Irgendwann nach Mitternacht

Nach Mitternacht ists. Ich schreibe aus mir heraus, meine Gefühle, meine Gedanken. Sie gehören dann nicht mehr nur mir, selbst wenn niemand sie liest.

Wenn nur ich bisweilen diese getrockneten, gepressten Gedankenblüten betrachte – hat sich sofort etwas verändert.

Das Schreiben wäscht etwas aus mir heraus, die Buchstaben fangen es ein und lassen den erlebten Moment erstarren. Erstarren, weil er mit Worten beschrieben wurde. Gedanken sind anders, sind mehr, sind nicht nur Worte.
Und dann überwiegt wieder der Drang, der Wunsch, etwas festzuhalten. Manchmal gelingt es, manchmal weiss man, genau so ist es gewesen, und man liest es wieder und wieder und die Worte tropfen von den Lippen, schmecken wie Honig, wie Salz und Zitrone.

Ist es möglich, dass andere Menschen, wenn sie die Dinge nicht aus sich herausschreiben, mehr davon haben?

 

 

Du gibst mir plötzlich die Hand. Seit wann bist du hier? Seit wann überhaupt bin ich nicht mehr allein? Wieso sagst du nichts? Du liebst die Ruhe, wie ich. Schweigen und hören vereinen sich, denn sie lächeln gleichzeitig. Danke, dass du hier bist. Schön, wach mit dir zu träumen.
(Annina)

 

 

Nach Mitternacht ists.

 

Wenn ich dich küsse
ist es nicht nur dein Mund
den ich küsse
Ich küsse auch deine Fragen
und deine Wünsche
ich küsse dein Nachdenken
deine Zweifel
und deinen Mut
deine Liebe zu mir
und deine Freiheit von mir
deinen Fuss
der hergekommen ist
und der wieder fortgeht
ich küsse dich
wie du bist
und wie du sein wirst
morgen und später
(Erich Fried)

 

 

Why Not You?

Leben

Dieses Leben, wie es ist, in einem Moment – der bleiben soll. (*)

Du & ich, welch eigene Beziehung. Freund, Seelenverwandter, guter Freund, Verliebtheit, tiefe Freundschaft, Wegbegleiter, für kurz oder länger oder lang? Du & ich, ein Glaube, oder auch kein Glaube, unser Alter, unsere Reife, unsere Entfernung, unsere Arbeit, unsere Ausbildung. Du & ich. Ganz nah, ganz fern? Du & ich viel Kontakt, dann wieder wenig? Du & ich soviel Dinge. Eine eigene Beziehung. Unsere eigene Beziehung. Wie sie auch sein sollte, in einem grossen, manchmal unüberschaubaren Plan, der Göttlichkeit, oder des “Schicksals”. So verschieden und doch so gleich. Eine eigene Beziehung. Aneinander denken, oder auch nicht, sich vermissen, weniger, stärker. Schön, dass es dich gibt, einfach schön, dass es uns gibt. Auch was die Zukunft bringt, wie es uns geht, wo wir sein werden, was wir tun werden, Du & ich, oder Du irgendwo und ich irgendwo. Es ist unsere Geschichte: Du & ich und es ist schön, gemeinsam ein paar Zeilen, In welcher Form auch immer, wenn man behutsam miteinander umgeht, zu schreiben. *Keep smiling – you never now who will fell in love with you, when you are smiling* (weiss nicht mehr genau wer das geschrieben hat, aber nicht ich).
Eine tiefe Seele, die an dich denkt. Vergiss nicht, du bist nie allein, egal welche Wendung unsere Geschichte nimmt.

 

Du musst das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und lass dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen
von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken lässt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
(Rainer Maria Rilke)

(*) Hat mir so unglaublich gefallen

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