Is there anybody in there?

Ich bin weit davon entfernt, mich erwachsen zu fühlen. Aber zum Jungsein, zum Austoben und Ausprobieren habe ich auch längst den Bezug verloren. Ich bin in einem Zwischenraum eingekapselt, taste die Wände von innen ab und finde weder den Ausgang noch einen Eingang. Ich wage keinen Schritt nach vorn und will nicht zurückblicken. Ich habe mir die Augen zugebunden in der Hoffnung, dass der nächste Blick ein Blick auf eine andere Welt sein wird.
Mir fällt es schwer zu begreifen, dass es so natürlich nicht ist, nicht sein kann.

Die andere Welt existiert,
wenn überhaupt, in mir selbst.

Ich muss sie ausgraben oder gar neu entstehen lassen.

“Hello
Is there anybody in there?
Just nod if you can hear me
Is there anyone at home?”

“Manche haben ihren Goethe-Moment, anderen geht bei Hölderlin das Herz auf, mein Leben wurde durch Pink Floyd ein anderes.
Denn.
Ich fühle mich schwerelos in diesen Klangwolken.”

 

Ich beobachte Dich

Vorsichtig schiebe ich die Bettdecke von dir, meine Augen wandern über deinen warmen nackten Körper, der im Schlaf gefangen ist. Mein Finger gleitet über deine Wirbelsäule, ich spüre unter deiner Haut deinen lebenden Körper, wunderbar warm fühlst du dich an. Deine Wärme, dein Anblick, deine ganze Menschlichkeit lässt mich erregt atmen.

Du bewegst dich etwas, ganz zart beuge ich mich über deinen Rücken, kurz vor deiner Haut spüre ich deine Wärme, die sich an mein Gesicht schmiegt wie warme Hände. Deinen Duft lasse ich tief in mich gleiten, während mein Finger weiter über deinen schönen warmen Rücken wandert. Kurz vor deinem Po lasse ich meine ganze Hand auf deinem Körper ruhen, damit sich deine Wärme mit meiner vermischt.

Ich merke: ich bin. Ich bin ein Herzschlag. Ich bin ein Atmen. Ich bin ein Fühlen. Ich bin ein Körper, auf den die Sonne scheint.

Meine Lippen formen sich zu einem Kuss, den ich dir zart in deinen Nacken lege. Deine warme Haut berührt mich, ich berühre dich. Meine Zunge lasse ich über meine Lippen gleiten, als sie deine Haut berührt, ist es wie ein Traum, meine Zungenspitze verrät mir deinen Geschmack.

 

Und ich verfluche dieses Leben. Und jubiliere zugleich.

Ich hatte mich auf dem grossen, Stein zusammengerollt, vor dem Feuer. Ein paar Scheite brannten; die Wärme kroch langsam meine Knöchel empor. Auf der Decke zwei Tassen Kaffee. Zwei Tassen? Ich hatte meine dort abgestellt, mir war auf einmal übel gewesen. Ruhig atmen, ich atmete ruhig, ein und aus, ganz ruhig, und sie betrachtete mich. Sie lag da und schaute, und dann legte sie sich neben mich, sodass wir, Gesicht an Gesicht, nebeneinanderlagen.

Ich weiss nicht mehr, was sie noch sagte, was sie flüsterte, als wir so dicht an dicht dalagen. Ihre Nacktsein, waren Aufforderung genug.

„Zum Anbeissen siehst du aus“, sagte ich, glaube ich, noch; und etwas, das überhaupt nicht passte, einfach irgendwas. Sie strich mir mit dem Finger übers Haar, über die Lippen, und ich lächelte, und ich wurde schläfrig, dabei durfte ich nicht, konnte nicht einschlafen, denn ich wollte noch nach Hause.

Und da packte mich leise Wut, kalter Zorn auf sie, die da lag und streichelte, und genau wusste, dass ich sie nie würde lieben können, nie auf diese Art.

Und deshalb öffnete ich den Mund, als ihr Finger wieder meine Lippen nachzeichneten. Und dann kam das Küssen, und ich riss sie an mich, riss sie über mich und zu mir hin.

Auf den Stachel des Begehrens haben wir nur eine Antwort: fangen, einschliessen, festhalten.

Das tiefe Begehren, das realste Begehren ist dann in einem, wenn man zum ersten Mal auf jemanden zugeht. Das löst das Knistern aus. Danach erst kommen Mann und Frau ins Spiel. Aber das, was zuvor geschah – was die gegenseitige Anziehung auslöste -, kann man nicht erklären. Es ist das Begehren in seiner ursprünglichen, reinsten Form.
(Paulo Coelho)

Das Bild ist eine Symbiose von Michael und Urs. Danke für die wunderbare Zusammenarbeit.

 

Epilog

Das echte Liebesleid nistet sich an der Basis unserer Existenz ein, erwischt uns unerbittlich an unserem schwächsten Punkt, greift von da auf alles andere über und verteilt sich unaufhaltsam über unseren ganzen Körper und unser ganzes Leben. Wenn wir unglücklich verliebt sind, dienen unsere sämtlichen Leiden und Sorgen, vom Tod des Vaters bis hin zum banalsten Missgeschick, wie zum Beispiel einem verlegten Schlüssel, als neuerlicher Auslöser für den Urschmerz, der stets bereit ist, wieder anzuschwellen. Wessen Leben durch die Liebe auf den Kopf gestellt wird, so wie meines, der meint immer, zusammen mit dem Liebesleid würden auch alle anderen Sorgen ein Ende finden, und so rührt er unwillkürlich immer wieder an der Wunde in sich drinnen.

Zusammen durch die Nacht III

Prolog
„Im Mai,
irgendwo zwischen Bergen und Tälern,
hellgrüne Wiesen,
Creme farbener leichter Stoff,
ein kleines Zelt,
ein kleines Feuer mit frisch gesammelten Holz aus dem Wäldchen nebenan,
ein kleiner zarter aber wilder Bach,
leichte Klänge einer Violine…“

Am Wasser

Ich suche ihren Blick und kann nichts denken. Kann nur lachen und mich dem Sog ihrer Blicke hingeben.

Ich suche in ihrem Gesicht nach einer Bestätigung, finde ein Lächeln und beschliesse, mich einfach zu freuen.
Ich weiss noch nicht, ob sie mir damit tatsächlich das sagen will, was ich zu träumen wage.

Dann.

Setzt sie sich hinter mich,
direkt hinter mich
und plötzlich lehne ich an ihr.
Lehne nicht nur an ihr, bin ein Teil von ihr; ihre Beine links und rechts, mein Kopf an ihrem Bauch. Ihrer Brust. Ihre Hände spielen in meinen Haaren, behutsam. Ich fühle mich wie übergossen, wie getränkt in Glück. Überall Zuneigung und ich bin dankbar und müde und kann nur denken, dass es nie enden soll.

Ihre Hände so nah, ich greife immer wieder nach ihnen. Streichle sachte, werde gestreichelt. Zwischen zwei Fingern, ihr Gesicht über mir, nur ihr Gesicht und der Sternenhimmel. Ihre Lippen an meinen Lippen,
ich schmiege mich an sie.

“Ich kann dein Herz schlagen hören”,

Sie erwiderte sanft den Druck meiner Hand.

Epilog

Endlich.
Jemanden bei sich zu haben. Jemanden, der zusieht, der streichelt, der küsst. Jemanden mit Augen, Nase und Ohren, mit sanften Händen und Haaren zum Anfassen.
Eine Haut, in die man Fingernägel krallen kann.
Eine Stimme.
Ein warmer Atem.
ihn fühlen,
spüren,
hören,
riechen,
schmecken…

So tiefes Glück und ein unendlicher Hunger.

Hunger nach dem Leben und nach tiefen Gefühlen.