Das richtige Wort

Nicht schlafen mit dir
nein: Wachsein mit dir
ist das Wort
das die Küsse küssen kommt
und das Streicheln streichelt
und das Einatmen einatmet
aus deinem Schoß
und aus deinen Achselhöhlen
in meinem Mund
und aus meinem Haar
zwischen deine Lippen
und das uns Sprache gibt
von dir für mich
und von mir für dich
eines dem anderen verständlicher
als alles
Wachsein mit dir
das ist die endliche Nähe
das Sichineinanderfügen
der endlosen Hoffnungen
durch das wir einander kennen
Wachsein mit dir
und dann
Einschlafen mit dir
(Erich Fried)

 

“Dreh dich um!”, flüsterte sie in mein Ohr. Ich folgte ihrem Wunsch und sah in ihre strahlenden Augen. Ich umarmte sie, fühlte ihre Haut durch das dünne Kleid. Ihr Oberschenkel strich warm an meinem Bein hoch. Ich liess ihm meine Hand entgegenfahren. Spürte den Stoff unter meinen Fingern, bis ich ihre Haut berührte. Die Hand drehte sich ein wenig und begann den Stoff den Oberschenkel hoch zu schieben. Folgte der warmen Haut. Die Jacke fiel wieder hinunter, bedeckte die Hand, hüllte sie ein.
Die Wärme nahm zu. Sanfte Hügel unter meinen Fingerkuppen. Glatte Haut. Da senkte sie das so reizvoll angehobene Bein. Stellte es auf den Boden. Lächelte mich an. Ihre Augen strahlten. Das Wissen, wie sie mir gegenüber stand. Das Wissen, wie sie sich anfühlte. Und gleichzeitig das Verlangen, mehr davon zu spüren. Ich beobachtete sie, ihre Brüste, deren Knospen sich durch den hellen Stoff abzeichneten. Ihr Jacke, die alles verbarg, was doch so nah war. Ihre Lippen, die sanfte Zärtlichkeiten versprachen. Möchtest du mir einen Wunsch erfüllen?” “Gern”, antwortete ich ein wenig atemlos. “Dann möchte ich, dass du nichts unter dieser Jeans trägst.”
“Ich?”
Ein leichtes Stirnrunzeln stoppte meinen Redefluss. “Nein, nein,” wehrte ich ihren kommenden Einwurf gleich ab. “Ich werde es tun, du bist nur die erste Frau, die sich so etwas von mir wünscht. Aber es gefällt mir.”
Sie lächelte mich verführerisch an. Sie strich mir über die Wange, dann über das Kinn um endlich meine Lippen zu berühren.

 

Ich schloss die Augen.

Du streichelst meine Seele

Dafür lebe ich in diesem Moment, zu merken, da ist ein Mensch, der mich will. Nicht meinen Körper, um Spass zu haben, wogegen ja nichts zu sagen ist. Aber das ist dir nicht genug. Du streichelst mit deinen Fingern meine Seele, du küsst mit deinen Lippen meinen Verstand, du dringst ein in meinen Geist.

Dein Lächeln, deine warmen Küsse lassen mich zerfliessen, nur deine Hände halten mich noch zusammen. Ich erwidere dein Lächeln, deine Augen reden in einem fort. Sie sprechen mit meinen, ohne ein Wort zu auszusprechen, doch jedes Wort verstehe ich. Du wirst wilder, deine Nase bebt und saugt alles in sich auf, wie meine, denn schon lange hat sich eine Glocke aus Verlangen über uns gelegt, die wir weiter füllen und grösser werden lassen.

 

Ich war die Erde, die Berge, die Flüsse, die in die Seen flossen, die Seen, die zum Meer wurden…jetzt waren sie und ich nur noch ein einziges Wesen. (P.C.)

Kein Grund zur Panik

So herrlich unentspannt tröpfelt das Leben vor sich hin und wir mit ihm. Ab und an trifft uns ein Papierflieger mitten ins Gesicht, das macht nichts, jedenfalls nichts kaputt aber sonst auch nicht viel. Wir sind herrlich entspannt, sagen die anderen, sagen wir uns immer wieder vorm Spiegel bis wir uns selbst glauben, ein wenig nur. Das reicht, um nicht durchzudrehen. Immerhin. Troztdem vermissen wir es, das gehalten werden, das halten dürfen, ein bisschen Wärme, auch ohne Kerzenflimmern und Backgroundmusik. Den Wein können wir auch alleine trinken, er schmeckt, nur halb so gut aber was macht das schon, nachts kuscheln wir uns in unsere Betten und schlafen nicht, daran haben wir uns gewöhnt, das kennen wir, kein Grund zur Panik.

Die Welt die uns gehört

„Noch bin ich nicht fähig, nach diesem anderen Selbst zu greifen. Es ist Atem, der mich streichelt. Es sind Finger, in die ich mich nur zu gerne lege. Es sind Lippen, von denen ich gekostet werden will.“

 

„Im Moment als mein Bewusstsein das Ich formuliert, erkenne ich dich. Du bist es. Wärme breitet sich aus in mir beim Denken dieser drei Worte. Du berührst mich, nicht unbedacht, wie es eben geschieht, wenn man im selben Bett schläft. Du meinst mich.“

 

An Dich denken
und unglücklich sein?
Wieso?
Denken können
ist doch kein Unglück
und denken können
an Dich:
an Dich
wie Du bist
an Dich
wie Du Dich bewegst
an Deine Stimme
an Deine Augen
an Dich
wie es Dich gibt —
wo bleibt da
für wirkliches Unglück
(wie ich es kenne
und wie es mich kennt)
noch der Raum
oder die Enge?
(Erich Fried)

 

Ein weiters Bild aus der Zusammenarbeit mit Poet Laval.

Ich weiss, was es braucht, um die Bilder zu entwickeln: Liebe, Leidenschaft, Hoffnung, Mut, Risikobereitschaft, Formwille, Widerstandsfähigkeit, Kraft zur Behauptung. Ich weiss auch, dass ein Künstler ein Krieger sein muss. Und. Michael ist genau das was ich beschrieben habe, ein Künstler.

 

“Der Wind erzählt dir, was du hören möchtest. Manchmal singt er für dich und wenn du genau hinhörst, erzählt er dir mehr als du zu denken glaubst. Lass dich nieder und sei!”
(Annina)
Danke für Deine Texte, die mich so inspirieren.

 

@Debbie: Sometimes its necessary to embrace the magic, to find out what’s real in life, and in one’s own heart.

 

 

Ich lasse mich aus dem Traum gleiten, denn ich will bei dir sein.

Ich kenne dich, ich weiss, wie du dabei aussiehst. Manchmal wie ein Kind, das etwas ganz Neues, Fremdes entdeckt, das erforscht werden will, ganz ernsthaft bei der Sache. Manchmal liebevoll lächelnd, weil es dir einfach Freude macht, was du tust und weil du genau weisst, wie sehr ich es mag, was du tust. Manchmal mit gierigem Ausdruck, weil du dich daran erinnerst, welche Lust es dir bereitet hat, und mir. Ich liebe sie alle, diese deine Gesichter. Das Bedürfnis sie zu sehen wächst.

Alle Texte sind Teil der noch unveröffentlichten Kurzgeschichte “Die Welt die uns gehört”

Page 2 of 212