Diamante

Ein Kopfnicken bist du, ein schweigsames Nicken und ich schau hoch zu dir und deine Augen versuchen etwas zu sagen, dass ich in all dem Lärm um uns herum einfach nicht hören kann. Statt zu reden küssen wir uns, statt uns zu küssen halten wir uns aneinander fest, ich will nicht mehr loslassen und tue es doch.

Auf dem Weg nach Hause wünschte ich, du würdest dort auf mich warten, um mich in den Arm zu nehmen und zu schweigen, ein stilles Nicken, ein schweigsames Verstehen, ein Anker und Land in Sicht, wer bist du, meine Fremde, wer bist du, dass ich immer wieder in deinen Armen an Land gehe, wie stürmisch die See auch ist, wie hoch auch die Wellen schlagen, wie sehr auch die Irrfahrten zehren.

Ich spürte die Sonne und den Wind und deine Worte auf der Haut

Du hast mir geschworen, dass das Licht nach den dunklen Jahren unfassbar sein würde. Ich habe dir nicht geglaubt. Du hast mich in deinen Briefen, in deiner fein geschwungenen Schrift mit nach draussen genommen, in den Regen, den Wind. Du hast die richtigen Fragen gestellt, aber das habe ich erst begriffen, als ich zum ersten Mal über das Blutrot der Sonne staunte. Über die unsagbare Stille der Berge. Über grandiose Blumenfarben am Strassenrand.
Du hast mich aus der Fassung gebracht. Im besten Sinne.

Wenn ich könnte, ich würde jeden Brief an dich neu schreiben.

ein Gedicht

statt ein Brief
statt einer Berührung
statt verflochtener Finger
statt eines flüchtigen Streichelns
statt eines gehauchten Kusses
statt eines Schauers auf dem Rücken
statt einer Zunge zwischen den Lippen
statt einer Brust die sich in eine Hand schmiegt
statt eines zitternden Atemzuges
statt einer Hand am Schoss
statt
nur ein Gedicht

Ich wünsche mir, dass wir uns eines Tages an irgendeinem Bahnhof gegenüberstehen, müde von der Fahrt und vom Vorfreuen, und dass ich dir sagen kann:

Ich habe es damals nicht gewusst, aber du hast mir das Leben gerettet.

 

 

Totally alone, I feel you breaking off a piece of my heart
Oh, you know that I care
You know why I’m here
You know I care
I’ll always be here
(Amy Shark)

 

 

Das Bild ist entstanden aus der Zusammenarbeit mit Poet Laval (Michael) .

Manchmal denk i no an di

Und im Kopf fallen die Würfel ständig neu, es klappert viel zu laut da drin, so laut, dass ich nichts Anderes mehr hören kann.

Ich schalte den Kopf ab, ich denke nicht nach, ich lebe, ich liebe, ich wende mich nach hier und dort, ich trinke des anderen süsse Lust, lasse mich mitreissen und durch die Nacht tragen.

Und fast kommen die Tränen, weil ich verzweifelt versuche, dich zu erinnern, dich und wie es war mit dir, als du mich berührtest, als deine Hände auf meinem Körper spazierten. Ich verliere deinen Geschmack auf meiner Zunge, deinen Geruch und deine Wärme, deine Haut und deinen Mund.

Bis heute frag ich dich insgeheim immer wieder, was das war, was ich in deinen Augen sah, als wir uns zum ersten Mal liebten. Waren das Tränen? Wusstest du schon zu Beginn, dass du mir das Herz brechen würdest?

I denk ma oft, wo kenntast jetz sein.
Die Zeit heilt alle Wunden – ob gro’ oder klan.
Doch manchmal reiß’n die ‘dast’n ein.
Do woa a so a Glanz in deine Aug’n;?Do woa des Soiz auf deina Haut.
Und dann mei G’fühl, so zwischn Angst und Euphorie.

Manchmal denk i no an di…
(Austria 3)

 

 

Zwischen den Welten

Zwischen meinen zerwühlten Laken tauchst du auf, zwischen den Kissen und den Küssen bist du plötzlich da und schaust mich an. Ich sehe dich überall da, wo ich dich nicht sehen sollte, wo ich dich gehen lassen sollte und loslassen, wo ich nicht ganz anwesend bin und meine Gedanken die Welt füllen mit deinem Geruch, deinem Lachen, mit dir, mit meinen Geheimnissen und meiner Verwirrung manchmal. Ich spür dich auf, dir nach und hinterher so oft du gehst, so oft du “ja” sagst und ich “vielleicht” verstehe, so oft ich schweige, weil ich fürchte, dass das alles eine Nummer zu gross ist für mich, um es noch halten zu können. Hilf mir dabei.

 

 

Will you tell me when the lights are fading

Cos I can’t see, I can’t see no more

Will you tell me when the song stops playing

Cos I can’t hear, I can’t hear no more

(Amy MacDonald)

 

 

Die Hoffnung muss sein

Es stimmt schon, was du sagst. Man wartet eben doch. Allen selbst auferlegten Spielregeln zum Trotz wartet man. Heimlich und dennoch unenttäuscht, weil sämtliche Phantasien und Vorstellungen lediglich bekräftigt werden mit jedem Tag des unvollendeten Wartens. Weil die schale Hoffnung, Gesagtes könne so gemeint gewesen sein, wie es gesagt wurde, schon lange abgestorben ist. Ganz still, ganz leise und fast ohne Todeskampf. Nahezu unbemerkt.

Du sagst zu mir, dass es bitter sei, aber unvermeidbar, dass es dazugehören würde, und meinst das Gefühl des Wartens. Doch das einzig Bittere in mir ist das Gefühl, schon so lange gewusst zu haben, dass alles Warten vergebens sein würde.

 

The grass was greener
The light was brighter
When friends surrounded
The nights of wonder
(Pink Floyd)

Wir gehen allein durch diese Welt,
doch wen wir grosses Glück haben,
dürfen wir einen Augenblick lang jemandem gehören,
jemandem der uns durch die Einsamkeit trägt,
die ein Leben lang andauert.

Ich kann nicht. Heute nicht.

Du hälst mich, ziehst mich zurück in das Zimmer und verschliesst die Tür. Eigentlich wollte ich gerade gehen, aber was schon bedeutet “eigentlich” in solchen Momenten. Ich spüre deine Nase in meinem Nacken und dein Haar auf meine Schulter fallen. Du beschnupperst mich, als versuchtest du mir ein Geheimnis zu entlocken. Ich drücke meinen Kopf an deine Brust, du umarmst mich und ich verschwinde in der Höhle, die du mit deinem Körper baust. Du gibst mir einen Kuss auf den Hinterkopf und ein tiefes Wohlbefinden drückt sich aus deinen Lungen und stösst warm an mein Ohr, haucht mir ein
“Ich liebe dich”.

Let me inside you
Into your room
I’ve heard it’s lined
With the things you don’t show
(The Pretenders)

(I’m writing once again from the airport in LA; my plane leaves in an hour. I don’t know why I write these letter to you, knowing you will never see them because I will never send them.
I know you understand.)

Maggie, thank you for your patience and your trust in me.

..the secret of the great stories is that they have no secrets

In the night of love words tangled in her hair
(Roy Orbison)

Good morning, my love

When you wake and find this letter, my side of the bed will be cool to the touch. There will still be a dent on the pillow were this letter lays from where I have lain in bed at the early hours of the morning staring at your sleeping face and enjoying the feel of my thigh over yours.
The mornings when I wake with you are the best mornings in my life. This letter could never describe the feelings I felt leaving you today and knowing that when you wake I’ll be halfway across the United States away from you. The only way it was possible was because I know that in two more months we will be together again, and this time it will be a permanent stay.

I will see you soon. I’m counting the days, and in every one of them, I will love you more.

Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich dem Sommermorgen, den ich mit ganzem Herzen geniesse.

Ich bin glücklich, so ganz im Gefühl versunken.

Ich kann nicht denken

„Früher war alles einfach, so einfach wie die Buchstaben in einem Lesebuch. Jetzt ist nichts mehr einfach, nicht einmal mehr die Buchstaben.“
(Hermann Hesse)

 

Du legst deinen Kopf an meine Brust und ich spüre, wie sich mein Herz nervös bis an deine Wangen drückt, als wollte es ausreissen und davonrennen, flüchten und bei dir Schutz suchen. Ich erstarre.

“Was ist los?”

Du richtest dich auf. Kniest auf der weichen Matratze und bist nun auf einer Höhe mit mir.
Deine Augen versuchen in mich einzudringen, sich durchzuwinden und ein Schlupfloch zu finden in der Mauer meines Schweigens. Ich weiche deinem Blick und schaue zu Boden.

Ich spüre deine Finger, wie sie an meiner Hand entlang streicheln, wie Fingerkuppen sich aneinanderdrücken und sich dabei zu einem Kartenhaus aneinander hochstemmen. Das Licht ist gedämpft. Nur die kleine Lampe wirft einen rötlichen Schimmer auf dein Gesicht.

Ich lege meine Hand an deinen Hals und du schmiegst dich daran. Mit dem Daumen berühre ich deine Wangen und verharre einen Moment an deinen Lippen, diesen zarten, honigsüssen Halbmonden. Du drückst einen Kuss darauf.

“Was ist los? Was ist los? Was ist los?”

Worte vernebeln, zerfasern und sickern hinab in das trübe Sumpfland meiner Gedanken. Hilfe, ich ertrinke. Du siehst die tiefen Gräben, die sich in meine Stirn geschlagen haben, diese Zeugen meiner Furcht. Du umfasst mein Gesicht mit beiden Händen. Streichelst durch mein Haar und nur einen Moment später spüre ich, wie deine Nase, diese kleine Erhebung zwischen deinem Mund und deinen Augen, sich daran schmiegt, wie ein Windstoss, der das Laub von den Strassen trägt.

All through the night
I’ll be awake and I’ll be with you
All through the night
This precious time when time is new
Oh, all through the night today
Knowing that we feel the same without saying
(Cyndi Lauper)

 

ungewohnt nahe

Ein Blick, ein Lächeln, Körperkontakt, ungewohnt nahe, das Herz gerät aus dem Takt.

 

 

Dann atmest du abendliche Kühle. Wollen wir ein bisschen laufen?

Köpfe in Nacken gelegt und den Himmel nach Bildern abgesucht, nur gesprenkelte Unendlichkeit gefunden; gelacht, schwungvoll Arme um Hüfte an Haut, wir stehen viel zu nah beieinander, viel zu nah.

 

Freitag

Auf dem Bildschirm meines Laptops bewegt sich ihr Kopf bestätigend auf und ab. Die Pixel lassen zu wünschen übrig; ich betrachte das kleine Bild, ich lächle.

“Bei wem fühlst du dich denn geborgen?”, fragt sie. Mein Blick wandert wieder zu ihr zurück; ihre Augen schauen fragend, ihr Blick ist warm, und müde. Ich nenne ein paar Namen, ein paar wenige; dann verstumme ich.

Dann tippe ich ein paar Worte, und drücke die Enter-Taste, mit Nachdruck. Das ist wie Flüstern, denke ich; wie ein heimliches Flüstern, obwohl niemand im Raum ist, aber es soll doch keiner hören.

Sie strahlt.

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