet werden. Kaum hat mich der letzte Tropfen Duschwasser berührt, zieht es mich schon hin, zum Fenster, zur Sonne, und obwohl das Fenster einen Spalt breit offensteht, gewinnt die Wärme die Überhand; streichelnde, liebkosende Wärme, ganz anders als alles, was der Winter zu bieten hat. Heizung, Kamin; nichts ist deren Wärme gegen das hier.

Diese Wärme macht nicht schläfrig. Diese Wärme macht leicht, und froh.

Aber da ist diese ständige Hast, das Aufspringen, der Wunsch nach Verbesserung. Perfektion? Die Möglichkeiten. Der Moment ist gut, und schön, das sehe ich, aber die Gedanken ruhen sich nicht aus; ein Kaffee, vielleicht, könnte den Moment noch besser machen, oder das Gefühl frisch geputzter Zähne. Vielleicht lieber Tee, aber was, wenn die Sonne dann nicht mehr? Sollte man vielleicht besser?

„Die letzten Wochen war ich dauernd krank. Normalerweise bin ich nach zwei Tagen wieder auf den Beinen, diesmal ging es mir nach zwei Tagen nur noch schlechter. Darauf folgte eine gesunde Woche mit arbeiten, einem Konzertbesuch und dem Bildermachen. Pünktlich zum Wochenende liege ich dann wieder flach. Diesmal mit Husten und richtig Fieber.
In der Zusammenfassung macht das gefühlte 253 Liter Tee, drei Tonnen Orangen und Äpfel, mehrere riesen Töpfe mit Suppe und zwei Gläser Honig.“

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