Zwischen den Welten

Zwischen meinen zerwühlten Laken tauchst du auf, zwischen den Kissen und den Küssen bist du plötzlich da und schaust mich an. Ich sehe dich überall da, wo ich dich nicht sehen sollte, wo ich dich gehen lassen sollte und loslassen, wo ich nicht ganz anwesend bin und meine Gedanken die Welt füllen mit deinem Geruch, deinem Lachen, mit dir, mit meinen Geheimnissen und meiner Verwirrung manchmal. Ich spür dich auf, dir nach und hinterher so oft du gehst, so oft du “ja” sagst und ich “vielleicht” verstehe, so oft ich schweige, weil ich fürchte, dass das alles eine Nummer zu gross ist für mich, um es noch halten zu können. Hilf mir dabei.

 

 

Will you tell me when the lights are fading

Cos I can’t see, I can’t see no more

Will you tell me when the song stops playing

Cos I can’t hear, I can’t hear no more

(Amy MacDonald)

 

 

Zusammen durch die Nacht

Später schiebe ich mein Fahrrad neben ihr her.

Ihre Augen sagen: Komm’ her und: Ich mag dich, sehr sogar.

Da steht sie und es wird dunkel um uns herum und dann küsst sie mich. Wir uns. Wir uns noch mehr.

Ich meine, es ist nicht das Küssen an sich, nach dem ich mich sehne; es ist die Vertrautheit, die dabei entsteht. Je länger wir uns küssten und je länger ich ihren Atem ganz nah spürte, desto heftiger empfand ich.

Und wir tauschten Worte aus, ehrliche Worte; es schien, als sei es nie ein Problem gewesen, miteinander zu sprechen, das fühlte sich so gut an. Sprechen, küssen, lachen, sprechen. “Was willst du?”, fragte sie mich, und ich war betrunken und irgendwie drehte sich alles, und doch war es noch nie so klar. “Dich”, antwortete ich lachend, und dann, ernster: “Öfter mit dir zusammen sein.”

Und unsere Hände finden einander, ich lächle jemanden an, aber das Lächeln gilt ihr. Gilt ihr, und ich fühlte mich noch einen Tag später gut, fühlte ihre Zärtlichkeit an mir haften, und ich glaube, manchmal braucht es ganz einfach die Zärtlichkeit eines anderen um die eigene Zärtlichkeit zu sich selbst wiederzufinden.

Klettern wir mal auf einen Baum?

“Klettern wir mal auf einen Baum? Machen wir ihn zu unserem wunderbarsten Ort auf der ganzen Welt? In nur einem Moment, Augenblicke voller unbeschwerter Zeiteinheiten, die für uns ewig bleiben werden.”

Ich träume, du kommst zu mir und dein Körper ist ganz warm und du kommst her und bewegst dich in meinen Armen und wir küssen uns und Stille erfüllt den Raum.

So ungefähr ein Monat.
 Ein Monat ist es her, dass alles plötzlich anders wurde.
Vor einem Monat, da war der Wandel plötzlich greifbar. Da hatte er einen Anstrich, eine Identität, und er trug Deinen Namen.

 

In meinen Träumen;

lagen wir an einem Freitag, in der Mittagssonne an der Emme im Gras und starrten, in den wolkenlosen Himmel und fühlten uns so leicht. So leicht wie schon so lang nicht mehr, fast schwebten wir davon. Ich hatte den Kopf auf deine Schulter gebettet, das Gras kitzelte meine Füsse, irgendwo im Hintergrund spielten Kinder, und wir lagen nur da. Und als du dann sagtest, du hast mich gern, da hörte ich nur zu und glaubte es nicht, irgendwie. Um nicht wieder in die Falle zu tappen. Um nicht schon wieder den gleichen Fehler zu machen.

Doch die Wirklichkeit hatte sich unbemerkt gedreht und alles war anders als die Male zuvor:

Als jemand die Worte an mich herantrug und ich glaubte, was sie sagte, und es gelogen war.

Dieses Mal wollte ich klüger sein und glaubte ich nichts.

Und dieses Mal war alles wahr.

Und später.

Wir standen auf und gingen los und kauften uns Eis und das Leben bestand nur aus zwei Menschen, Dir und mir, alles andere war nur Kulisse, die Welt rückte sich selbst in den Hintergrund, niemand dachte nur für eine Sekunde an morgen, an übermorgen, an die Zukunft. Weil sie sowieso da sein würde, irgendwie stand das niemals in Frage.

Vielleicht kann man nicht sagen, wann genau alles anders wurde, jedoch, was man sagen kann, ist: dass Du die Konstante dabei bist. Vor einem Monat bauten wir das Gerüst, auf dem heute mein Weltbild steht.

Heute, da liegen wir nebeneinander am Seeufer, über uns der blaue Himmel ohne Wolken. Und wir liegen da und um uns tausend Menschen, die Lärm machen und dennoch nur Statisten sind, in einer Welt, die unsere Namen trägt, in der das Wasser rauscht und wir nicht an morgen denken. Denn dass Morgen uns gehört, das steht doch ausser Frage.