„Man kann zum Frühling nicht sagen, ›hoffentlich kommst du bald und dauerst lange‹. Man kann nur sagen: ›Komm und segne mich mit deiner Hoffnung, und bleib so lange, wie du kannst.‹“

 

Ich schlief ein und träumte von einem Duft, der alles erfüllte.

Ich merke: ich bin. Ich bin ein Herzschlag. Ich bin ein Atmen. Ich bin ein Fühlen. Ich bin ein Körper, auf den die Sonne scheint.

Meine Lippen formen sich zu einem Kuss, den ich dir zart in deinen Nacken lege. Deine warme Haut berührt mich, ich berühre dich. Meine Zunge lasse ich über meine Lippen gleiten, als sie deine Haut berührt, ist es wie ein Traum, meine Zungenspitze verrät mir deinen Geschmack.

Haut, die nicht die meine ist. Wärme, die nicht die meine ist. Ich will sie mir zu Eigen machen, will nicht, dass sie mir vielleicht wieder entschwindet, taste ihr nach, um sie bei mir zu halten.

So schmeckst du, so hörst du dich an, wenn du in deinen Träumen zärtlich berührt wirst. Meine Hand gleitet an deine Hüften, die ich ganz zärtlich streichle. Ich lasse sie an deiner Seite nach oben wandern, deine Brustansätze spüre ich unter meiner Hand. Vorsichtig lasse ich ein paar Finger über dein weiches Selbst gleiten und stöhne sehnsuchtsvoll. Mein warmer Atem legt sich über deine Schultern, denn mein Mund wandert über deinen ganzen Rücken, ab und an probiere ich dich, lecke sanft über deine Haut. Dein Geschmack, dein Geruch lässt mich fordernder werden.

Noch bin ich nicht fähig, nach diesem anderen Selbst zu greifen. Es ist Atem, der mich streichelt. Es sind Finger, in die ich mich nur zu gerne lege. Es sind Lippen, von denen ich gekostet werden will.

Meine Hand gleitet an deinem Körper nach unten, ich höre wie sich deine Atmung und dein Geruch verändert. Tief lasse ich ihn in mich, wo er sich erregend ausbreitet. Ich lege mein Ohr auf deinen Rücken, höre dein Leben, sehe meine Hand, wie sie über deinen Po gleitet, ich knete deine zarten Backen, die so unendlich weich unter meiner Hand liegen.

Im Moment als mein Bewusstsein das Ich formuliert, erkenne ich dich. Du bist es. Wärme breitet sich aus in mir beim Denken dieser drei Worte. Du berührst mich, nicht unbedacht, wie es eben geschieht, wenn man im selben Bett schläft. Du meinst mich.

Du bewegst dich etwas, langsam verlässt du deine Träume, um in das Hier und Jetzt zurückzukehren, in die Wirklichkeit. Dein Atem geht anders, ich spüre unter meiner Hand dein Erwachen. Du scheinst noch zu träumen, geniesst meine Lippen, meine Zunge, meine Nase, die schnuppernd über dich gleitet, meine Hand, die zärtlich über deinen nackten Körper streichelt, der sich etwas gegen sie drückt.

Ich lasse mich aus dem Traum gleiten, denn ich will bei dir sein. Noch geniesse ich es, mich einfach streicheln zu lassen. Ich kenne dich, ich weiss, wie du dabei aussiehst. Manchmal wie ein Kind, das etwas ganz Neues, Fremdes entdeckt, das erforscht werden will, ganz ernsthaft bei der Sache. Manchmal liebevoll lächelnd, weil es dir einfach Freude macht, was du tust und weil du genau weisst, wie sehr ich es mag, was du tust. Manchmal mit gierigem Ausdruck, weil du dich daran erinnerst, welche Lust es dir bereitet hat, und mir. Ich liebe sie alle, diese deine Gesichter. Das Bedürfnis sie zu sehen wächst.

Du möchtest mehr gestreichelt werden, ich spüre es und lasse meine Hand fordernder werden, verlangend, sehnsüchtig.

Du schüttest deine Zärtlichkeit aus über mich. Ich stehe immer staunend vor der Tatsache, in welch unendlichem Umfang du fähig bist dazu. Ich kenne deine Geschichte, anderen hätte sie einen Panzer um Geist und Seele gelegt, doch du hast dich entschieden, offen zu bleiben und auch auf die Gefahr hin, verletzt zu werden, dich mir ganz entgegen zu werfen.

Du veränderst dich, dein lebender Körper wird noch lebendiger, du lässt dich von einem Ort zum anderen gleiten, vom Schlaf zum Traum, bis hier: zur Begierde. Unter meinen Händen spüre ich dein Erscheinen.

Dafür lebe ich in diesem Moment: zu merken, da ist ein Mensch, der mich will. Nicht meinen Körper, um Spass zu haben, wogegen ja nichts zu sagen ist. Aber das ist dir nicht genug. Du streichelst mit deinen Fingern meine Seele, du küsst mit deinen Lippen meinen Verstand, du dringst ein in meinen Geist.

Dein wohliges Atmen, das sich mit meinem vereinigt, mein heisser leckender Mund, der am liebsten grosse Stücke aus dir reissen möchte, damit du in mir bist. Sanft beisse ich dich, kurz, verlangend, nach jedem Biss küsse ich die Stelle, um mich für meine Gier zu entschuldigen.

Ich lehne mich an dich, geniesse es dich an mir zu spüren von Kopf bis Fuss. Ich lege meine Hand auf die deine und lasse mich mitziehen auf ihrer Wanderschaft. Mein Atem wird so schnell wie der deine, als könnte ich mich gar nicht rasch genug mit dir vollsaugen. Mein Herz klopft und verteilt die Hitze, die in meinem Unterleib zu wirbeln beginnt, in meinem ganzen Körper.

Du drehst dich an mir, ich schaue zu wie dein begehrlicher Körper sich langsam über das Laken bewegt. Ich begrüsse dich mit Sehnsucht, Verlangen, Freude. Meine Hand streichelt über deinen fraulich weichen Bauch. Ein Ort, wo Leben entstanden ist, ein Ort, der vom Leben gezeichnet worden ist, der schönste Ort der Welt. Deine Hand auf meiner Hand, zusammen gleiten wir über deinen Körper, ab und an lassen wir sie ruhen, um unsere Finger in einander zu verknoten. Wir halten uns fest aus Angst, den anderen vor Begierde zu kratzen, die Nägel vor Verlangen in das warme Gegenüber zu bohren.

Du drückst dich an mich und ich spüre deine Erregung, fühle sie im Streifen deiner Zähne über meine Haut, im festen Griff um meine Finger. Ich höre sie in einem leichten Stöhnen, als ich mein Becken bewege. Ich will sie sehen, doch als deine Lippen die meinen sofort empfangen, lasse ich meine Augen geschlossen und mich in deinen Kuss fallen.

Mein Mund legt sich über deinen, ich verlasse mich und tauche in dich ein. Deine Seele kommt mit jedem Atemzug aus dir und begegnet meiner, sie tanzen in unseren gierigen Mündern, wo sich unsere Zungen treffen. Meine Hände erforschen dich, streicheln, drücken, schweben über dich, als wollten sie die Hitze einfangen, die immer mehr, immer wärmer aus dir kommt.

Meine Hände wandern über deinen Körper, der so vertraut ist. Keiner dieser Hochglanzkörper, die schön anzuschauen sind, wenn viel Arbeit und Geld investiert wird. Du hast dir deinen Körper vom Leben schenken lassen, mit einer Haut, die Narben hat, ich kenne sie alle, weiss woher sie stammen. Für mich sind sie nur die äusseren Zeichen für jene, die du auf der Seele trägst, ohne die du nicht wärst, was du bist, und darum liebe ich jede einzelne von ihnen. Ich öffne die Augen und küsse jene, die dein Gesicht zu etwas Besonderem macht. Im warmen Licht einer Kerze spiegelt sich mein Lächeln in deinen Augen wieder und Wärme flutet mich, als würde eine heisse Quelle in mir entspringen.

Dein Lächeln, deine warmen Küsse lassen mich zerfliessen, nur deine Hände halten mich noch zusammen. Ich erwidere dein Lächeln, deine Augen reden in einem fort. Sie sprechen mit meinen, ohne ein Wort zu auszusprechen, doch jedes Wort verstehe ich. Du wirst wilder, deine Nase bebt und saugt alles in sich auf, wie meine, denn schon lange hat sich eine Glocke aus Verlangen über uns gelegt, die wir weiter füllen und grösser werden lassen.