In unserer Umarmung

Was bist Du mir?
Was sind mir deine Finger
und was deine Lippen?
Was ist mir der Klang deiner Stimme?
Was ist mir dein Geruch
vor unserer Umarmung
und dein Duft
in unserer Umarmung
und nach ihr?

Was bist du mir?
Was bin ich Dir?
Was bin ich?
(Erich Fried)

 

Später liege ich im Bett und spüre die Melodramatik auf meinem Gesicht, spüre das, und muss lächeln, muss beinahe lachen, aber es ist dunkel und ich liege im Bett, und darum lächle ich bloss, belustigt über mich selbst, und denke an sie, und fühle mich verbunden.

Das Bett: zu gross, zu klein, zu hart, zu weich. Die Decke: zu leicht, schwer, warm, dünn. Linke Seite, rechte Seite, auf dem Bauch. Hin- und herdrehen und zurück. Kissen aufschütteln. Kissen plattliegen. Aufgeben, aufstehen, die Decke hinter einem her-, aufs Sofa umziehen. Hin- und herdrehen und zurück. Aufgeben, aufstehen, die Decke hinter einem herziehen, ein Glas vom Tisch reissen. Es krachen und liegen lassen. Zurück ins Bett. Fallen lassen. Umdrehen. Zwanzig Minuten später aufstehen, ein Glas Wasser trinken. In die Küche setzen. Umherlaufen. Ins Bett fallen. Nein sagen aus blosser Verzweiflung. Nichts sagen aus Mangel an Alternativen. Ein Körper, der spricht, in einer Sprache, an der nichts zu deuten ist. Ein Gesicht, das nicht einmal mehr die Augenbrauen hochzieht. Es wird Zeit, spätestens an der Stelle, wo die Musik wiedereinsetzt. Warten darauf, dass es einfach nur noch vorbeigeht.

Erstmal Kaffee kochen und die gute Tasse ohne Sprung heraussuchen. Musik hören. Dasitzen, hinsehen und mich wundern. Wie leicht es ist. Wie einfach. Wie es ist, ganz ohne Nachdenken, ohne Mühe. Wie alles anders ist und wie schwerelos.

Spürst du meinen Atem, meine Hände? Mein Ich ?

Was bin ich? Sag es mir. Ich sehe nur noch dich, rieche deinen Duft, spüre deine Wärme, geniesse deine Bewegungen. Verschmolzen, eins geworden mit deinem Ich.

Deine Augen, deine wunderschönen Augen sind glücklich. Allein dein Anblick, dein Geruch nach Lebendigkeit, die Erkenntnis deiner selbst, deine warme Haut, deine Seele, die mich umgibt, dein warmes Licht, das nie erlischt, allein das lässt mich glücklich sein, einfach nur, weil du bei mir bist. Ich umfasse dich und halte dich fest in meinem Arm, mein Kopf ruht auf deiner Schulter, einen sanften Kuss lege ich dir auf deine Wange, einen zärtlichen Kuss, ein Kuss für die Ewigkeit.

 

Michael ich bin stolz auf das was wir tun.

Du begegnest Menschen mit so viel Liebe und Wertschätzung und das tut einfach gut.

Und jetzt hast Du auch zwei Menschen zusammengeführt.

Ich danke Dir.

Die Sonne malt mir ein Bild

Aufgewacht. Blinzelnd: Urlaubsstimmung, ungestüme Freude; ich bin wieder Kind, die Welt wieder Spielplatz, und alles will entdeckt, betrachtet, gekostet werden. Kaum hat mich der letzte Tropfen Duschwasser berührt, zieht es mich schon hin, zum Fenster, zur Sonne, und obwohl das Fenster einen Spalt breit offensteht, gewinnt die Wärme die Überhand; streichelnde, liebkosende Wärme, ganz anders als alles, was der Winter zu bieten hat. Heizung, Kamin; nichts ist deren Wärme gegen das hier.

Diese Wärme macht nicht schläfrig. Diese Wärme macht leicht, und froh.

Aber da ist diese ständige Hast, das Aufspringen, der Wunsch nach Verbesserung. Perfektion? Die Möglichkeiten. Der Moment ist gut, und schön, das sehe ich, aber die Gedanken ruhen sich nicht aus; ein Kaffee, vielleicht, könnte den Moment noch besser machen, oder das Gefühl frisch geputzter Zähne. Vielleicht lieber Tee, aber was, wenn die Sonne dann nicht mehr? Sollte man vielleicht besser?

„Die letzten Wochen war ich dauernd krank. Normalerweise bin ich nach zwei Tagen wieder auf den Beinen, diesmal ging es mir nach zwei Tagen nur noch schlechter. Darauf folgte eine gesunde Woche mit arbeiten, einem Konzertbesuch und dem Bildermachen. Pünktlich zum Wochenende liege ich dann wieder flach. Diesmal mit Husten und richtig Fieber.
In der Zusammenfassung macht das gefühlte 253 Liter Tee, drei Tonnen Orangen und Äpfel, mehrere riesen Töpfe mit Suppe und zwei Gläser Honig.“

Du hast noch immer nicht losgelassen

Ich sehe, wie du mich anschaust, und alles, was ich denken kann, ist, dass du es verdienst, genau so angesehen zu werden.

Also lass mich, lass mich allein. Lass mich in Ruhe, ich meine es nicht so, bleib hier. Hör auf. Hör auf, so gut zu mir zu sein; hör auf, mich so anzuschauen. Ich kann nicht, kann dir nicht geben, was du suchst, ich will. Ich will es versuchen.

Ich stochere in einem Gefühlschaos, über das ich längst den Überblick verloren habe. Ich suche nach Struktur, nach dem kleinsten bisschen Halt, aber da ist nichts, nichts, dessen ich mir sicher sein kann. Was will ich, was will ich nicht; was gibt mir das Recht, zu entscheiden.

Wenn du mich ansiehst, mit dieser vollkommenen Offenheit. Da ist nichts Falsches in deinem Blick; nichts, was mir den Weg versperrt, absolut nichts. Alles, was mir entgegen strömt aus diesem Blick, ist Wärme. Wärme von einem solchen Ausmass, dass ich mich schäme, sie anzunehmen. Ich schäme mich, wie man sich für ein viel zu grosses Feuer schämen kann, wenn man der einzige ist, der sich daran wärmt, obwohl doch so viele frieren.

Gib mir Schmerz. Gib mir Enttäuschung, und Wut, und Dunkelheit, denn das ist mir vertraut; das sind Dinge, mit denen ich etwas anfangen kann. Ich weiss nicht, wie ich damit umgehen soll; mit dem, was du mir anvertraut hast. Was du mir gibst. Du hast dich mir entgegen geworfen, noch sehr viel entschlossener, als ich geahnt hatte, und jetzt halte ich dich, und du mich, und wir uns gegenseitig, und ich warte auf den Fall. Aber du lässt nicht los.

 

Besonders deshalb

Bin ich frei, bin ich verloren; kann man beides nur zur gleichen Zeit sein?

Ich fühle etwas, endlich fühle ich etwas, das war es doch, was ich wollte, oder nicht? Das ist es doch, hinter dem ich her war. Hier ist es, und es ist Schmerz; ich wusste nicht, dass ich solch heftigen Schmerz empfinden kann. Vielleicht habe ich es bloss verlernt. Vielleicht habe ich mich daran gewöhnt, Schmerzen erspart zu bekommen; bestimmt sogar.

Räum alles weg, was dich an mich erinnert, sagt sie, als sei es nicht sie, die ich damit aus meinem Leben radiere. Es hilft, sagt sie, und lächelt traurig. Ich schüttle bloss den Kopf. Später raffe ich tatsächlich alles zusammen, was mir in den Blick fällt. Ich stopfe alles zusammen, greife mir Schlüssel und Handy und stürme in die Nacht.

Gegen drei stapfe ich die Treppe hoch, mit dröhnenden Ohren und trockenem Mund. Es ist am besten so, sage ich mein Mantra auf, und schrubbe mir das Salz von den Augen, und den Schweiss von der Stirn. Aber im Bett kapituliere ich. Das Kissen fehlt, obwohl es nur klein ist, und eigentlich ohne Bedeutung; sie hatte es mir mitgegeben, für den Flug, und danach lag es eben im Bett, weil ich nicht wusste, wohin damit. Jetzt klammere ich mich daran, als hinge mein Leben davon ab, und vertraue ihm meine Verzweiflung an.

Ich habe versagt, enttäuscht und verloren. Deshalb schluchze ich. Sie glaubt nicht mehr daran, an uns; deshalb schluchze ich. Und, weil sie vielleicht Recht hat. Weil ich nicht will, dass sie Recht hat. Weil ich sie vermisse.

 

 

Ich rufe nach Dir mit gewaltiger Sehnsucht

Meine Gedanken liegen wach, ziehen an die Orte der Sehnsucht.

Die Zeit fliesst und ich zerfliesse in ihr, an ihr,
begrabe mich darunter und zerschelle daran.

So weit bin ich gelaufen, dass mein Körper mir schlussendlich den Dienst versagt hat.

Ach, Herz, wo willst du hin?

Ich sehne mich nach Leben und Stille,
nach Einsamkeit und Geborgenheit.
Meine Droge ist unbestimmtes,
unablässiges sehnen.

Du, der ichs nicht sage, dass ich bei Nacht
weinend liege,
deren Wesen mich müde macht
wie eine Wiege.
Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht
meinetwillen;
wie, wenn wir diese Pracht
ohne zu stillen
in uns ertrügen?
(Rilke)

In dem unruhigen Schlaf, den ich heute Nacht gegen Morgen fand, warst du da. In meinem Traum hast du mich gerufen, wolltest mich an deiner Seite.

Stille Wasser

Das Emmental ist schön, aber das ist es ja immer. Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont verschwunden, also ist es noch hell, aber die Ahnung der Nacht liegt bereits in der Luft. Ich stehe am Ufer der Emme.

Ich geniesse die laue Brise, die mir über den Nacken streicht. Ich bin nervös. Am liebsten würde ich wegmarschieren, zurück in die Stadt, in der heute ein Frühlingsfest stattfindet – eine Menge Lärm und Trubel, die Musik schwappt mit dem Wind herüber. Darum ist auch keiner hier und ich komme mir mehr als seltsam vor, so einsam herumzustehen.

Was hat mich nur geritten, heute diesen Treffpunkt auszumachen? Mit einer Frau, die ich im Leben noch nie getroffen habe und von der ich nur weiss, was sie geschrieben hat.

Ich halte das Kribbeln in der Magengegend nicht mehr aus. Um zumindest irgendetwas zu tun, ziehe ich die Schuhe aus und grabe die Zehen in den Sand. Er ist warm und weich und ich frage mich, warum ich das nicht öfter mache.

 

 

 

und ich sage nicht

Du bist so pessimistisch, wirft sie mir vor. Und sie hat recht, es mir vorzuwerfen. Ich stolpere zurzeit durchs Leben und rede mir das Unbequeme dramatisch, und das Schöne zu Scherben.

Manchmal muss man ein paar Zeilen löschen, um neue Worte zu schöpfen. Ich bin ein bisschen wie im Halbschlaf; ein bisschen nicht da, obwohl das nicht stimmt, jedenfalls nicht immer, und eigentlich nicht oft. Ich bin schon da, und ich sehe und nehme wahr und existiere.

Was ist, fragt sie, und ich finde mein Lächeln auf ihren Lippen wieder. Nichts, sage ich, und schmiege mich an sie, und drücke Küsse auf Lippen, Wange, Hals. Wärme umwogt mich. Wärme kitzelt in der Magengrube. Fest hält sie mich, und ich will meine Freude auf sie übertragen wissen, will, dass meine Küsse ihr sagen, was mein Mund sich zu formen weigert. Was sagen Worte schon. Vor allem diese drei Worte; sie versprechen so viel. Und ich kann längst nicht sicher sein, auch nur die Hälfte dieser Versprechungen einhalten zu können.

 

 

Was für ein Gefühl

Um uns herum scheint es keine Zeit mehr zu geben. Ich spüre deinen warmen Mund, deine lebendigen Lippen, die sich wie ein Schmetterling auf meine legen. Ich halte dich in meinen Armen und spüre wie du dich an mich schmiegst, wie es nur weibliche Wesen können. Du bist so geschmeidig an mir, voller Hingabe und Sehnsucht, es ist als würden wir verschmelzen durch unseren Kuss, der keine Einflüsse von aussen zulässt. Nur du und ich im Wandel der Zeit, die Welt dreht sich weiter, obwohl es für diesen Moment an Bedeutung verliert genauso wie die Musik, die der Wind zu uns trägt. Wir spielen unsere eigene Melodie, unsere Herzen geben den Takt an. Meine Hände gleiten über deinen nackten Rücken wie Engelsfinger über eine Harfe.

Du schmeckst so gut, dein Kuss, unser Kuss berauscht mich mehr als alles andere auf der Welt. Deine weichen Lippen sind wie Samt auf meinen Lippen.

Sinken wir zusammen? Stehen wir noch?

Fliegen wir durch einen Regenbogen, der in all seiner Schönheit und Pracht erstrahlt nach einem lauen Sommerregen, wenn die Sonne wieder zum Vorschein kommt? Mir ist als würde ich mein Selbst verlassen, als würde mein Inneres nach aussen kommen, um dich zu verschlingen.

Du bist stumm

Es sind deine Augen, die die Worte formen. Ich stehe still. Du erhellst mich mit deinen wachen Augen. Ich bin stumm, liege vor deinen Füssen, in der Gewissheit nicht getreten zu werden. Mit dir würde ich durchs Feuer gehen, mich in die Dunkelheit stürzen.

Wenn du mich mit deinen Händen formst, mich mit deinen Fingern ins Leben holst, dann atme ich tief und bin.

Immerzu durchwandern Gedanken mein Gehirn. Du bist die Stille für mich, ein Ort, wo ich mich selbst finde. Dein Puls bedeutet leben, leben für dich und leben für mich. Bedeutungslosigkeit umgab mich, obwohl ich sehen konnte war ich sehend blind. Ich bin auf der Suche nach einem Satz. Ein Satz, der alles beschreibt. Ein Satz, der Heilung bringt. Ein Satz, der mich erlöst. Aus einem meiner Sätze formst du ein Wort, ein Wort, das nichts sagt und doch so viel bedeutet.

Ist dieses Wort die Antwort auf all meine Fragen, das Ende meiner Suche?

Nein, mit jeder Antwort, die ich erhalte, erklimmen neue Fragen mein Gehirn. Ich stehe am Abgrund, sehe die unendliche Tiefe und höre das Wort, das du mit deinen Blicken formst. Es ist schön am Abgrund zu stehen, denn so kann ich in die grenzenlose Weite sehen. Verschwende nicht dein Leben mit suchen, finde die Nähe, die dich umgibt. Fühle den Boden, auf dem du stehst oder liegst, und lasse deinen Geist frei. Bewegte Bewegungslosigkeit ist in mir, ein Blick in die Weite verschönt mein Stehenbleiben.

Du holst mich immer wieder zurück, hältst mich am Leben wie eine Nadel, an der ein Tropf hängt. Es sind deine Worte, die mich stechen, dein Leben, das in mich tropft. Du bist der volle Mond in der Nacht, ich heule dich an und werde zum Tier. Ich darf sein wie ich bin, doch bin ich wirklich so wie ich mich gebe? Du zweifelst nicht, es ist mein Ich, das an mir verzweifelt. Viele Dinge kann ich sehen, doch mein Selbst bleibt mir stets verborgen. Ich möchte, dass du mich begräbst, an meinem Abgrund stehst und mich mit einem stummen Gedicht deiner Augen begleitest. Sieh mich in der Tiefe liegen, sieh den Ort, wo ich auf dich warte. Danke für das eine Wort, es wird ewig in mir sein und mich durch die Dunkelheit geleiten.

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