Vergesst nicht: Hinter den Wolken ist der Himmel immer blau

Stolz recken die Gräser sich gegen den Himmel. In das tiefe dunkle blau, dieses Meer, das so stolz über ihren Köpfen schwebt. Ich streife durch sie hindurch. Lasse sie durch meine Finger gleiten. Spüre sie auf meiner Haut.

Neben mir gehst du. Du hältst ein wenig Abstand. Wenn du etwas sagst, dann lächelst du und manchmal, da wirst du rot. Du schaust dann auf den Boden. Du bist schön. Du bist schön mit deinem langen Haar, deinen vollen Lippen und dem schüchternen Blick deiner Augen. Ich bin gerne mit dir zusammen. Fühle mich wohl bei dir. Es ist schön.

Wir sind scheues Getier. Du und ich. Achten darauf, uns nicht zu schrecken. Nicht voreinander wegzulaufen, davon zu rennen. Wir sprechen vorsichtige Worte und behutsame Blicke liegen auf fruchtbarem Boden. Wir sollten etwas Schönes darauf bauen. Ja.

Es ist ein warmer Tag. Ein warmer Wind zieht vorüber. Ich rieche die Felder, die sich vor und hinter und neben uns in die Ferne ziehen. Ich schliesse meine Augen.

„Ich, ich, ich“, stottere ich. Wir bleiben stehen und dein Blick, dieser Quell deiner süssen Verletzlichkeit, wendet sich mir zu. „Ich mag dich“, sage ich schliesslich. Ich schlucke, zögere. Dann greife ich nach deiner Hand. Es ist alles still. Du, ich, die Welt. Ich spüre, wie ein kräftiger Atem durch deine Lungenflügel strömt und deine Brust hebt. Du reibst deine Lippen aneinander, als seien sie ein wenig trocken und dann, dann lächelst du.

Immer wieder wenn es regnet

Und immer wieder wenn es regnet. Von der Schwere in deinen Augen und der Musik in den Strassen. Vom Aushalten deines Fortseins und den Erinnerungen im Spiegelbild. Unser Fluss. Dort am Ufer seh ich dich und doch bist du es nicht mehr. Zwischen Frieden und Liebe und all dieser Kälte. Unsichtbar erkenn ich dich, ohne Farbe, Licht nur mit Glanz in den Augen.

 

 

Zwei werden sich nie einig sein, was ein Moment wirklich bedeutet. Was es heisst, wenn ich meine Hand auf deine lege. Was meine stolpernden Worte bedeuten und dein Lächeln, das auf Rückzug geht. Was das Foto bedeutet, das ich von dir geschossen habe, das Foto, das du still auf den Tisch legst, bevor du gehst, eine Erinnerung an bessere, schweigsamere Tage.
Ich bin im Schreiben immer besser gewesen als im Reden. Manchmal denke ich, ich sollte stumm spielen, alles, was ich sagen will, zuerst auf Notizblöcke kritzeln und zehn Mal gegenlesen, alles Überflüssige kürzen und streichen, alles, was zu sehr nach Sehnsucht klingt, nach Brauchen, nach Einsamsein, alles, was zu sehr nach mir klingt. Alles, was mich zurück an den Rand deines Lebens rückt, irgendwo dorthin, wo die unliebsamen, sperrigen Möbel stehen, die man beim nächsten Umzug zurücklässt. Irgendwo kurz vor unbekannt, irgendwo, wo ich begreife, dass Reden ein Spiel ist, das ich nicht gewinnen kann.

 

 

Dich Halten

Ich bin eben in meinem Traum aufgewacht.

 

Wie gerne würde ich jetzt das Licht ein wenig dimmen. So dass ich Deine Konturen besser wahrnehmen könnte.

Ganz, ganz langsam nehme ich Dein Gesicht in meine Hände und gebe Dir einen ganz sanften Kuss auf die Lippen. Wir stehen beide still da. Du hältst mich fest, mit einem gewissen Druck.

Ja das stimmt, aber ich mache noch etwas. Ich schaue dir in die Augen und du kannst meine Seele sehen und ich bin dann wie ein offenes Buch und es könnte heissen das Geheimnis von mir. Ich würde dich wieder küssen und ich weiss das der Kuss alleine schon Riesenwellen auslösen kann und wir küssen uns weiter und stärker und dann küsse ich deinen Hals, deinen Nacken, deine Ohren; ich werde mit der Zunge jeden cm erkunden und meine Hände werden deinem Druck standhalten.

 

Halten
dich
mich zurück – den Atem an – mich an dich
dich fest
aber nicht
dir etwas vorenthalten

Halten
dich in den Armen
in Gedanken – im Traum – im Wachen
Dich hochhalten
gegen das Dunkel
des Abends – der Zeit – der Angst
(Erich Fried)

Immer wenn es regnet

Altes Material in den Händen, im Kopf.

 

Festhalten und weitergehen. Es geht doch noch, wieder loslassen. Vermissen ohne zu fallen.

 

Da sitze ich und bewege mich nicht. Seit etwa einer halben Stunde schaue ich nach draussen. Es ist stürmisch und die Bäume tanzen. Der Wind heult.
Radio hören, mehr geht nicht. Ich könnte es mir gemütlich machen. Ich könnte noch ein bisschen arbeiten. Ich könnte schreiben. Ich könnte noch ein paar Dinge vorbereiten und erledigen.
Aber ich kann nicht. Es geht nicht. Seltsamer Zwischenzustand. Das Warten füllt mich ganz aus, fordert meine ganze Konzentration. Noch nie habe ich so aktiv gewartet. Mein kleiner Finger wartet, mein Bauch, meine Oberlippe. Alles ist gespannt. Es ist schwer in Worte zu fassen, was in mir vorgeht. Alles. Und Nichts. Gefühle, Erinnerungen. Vorstellungen von morgen, Träume, Vorfreude.

Hier sitze ich jetzt also, ich höre Reeto und bin ganz ruhig, ganz wild innen drin und ich warte auf dich.

 

Ganz sanft ruhten wir uns aus. Legten uns hin. Schlossen die Augen und das unter uns nahm die Form unserer Körper an.
Endlosigkeiten verlieren sich im Nichts, manchmal auch nicht. Nur so, mit dir. Alles festhalten, für später.

 

Es regnet nicht mehr.