Der Brief

My Dear,

Thank you for giving me the most amazing memories. My life growing up was so full because you were in it. Having your love and loving you was always just right. It made sense. You were my home. When I was with you I knew everything would be okay.
You dried my tears for me when I was sad. You held my hand when we buried my friend. You made me laugh when the world seemed like it was falling apart. You were every special memory a girl could have.

I’ll never forget you. But this is my goodbye. I wasn’t ready before to let you go. Now, I can move on. Your memory will live on in my heart

always.

Love,

Your Kim

 

Erzähl mir was

Manchmal überlege ich ob es anders gelaufen wäre, hätten wir das Licht angelassen. Vielleicht hätte sie gelächelt. Vielleicht hätte ich gelacht.

Später, draussen, nehmen wir jede Möglichkeit zur Berührung wahr und kommen doch nicht zum Punkt. Du wirst wieder fahren und wirst dich nie wieder melden egal was Du sagst.

Und so lächele ich leise, lasse mich umarmen und trauere morgen um den Menschen, dessen Nähe so wohl tat.

Das hat sich nach Abschied angefühlt

Wie wir da stehen, der leuchtende Abendhimmel über uns. Nicht sicher, wann und wo wir uns wiedersehen werden. Blicke, die alles sagen sollen. Berührungen, die alles versprechen. Die leisen Zweifel nur kurz sichtbar, weil du die Füsse so seltsam drehst. Weil ich einmal zu oft, dir die eine Haarsträhne hinter dein linkes Ohr streiche.

 

Ich hoffe, dass es diese Abschiede für uns nicht mehr geben wird.

 

“Die Wirklichkeit ist das, was ihr fühlt, was ihr seht und hört, was ihr schmeckt, riecht und anfasst. Wenn ihr euch mit allen Sinnen an das, was geschah, erinnert, dann ist es für euch wirklich geschehen. Über alles Weitere braucht ihr euch keine Gedanken zu machen.”
(Jorgos Canacakis)

Wichtig ist, nie beim Anfang zu starten

Ich werde dich suchen, hier, zwischen den Zeilen. Irgendwo zwischen zurechtgeschnittenen Worten und Bildern, im Fluchtpunkt einer Atempause.
Kontrollgang des Blicks in die Ferne: Unser Wir zieht Fäden, die Wolken entlang. Jeder Vogelschatten, der mich streift, berichtet von deinen Brauen und Wimpern. Die Spuren von Entenfüssen im Fluss erzählen von deinem Lächeln. Der Duft frischer Pistazien muss mit deinem Nacken zu tun haben. Wenn ich mein Gesicht lang genug in die Stille halte, weiss ich, dass es sich lohnt, an Worte zu glauben. An die glatte Kühle hinter dem Spiegel. An sonnendurchschienene Katzenohren und mehlbestäubte Finger, die sich ineinander verschränken. An die Möglichkeit einer guten Nacht. An Kuchenteig.

An die Sagbarkeit von Freude.

 

 

Das Bild ist erstanden in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler Poet Laval.

 

Sie

Sie, die irgendwann im Sommer zu mir kam.
Sie gibt nie klare Antworten.

Sie ist die Richtige für schiefe Metaphern.

Sie ist schön.

Und sie schreibt ihren Schmerz und ihre Wut und jedes andere grosse Wort, das es eben braucht, in die Welt hinaus, ganz egal, was diese Welt davon halten will, denn sie weiss, dass sie ohnehin nie dazu gehören wird. Dass sie nur in einem kleinen Zimmer Worte und Bilder zurechtschneiden und irgendwo in der weiten Welt nach einem Menschen suchen kann, der sie retten könnte oder wenigstens lieben.

Sie glaubt an Worte,
aber nicht an sich selbst.
Immer, wenn es nicht weitergeht, kommt sie hierher und erzählt Geschichten
Immer, wenn es nicht weitergeht, gibt es hier jemanden, der zurückschreibt, der Satzanfänge mit Lächeln auffüllt.
Hier kann sie ehrlich sein.

Hier brennt ein Licht.

 

“Denn die einen sind im Dunkeln
Und die anderen sind im Licht.
Und man sieht nur die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.”
(Bertolt Brecht)

Mehr Freiheit gibt es nicht

Ein paar Tage hältst du das Alleinsein aus, sehr gut sogar, zu gut vielleicht, der Antrieb ist kaputt, irgendein Kabel ist durchgeschmort, manch einer nennt das Depression aber wir halten uns über Wasser mit Ablenkung. In solchen Zeiten merkst du dann, wen du eigentlich wirklich gerne sehen würdest, oder besser: wen du nicht sehen magst; keine zwölf Pferde bringen mich vom Sofa, meine Ausrede hat Hand und Fuss und eine Erkältung, die ist gut gegen Gesellschaftsüberfluss und für Nachdenkzeit, für das Sondieren von Wichtigkeiten und das Runterkommen vom ewigen Tanzen auf zu vielen Festen, ich mag diese Ruhe ja, und damals, da hat einer gesagt: das bist doch gar nicht du, du bist doch gar nicht so, und er hat sich irgendwie mal nicht geirrt dabei, weil ich das ewige Getanze satt habe.

Und nun!

Wir warten nicht mehr, das Warten haben wir aufgegeben, lange schon, zu lange, um sagen zu können: nur ein Weilchen. Ein Weilchen, ein kleines bisschen nur, das war früher einmal, als wir noch dachten, dass das alles schnell wieder vorbei sein wird, dass es nur mal kurz eine Durststrecke ist, eine kurze Zeit, die wir uns vertreiben können mit Sommer und Sonne, mit Wind im Haar und Kuchen im Bauch, einen Lidschlag lang eben mal nicht im Höhenflug schweben. Mit den Tagen und Nächten wurden unsere Schritte schwerer und schwerer, die Füsse immer mehr zu Beton und die Gedanken erst recht. Und eines Morgens dann wachten wir auf und stellten fest, dass uns etwas an den Boden gekettet hat, dass uns etwas das Fliegen verweigerte, das Schweben und Taumeln und Loslassen, eines grauen Morgens kam mit dem Aufwachen die Erkenntnis. Oha, dachte ich, oha – während draussen eine Meise sang und ich die Hoffnung nicht aufgab.

Aufwachen und alles ist anders, du machst die Augen zu-auf-zu-auf aber es ändert nichts. Ist ja nicht schlimm, denkst du zuerst, ist ja nicht schlimm, nur eben neu, nur eben ein bisschen freakig so, aber hey, freakig kennen wir ja. Und dann kommt plötzlich die Erkenntnis in dein Hirn geschwappt, dass es mit einem einfachen Schulterzucken diesmal nicht getan ist, dass etwas in dir sich gewaltig verändert und damit auch alles drumherum; nein, aufzuhalten ist das nicht, aufhalten willst du das auch gar nicht, nur musst du eben ein bisschen Zeit aufwenden, um das alles im Ausmass zu verstehen. Im ganzen Ausmass, mit diesem umfassenden Oha! und ohne dein übliches Getue von Wird-schon-irgendwie. Zack, voll getroffen, komm, ruh dich ein bisschen aus, lass die Wunden ein wenig bluten und nutz die Zeit, um Kraft zu sammeln und Mut.

Und dann gehst du aus der Tür, du gehst ein Stück, ein Stück in der mittlerweile nicht mehr ganz so neuen, der freitags bei diesem Wetter nicht mehr ganz so verhassten Stadt, du folgst einem der wenigen Wege, die dir vertraut sind, du erreichst den Ententeich und du setzt dich in die Sonne, du ziehst die Schuhe aus und legst dein Notizbuch aufgeschlagen auf deinen Schoss, du nimmst den Stift in die Hand, und bevor du zu schreiben beginnst, sitzt du eine Weile da und beobachtest die Enten auf dem Teich, die emsig im Kreis schwimmen und darauf warten, dass jemand kommt und ihnen die Brotkrumen in den Hals wirft, und für einen kurzen Moment verschwindest du aus der Welt und als du zurückkommst, ist die Sonne noch da und kann es nicht lassen, dir feine Punkte um die Nase zu malen.
Und du weisst, etwas ist anders als früher. Die Dinge haben sich geändert, seit du zum letzten Mal hier warst. Die letzten Wochen haben einen anderen Menschen aus dir gemacht. Der Umbruch, fast immer kommt er so plötzlich, dass du dich von ihm überfallen fühlst. Von aussen betrachtet sieht alles so aus wie immer, doch innendrin ist alles alt und neu zugleich. Da sind die alten Zweifel, die alte Schwermut, das gute alte Chaos, dass überall seine Finger im Spiel hat. Die alten Vertrauten, die sich plötzlich konfrontiert sehen mit der neuen Zuversicht, der neuen Leichtfüssigkeit, mit der alles irgendwie funktioniert, mit der neuen Erkenntnis, dass letztendlich jeder den Inhalt seines Lebens selbst bestimmt.
Und du hältst für einen kurzen Moment die Luft an, als du denkst:

 

Es ist alles wieder gut!

 

Schau nach vorn,

denk nicht zurück,

bewahr die schönen Stunden Dir im Herzen,

atme durch und lieb das Leben denn Leben ist es, was für immer bleibt.

(Erich Fried)

 

Und!

Ich wollte einfach mal Danke sagen für alles.

Ja dieser Sommer…

Ich drücke dich fest an mich und rolle mit dir zusammen über das Bett. Nach einer Weile bleiben wir liegen. Wir sind ganz still. Du liegst auf mir und bewegst dich nicht. Schaust mir in die Augen. Du berührst meine Nase mit deiner. Ich schliesse meine Augen und spüre deine weichen Lippen auf meiner Nasenspitze liegen. Mein Körper zittert. Dein Herz schlägt ganz schnell. Dein Haar liegt auf meiner Stirn. Dann küsst du mich. Berührst meine Lippen. Ich lausche deinem schnellen Atem, spüre ihn auf meiner Haut. Du spitzt deine schmalen Lippen, drückst sie vorsichtig auf meine. Bleibst einen Moment darauf liegen.

Diesen Moment grenzenlos gefühlter Schönheit, diesen Moment, den man auf ewig zu halten sucht, den man schwört, niemals gehen zu lassen.

Hallo, sagen. Hallo, und endlich.

Und die Landschaft zieht vorbei, vorbei, die Zeit läuft nicht schnell genug. Schneller, schneller soll er fahren der Zug.

Es fühlt sich richtig an. Der Ton in ihrer Stimme, Kannst du herkommen? Kannst du den nächsten Zug nehmen?

Und in meinem Kopf surrt es. Ich fahre. Natürlich fahre ich. Sie will mich sehen, sie will, dass wir uns nah sind, und ich spüre das in ihrem Tonfall, über Kilometer und Kilometer hinweg.

Die Entscheidung ist längst gefallen,

und es tut wahnsinnig gut.

Dann stehst du vor mir. Dann die Hände, ganz automatisch, wir halten uns fest, du kriechst in mich rein. Du kriechst in mich rein, und ich halte dich. Verlegen bist du, ein bisschen.

Liebe Freundin

Es gibt diese Art von Briefen, die man Menschen meist dann schreibt, wenn sie aus dem eigenen Leben verschwunden sind. Genau deshalb gibt es da ein paar Sachen, die ich dir einfach sagen will, jetzt, wo du da bist und sie lesen kannst. Letzten Dienstag am frühen Abend hast du angerufen, du warst gerade auf dem Weg nach Hause. Es war nichts passiert, auch sonst nichts Besonderes, wir haben uns den Tag erzählt, dann aufgelegt, du wolltest noch einen Film sehen, es war also alles wie immer. Ein paar Stunden später haben wir uns doch noch einmal Nachrichten geschrieben, und erst da begriff ich, wie es dir eigentlich ging. Genauer: dass es uns beiden aus praktisch identischen Gründen beschissen ging. Das war der Abend, an dem ich anfing, diesen Brief zu schreiben.

Wir kennen uns jetzt seit fünf Jahren. Weisst du noch, damals, als wir uns noch schrieben, und uns in dem Restaurant trafen? Unsere Spaziergänge oberhalb der Stadt, in dem du damals noch wohntest, und unser Urlaub, als wir mit meinem Auto über die Alpen ans Meer geheizt sind? Oder später, als du mein Klavier nach Burgdorf transportiert hast und wir zusammen an den Neuenburgersee gefahren sind?
Es ist viel passiert seitdem, und man kann ganz ohne Drama oder Übertreibung sagen: wir haben in all den Jahren verdammt viel verdammt grosse Scheisse zusammen durchgestanden. Und es war nicht immer alles leicht zwischen uns. Im Gegenteil. Wir hatten unsere Kämpfe, miteinander, umeinander, und obendrein hatte jeder von uns für sich manchmal Mühe, sich selbst irgendwie über Wasser zu halten.

Was ich an unserer Freundschaft besonders mag, ist, dass wir einfach wissen, dass wir füreinander da sind, egal was passiert. Ohne uns dessen ständig versichern zu müssen. 98% unserer Freundschaft kommen ohne Geschwafel aus, ohne permanente Zuneigungsversicherungen, und die restlichen zwei Prozent, die sind dann auch ok. Aber was ich noch viel mehr mag, und was ich erst vor gar nicht allzu langer Zeit begriffen habe: dass wir so verschieden und einander doch so ähnlich sind.
Ich meine, hey, du machst deine Sachen, die ich grossartig finde, von denen ich aber ungefähr nichts verstehe; ich mache meinen Kram, von dem du gut findest, dass ich ihn mache, dem du aber so gar nichts abgewinnen kannst. Du liebst Zürich, das ich nicht so recht mag, ich lebe in Burgdorf, das du nur auf Stundenbasis erträgst. Und das alles ist okay. Jeder von uns hat seins, und wir treffen uns irgendwo in der Mitte, da, wo wir uns einig sind. Zum Beispiel darin, dass wir unsere Rückzugsmöglichkeiten brauchen.
Weisst du eigentlich, was du mir bedeutest? Du hast mir ein paarmal echt den Arsch gerettet, was aber noch viel wichtiger ist: wie oft du da warst, wenn es mir richtig beschissen ging (und es gab Zeiten, da war das ziemlich oft). Du warst die, die mich noch mochte, wenn ich mich selbst nicht mehr ertragen konnte, die mich wieder aufgebaut hat, wenn alles zu viel war und die immer an mich geglaubt hat, wenn ich gar nicht mehr weiter wusste.
Bei allem, was war, und erst recht bei allem, was hätte sein sollen, aber nicht wurde: du warst immer die Erste, die davon erfuhr. Die mich in allen Aggregatzuständen, mit allen Sorgen, Nöten, Idiotien und Baustellen kennt. Jahrelang haben wir täglich telefoniert, wir hatten das nie geplant, irgendwann war es einfach so. Auf dieselbe Weise hörte es auch irgendwann wieder auf. Seit wir nicht mehr zusammenkommen, ist aus einem “lass dich mal drücken” eben eine virtuelle Umarmung geworden. Dass du einfach viel zu oft viel zu weit weg bist, kann ich trotzdem nicht gut finden. Aber da du nie hierherziehen wirst und ich nie dahin, wo du wieder hinwillst: wir könnten einfach auch in den nächsten Jahren mal eine Weile gemeinsam ins Ausland gehen, irgendwohin, wo keine Menschen sind. Oder irgendwo anders hin.
Das alles klingt ganz schön egoistisch, jetzt, wo ich das so lese. Andererseits, vielleicht gehört es dazu, dass man eine Freundschaft auch darüber definiert, was man bekommt.

Das alles hier schreibe ich dir, um dir mal wieder vor Augen zu führen, was für ein grossartiger Mensch du bist. Weil ich weiss, dass du genau das manchmal nicht so recht glauben magst. Ich habe da dieses eine Foto, das du mir mal geschickt hast, und jedes Mal, wenn ich es sehe, könnte ich mich wegschmeissen vor Lachen. Und allein dafür (neben all den anderen Sachen, die du kannst und machst und denen, die du sein lässt, weil du sie gerade nicht kannst) bist du für mich einer der besten Menschen, die es auf diesem Planeten gibt. Und auch wenn das nicht viel ist: vergiss es nicht.
Jetzt bist du schon seit einiger Zeit weit drüben im Westen und arbeitest jeden Tag mit vielen schlauen Leuten, die den ganzen Tag tolle Sachen machen. Das ist die Art von Leuten, die es so wirklich, wirklich draufhaben, und dann auch noch ständig mit ihren Erfolgen im Fernsehen, im Radio und in der Zeitung sind, weil sie auf einem Gebiet unterwegs sind, das keiner so richtig versteht, für das aber alle Lösungen brauchen (das ist übrigens dasselbe Gebiet, auf dem du unterwegs bist, meie Liebe, und das sind Leute, die dich eingestellt haben, weil sie gut finden, was du machst. Das aber nur so am Rande). Das kann sehr inspirierend, anspornend, herausfordernd sein. Andererseits kann es einen ganz schön fertigmachen, besonders, weil es einem auch ständig die eigenen Unzulänglichkeiten vor die Nase hält.
Du bist so viel besser, als du glaubst.
Trotzdem sage ich dir jetzt nicht, dass du an dich glauben sollst, wir wissen beide ziemlich gut, dass das worthülsener Blödsinn ist. Du bist gut. Nur denkst du viel zu selten daran. Und ich hoffe, dass du es zumindest teilweise und ganz langsam irgendwann begreifen kannst: dass es okay ist, dass du nicht immer sofort so schnell und so gut bist wie all die anderen zu sein scheinen. Ich wünsche dir, dass du herausfindest, was du für dich selbst willst, ohne dich mit ihnen zu vergleichen; dass dir klar wird, welcher Weg deiner sein soll, und dass du dann eine Möglichkeit findest, ihn zu gehen (wenn es dein Weg ist, wirst du sie finden).
Vor allem aber wünsche ich dir, dass du sein kannst: alleine, mit dir, und einfach so, wie du bist. Dass du dich nicht verstellen musst, um anderen zu gefallen, oder um eine Version von dir selbst zu sein, von der du glaubst, sie sein zu müssen. Dass du Zeit für dich und ohne andere Menschen hast. Ich wünsche dir, dass du zufrieden bist, vielleicht sogar glücklich, aber auf jeden Fall einverstanden bist, mit dir und dem, was du tust. Denn eigentlich ist das Beste, was mir passieren kann: dass es dir gut geht.

Letzten Dienstag hast du ganz zum Schluss, geschrieben, dass alles gut ist, so lange wir uns haben. Und das Tollste daran ist: wir haben uns.

Danke, dass es dich gibt.

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