Begegnung

Immer habe ich mir gewünscht, dich wiederzusehen.

“Man läuft sich im Leben zweimal über den Weg”

sagten mir schon viele Freunde und Mitmenschen.

Nun kann ich es glauben und habe es verstanden. Doch was wollte mir diese Begegnung mitteilen? War es die Chance ungesagte Worte endlich auszusprechen? War es die Chance dir für Alles zu danken? War es die Chance endgültig und richtig Abschied zu nehmen? Es war sicherlich nicht die Chance, dass wir füreinander bestimmt sind, denn wir haben wohl nie zusammengehört. Es ging Alles so schnell und war wie ein Traum, den man nicht (be)greifen kann. Doch es waren Momente voller Glück.

Ich vermisse dich zwar, doch ich höre die Vögel wieder singen, kann wieder atmen, konnte Vergangenes vergessen, kann den blauen Himmel sehen und geniessen. Jahrelang hatte ich mich auf Papier sterben lassen, nun bin ich wach – im Leben.

Danke – zum Zweiten Mal

I keep dreaming on

Wäre das Heute mir nicht so unendlich fremd und das Gestern so verdammt nah, gäbe es ein Morgen. Doch wohin mit Morgen, wenn es nebulös scheint, wenn es verwischt, vor dem ersten Grauen? Plötzlich ist ein Monat vergangen, ein weiterer und ich werde fast taub vom Ticken der Uhr, dieser scheusslich runden Scheibe, die weder Anfang noch Ende kennt.

So ergeht es uns. Falls wir einander nicht mehr sehen, hören und fühlen können, woher wissen wir ob der Andere noch da ist und wie könnten wir nach ihm suchen?

Als stünden wir im Nebel…

Wenn das vorbei ist, werde ich nie mehr stehen bleiben, keinen einzigen Augenblick mehr, es sei denn: mit dir.

 

I’ve been missing your love, love, love
I’ve been missing your love, love, love

Vapor trails apart, reaching out for your touch
They’re fading ’til they’re gone
But I keep dreaming on

(Dreaming on)
I keep dreaming on

[?] us…

I’ve been bleeding I want someone
I’ve been feeding your constant call

Vapor trails above, reaching out for your touch
They fade until they’re gone
But I keep dreaming on

(Dreaming on)…
[?] us…
I keep dreaming on

 

 

 

 

Ich mag Dich

Sie lächelt. Alles ist bunt. Der Regen und die Blätter, selbst aschfahle Asphaltschwärze liegt farbenfroh unter unseren Füssen. Wir denken im Zickzack, überschlagen uns dabei, greifen nach verrückten Ideen und lachen, während wir uns an beiden Händen fassen und uns dabei so schnell im Kreise drehen, dass uns schwindelig wird und wir gedankenlos von einer Strassenseite zur anderen taumeln. Und wo wir uns miteinander und umeinander bewegen, bleiben Regenbogenfarben. Bunte Ballons hängen an grauverschmierten Bentonwänden hinab und überall schmeissen gut gelaunte Menschen Farbe wie Saatgut und Streusand, bis alles Leben bunt und vielfarbig ist. Wir nehmen Anlauf und springen in Pfützen, so lange bis wir ausser Atem geraten und triefend nasse Socken aus viel zu falschen Schuhen tropfen. “Stopp, stopp, stopp” rufst du. “Ich kann nicht mehr”. Vor lauter hier- und dorthin, vor lauter ich will, ich will, ich will, dies und das und das und dorthin und jenes und die ganze Welt, haben wir das Luftholen vergessen. Nun stehen wir voreinander, ausser Atem, ich vor dir und du vor mir. Deine Augen leuchten und ich kann nicht von ihnen lassen. Es ist, als ob nichts war, nichts sei, nichts werde, nichts komme und nichts gehe. Es ist Moment und Augenblick und Jetzt. Es sind Finger, die sich auf Handflächen bewegen, die ineinandergreifen und warm sind. Es sind Augen, die sich im Vertrauen auch ein wenig Verletzlichkeit, ein wenig – das bin ich – zuwerfen. Es sind Münder, die sich näher und näher und ganz, ganz nahekommen. Es sind Lippen, die sich aufeinanderdrücken und bleiben und bleiben und bleiben, lange, und nicht damit aufhören wollen. Und plötzlich, da dreht sich alles um uns und wir sind Mittelpunkt und stehen im Scheinwerferlicht einer Geschichte, eines Anfangs, eines bunten, hübschen Bilderbuchs mit Happy End.

“Hey Träumer”.

Ich wache auf. Wo bin ich? Sie lächelt. Draussen regnet es und kahle Äste ragen hoch in einen wolkenbedeckten Himmel. Auf meinem Schoss, da liegt ein Bilderbuch, bunt und hübsch. Ich reibe mir etwas die Müdigkeit aus den Augen und richte mich auf. Wir sitzen nun nebeneinander auf dem Bett, eine Wolldecke über unseren Beinen und heisser Tee dampft aus grossen Tassen. Ich zeige auf das Buch auf meinem Schoss und frage dich, ob es ein Happy End hat. Du nickst und lächelst, drückst mir einen Kuss auf die Wange und wir schauen aus dem Fenster in dem alles bunt und schön und gut und Happy End ist.

Halte mich

Meine Worte bleiben in der Luft hängen. Es ist, als könnte man jeden einzelnen ihrer Buchstaben greifen und wie eine Frucht vom Baum pflücken.
“Was?”
Ich starre auf den Boden. Es war eine blöde Idee. Ich möchte mich übergeben. Ich möchte den Zeitbaum wieder herunterklettern und einen anderen Ast hinaufsteigen.
“Ach nichts”
Sie schaut herüber zu mir. Ich spüre ihren Blick wie Eiszapfen auf meine Haut schlagen.
Sie zieht ein Blättchen, legt Tabak hinauf, drückt ein wenig Gras hinein, dreht das Paper, bringt ein wenig Speichel daran und begutachtet ihr Werk. Sie schweigt und ich rieche das Hanf in ihrem Atem.
Sie lächelt und reicht mir den Joint.
“Ich weiss”. sagt sie.
“Ich weiss”, sage ich.
Wir sitzen und rauchen und schweigen.

Es ist alles gesagt an diesem Abend.

Und wahr wird es immer sein

Jetzt in diesem Moment ist die Wahrheit, dass du Recht hast mit allem. Aber das hast du dir, glaube ich, schon gedacht.
Dieses Jahr fing an mit einem Apfel den ich nicht essen durfte.
Mein Herz schlägt schneller.
Es ist kalt in der Stadt. Schnell gehe ich durch die Strassen, die Füsse auf dem Asphalt im störrischen Gang derer, die in Wahrheit lieber zuhause in einer Ecke liegen und Vorwürfe gegen die Zimmerdecke rufen würden. Nur mehr hastige, schnelle Bewegungen und auch diese mit ausdrücklichem Widerstreben. Endlich zurück in der Wohnung und ich sperre den Winter aus.
Ich ziehe die Kleider aus, dusche heiss. Ich höre Musik von neunzehnhundertachtundachzig und lese das Internet von zweitausendsechzehn.
Ich kehre an einen Ort zurück, den ich seit sehr langer Zeit nicht mehr sah; lese alte Zeilen darin, offenbar verfasst von mir. Es kommt mir vor, als läse ich die Texte eines Fremden. Ich vergleiche sie mit dem Heute und frage mich erst, was denn jetzt eigentlich wahr ist und dann, ob ich mir nicht allein schon mit dieser Frage etwas vorlüge.
Denn ich weiss, dass alles wahr war und alles wahr ist. Und wahr wird es immer sein, aber selbst im allerbesten Fall immer nur für ganz genau einen Moment. Für einen Moment, der sich nur in den seltensten Fällen wiederholt. Mehr Wahrheit ist nicht drin.

 

Ich finde das sehr gut so.

Über der Stadt

Ich gehe spazieren. Kurve um Kurve geht es hinauf auf die Anhöhe über der Stadt. Laub verschiedenster Form und Farbe säumt den Weg. Ein wenig Nässe der letzten Tage liegt verstreut hier und dort in den schattigen Stellen. Ich mag es, wenn meine Füsse in die bunten Blätterhaufen eintauchen. Ich mag es, sie davon zu stossen. Es ist ein sonniger Novembertag. Der Wind bläst. Schritt für Schritt erklimme ich die Anhöhe, die sich Biegung für Biegung immer weiter nach oben zieht. Ich blinzle in die Sonne, die mir mitten ins Gesicht scheint. Welch stilles Glück in diesen kleinen Momenten liegt.
Oben, auf dem Hügel angekommen, überblicke ich die Stadt, die links und rechts und rundherum zu meinen Füssen liegt.
Geradeaus, mit dem Rücken mir zugewandt, erblicke ich eine junge Frau, die ganz allein auf einem Stein sitzt. Ihr langes Haar und der dünne Schal an ihrem Hals flattern im Wind. Ihre Beine hat sie an sich herangezogen und mit ihren Armen umschlungen. Sie blickt hinab. Sie ist schön.

Warme Sachen, mit Liebe, oder so

Regen. Nebel, Kaffee, zu zweit sein.

Gespräche, Blicke, Schatten, Bilder, je nach dem, auf was man steht und von wo aus man durchsieht.
Wenn das Feuer umkippt, ist immer einer da, der es für uns wieder einsammelt.
Zum Glück sind wir unbrennbar, sonst wären wir schon längst eine Geschichte im Wirrwarr der Zeit.
Uns gefällt das, aufheben, hinstellen und Gesprächsfetzen sammeln.

Ich schaue aus dem Fenster in den Herbst hinaus. Runter auf die Strasse und gegenüber läuft ein Fernseher.

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