Was für ein Gefühl

Um uns herum scheint es keine Zeit mehr zu geben. Ich spüre deinen warmen Mund, deine lebendigen Lippen, die sich wie ein Schmetterling auf meine legen. Ich halte dich in meinen Armen und spüre wie du dich an mich schmiegst, wie es nur weibliche Wesen können. Du bist so geschmeidig an mir, voller Hingabe und Sehnsucht, es ist als würden wir verschmelzen durch unseren Kuss, der keine Einflüsse von aussen zulässt. Nur du und ich im Wandel der Zeit, die Welt dreht sich weiter, obwohl es für diesen Moment an Bedeutung verliert genauso wie die Musik, die der Wind zu uns trägt. Wir spielen unsere eigene Melodie, unsere Herzen geben den Takt an. Meine Hände gleiten über deinen nackten Rücken wie Engelsfinger über eine Harfe.

Du schmeckst so gut, dein Kuss, unser Kuss berauscht mich mehr als alles andere auf der Welt. Deine weichen Lippen sind wie Samt auf meinen Lippen.

Sinken wir zusammen? Stehen wir noch?

Fliegen wir durch einen Regenbogen, der in all seiner Schönheit und Pracht erstrahlt nach einem lauen Sommerregen, wenn die Sonne wieder zum Vorschein kommt? Mir ist als würde ich mein Selbst verlassen, als würde mein Inneres nach aussen kommen, um dich zu verschlingen.

Du bist stumm

Es sind deine Augen, die die Worte formen. Ich stehe still. Du erhellst mich mit deinen wachen Augen. Ich bin stumm, liege vor deinen Füssen, in der Gewissheit nicht getreten zu werden. Mit dir würde ich durchs Feuer gehen, mich in die Dunkelheit stürzen.

Wenn du mich mit deinen Händen formst, mich mit deinen Fingern ins Leben holst, dann atme ich tief und bin.

Immerzu durchwandern Gedanken mein Gehirn. Du bist die Stille für mich, ein Ort, wo ich mich selbst finde. Dein Puls bedeutet leben, leben für dich und leben für mich. Bedeutungslosigkeit umgab mich, obwohl ich sehen konnte war ich sehend blind. Ich bin auf der Suche nach einem Satz. Ein Satz, der alles beschreibt. Ein Satz, der Heilung bringt. Ein Satz, der mich erlöst. Aus einem meiner Sätze formst du ein Wort, ein Wort, das nichts sagt und doch so viel bedeutet.

Ist dieses Wort die Antwort auf all meine Fragen, das Ende meiner Suche?

Nein, mit jeder Antwort, die ich erhalte, erklimmen neue Fragen mein Gehirn. Ich stehe am Abgrund, sehe die unendliche Tiefe und höre das Wort, das du mit deinen Blicken formst. Es ist schön am Abgrund zu stehen, denn so kann ich in die grenzenlose Weite sehen. Verschwende nicht dein Leben mit suchen, finde die Nähe, die dich umgibt. Fühle den Boden, auf dem du stehst oder liegst, und lasse deinen Geist frei. Bewegte Bewegungslosigkeit ist in mir, ein Blick in die Weite verschönt mein Stehenbleiben.

Du holst mich immer wieder zurück, hältst mich am Leben wie eine Nadel, an der ein Tropf hängt. Es sind deine Worte, die mich stechen, dein Leben, das in mich tropft. Du bist der volle Mond in der Nacht, ich heule dich an und werde zum Tier. Ich darf sein wie ich bin, doch bin ich wirklich so wie ich mich gebe? Du zweifelst nicht, es ist mein Ich, das an mir verzweifelt. Viele Dinge kann ich sehen, doch mein Selbst bleibt mir stets verborgen. Ich möchte, dass du mich begräbst, an meinem Abgrund stehst und mich mit einem stummen Gedicht deiner Augen begleitest. Sieh mich in der Tiefe liegen, sieh den Ort, wo ich auf dich warte. Danke für das eine Wort, es wird ewig in mir sein und mich durch die Dunkelheit geleiten.

Dinge die mir einfach passieren

So war das, damals, so hat das damals alles angefangen, so nahm die Geschichte ihren Lauf, die Geschichte, die erklärt, dass Dinge mit mir einfach so passieren.

Ach ja Texte zu schreiben, das bedeutet, Gedanken in der richtigen Reihenfolge aneinanderzureihen. Immer einen an den anderen. Manchmal funktioniert das nicht so richtig. Diese Ordnung im Kopf, dieses geordnete Denken, die zurechtgerückten, auf die richtige Länge gestutzten Wortschlangen, das alles ist mir manchmal so fremd. Wenn ich beginne nachzudenken, dann ist da ein Brummen in meinem Kopf, klare Gedanken erkenne ich keine. Dann gebe ich angestrengt auf und der Kopf brummt lauter und alles dreht sich ein bisschen und es ist alles s weit weg und ich schnappe nach Luft. Es ist schwer, das Gefühl zu beschreiben, manchmal noch nicht richtig anwesend zu sein, irgendwie ganz weit weg und doch in einer Art und Weise anwesend im Hier und Jetzt.

Zum Beispiel als du herkamst zu mir, so richtig nahekamst, und sagtest, du willst mich jetzt küssen, du willst mal wissen, wie das ist mit mir, so richtig mit anfassen und Zunge, und als ich dann merkte, du meintest das ernst, da hätte ich einfach Nein sagen können, einfach so, denn da passierte nichts in mir. Ganz leicht wäre es gewesen, dich von mir fernzuhalten und dich, wie nennt man das doch, in die Schranken zu weisen. Nein zu sagen und es auch so zu meinen, einfach aufzustehen und zu gehen.

Danke Michael für die wunderbare Zusammenarbeit

Aber manchmal war es so schwer zu lieben

Ich sehe sie dasitzen, und das Bewusstsein, sie da sitzen zu sehen, fährt mir in alle Glieder.
Sie könnte jede sein, aber; ich falle aus mir heraus, falle heraus und komme nur langsam und zittrig wieder zu mir. Dahinten sitzt sie, pocht mein Herz, dahinten, und gleich werdet ihr euch vielleicht ansehen und vielleicht wirst du etwas sagen, vielleicht wird sie deinen Teller begutachten, was du darauf hast; also belade ich meinen Teller mit Grünzeug. Sie soll nicht denken, ich ernähre mich ungesund; vor ein paar Tagen hätte sie meinen Teller sehen sollen, da war die Farbkombination phänomenal.

Und als ich allen Mut zusammennehme, und unserem gemeinsamen Bekannten, der mit ihr am Tisch sitzt, auf die Schulter tippe, wendet sie sich gleichzeitig einem alten Freund zu, die ihr natürlich genau in diesem Moment um den Hals fallen muss. Meine Mundwinkel kringeln sich ein wenig, aber noch immer bin ich ausserhalb, ausser mir, ich spreche mechanisch und verhasple mich in abstrusen Denkschleifen; Mein Gegenüber merkt, dass ich mich für das Gespräch gar nicht interessiere, und wirkt irritiert.

Beharrlich halte ich die Plauderei trotzdem am Laufen, aber sie ist ehrlich abgelenkt und wird nicht so bald aus ihrem Gespräch befreit sein. Also gehe ich.
Wahrscheinlich hat sie nichts von alldem mitbekommen. Meine Mundwinkel kräuseln sich noch ein wenig mehr.

Ein weiteres Bild entstanden aus der Zusammenarbeit mit Poet Laval.

Ich würde meinem Freund so gerne ein wenig bei der Arbeit zusehen, aber ich bin immer so weit weg, dass ich ihn gar nicht sehen kann.

Is there anybody in there?

Ich bin weit davon entfernt, mich erwachsen zu fühlen. Aber zum Jungsein, zum Austoben und Ausprobieren habe ich auch längst den Bezug verloren. Ich bin in einem Zwischenraum eingekapselt, taste die Wände von innen ab und finde weder den Ausgang noch einen Eingang. Ich wage keinen Schritt nach vorn und will nicht zurückblicken. Ich habe mir die Augen zugebunden in der Hoffnung, dass der nächste Blick ein Blick auf eine andere Welt sein wird.
Mir fällt es schwer zu begreifen, dass es so natürlich nicht ist, nicht sein kann.

Die andere Welt existiert,
wenn überhaupt, in mir selbst.

Ich muss sie ausgraben oder gar neu entstehen lassen.

“Hello
Is there anybody in there?
Just nod if you can hear me
Is there anyone at home?”

“Manche haben ihren Goethe-Moment, anderen geht bei Hölderlin das Herz auf, mein Leben wurde durch Pink Floyd ein anderes.
Denn.
Ich fühle mich schwerelos in diesen Klangwolken.”

 

Die Luft riecht grün

Prolog
Ich verlasse das Haus, gehe leicht und beschwingt und mit wohliger Nervosität zum Bahnhof. Ein wenig später stehe ich an der vereinbarten Strassenecke am Anfang der Fussgängerzone in der Innenstadt. Sie ist noch nicht hier. Viele warten hier auf ihre Verabredung, es ist ein bekannter Treffpunkt. Immer wieder wechsle ich Position um in alle Richtungen schauen zu können, obwohl ich mir sicher bin, aus welcher sie kommt.

Und dann steht sie vor mir. Eigentlich will ich ihr um den Hals fallen, sie in meine Arme schliessen, sie küssen, doch ich kann mein Augen nicht von ihr lösen. Sie ist so wunderschön. Sie trägt ein kurzes Kleidchen, sommerlich leicht und so kurz, dass sich alle Männer nach ihr umdrehen, um einen Blick auf ihre nackten Beine zu werfen. Das Kleidchen endet nur unmerklich unter ihrem Po, ist hell und vorne durchgehend geknöpft. Die Schultern sind frei. Ihre Füsse stecken in braunen Sandaletten. Die halbhohen Absätze heben ihren ohnehin knackigen Po noch etwas an…

Sie hatte ihr Kleid ausgezogen, und dann wieder an, wir waren uns nah, aber nicht nah genug.
Ich bringe sie zum Bahnhof, wir verabschieden uns. Sie schaut mich an, gleich werden wir uns abwenden und gehen. Das ist mir nicht recht, also fasse ich mir ein Herz und sage:

„Ich würde dich ja gerne küssen, aber ich habe den Eindruck, du willst nicht.“
Und sie sagt:

„Ja! Doch.“

Und wir küssen uns.

Epilog
Der Samstagmorgen ist mir am liebsten, denn da will mich niemand treffen. Und ich lese nochmal diesen Abschnitt, nochmal und nochmal, und dann weiss ich endlich, was falsch ist. Ich mag am Samstagmorgen beim Kaffee sitzen und nicht reden.
Ich erzähle das niemandem, denn das klingt traurig, ist es aber nicht.

To Maggie
I dreamt we walked together along the shore. We made satisfying small talk and laughed. This morning I found sand in my shoe and a seashell in my pocket. Was I only dreaming?

You know, I do believe in magic.

From Maggie this Morning:

Thanks for being my best friend and making my life bearable. I missed you every hour.

A common work from Michael, Urs and of course Maggie
http://www.fotocommunity.de/fotograf/poet-laval/1876439

The work is based on:

http://fc-foto.de/36999389

Jeder spielt seine Rolle, und meine ist eine traurige

Macht man das nicht ständig? Ausser Acht lassen, dass die Menschen, die in unser Leben treten, bereits ihre Geschichten, Wunden und Geheimnisse besitzen, die rein gar nichts mit uns zu tun haben?

Verdammt, ich habe deinen Brief rausgesucht.
Aus dem kleinen Karton, in dem ich Dinge sammle, die mich berühren oder in der Vergangenheit die Kraft dazu hatten.

Ich habe ihn rausgekramt, und allein die Farbe des Briefumschlags und deine rundgeschwungenen Schriftzüge haben mich lächeln lassen. Wir waren jung, denke ich, wir waren so kindlich. Ich muss lächeln über unsere Versuche, tiefgründig zu wirken; tiefgründig und ach-so-klug, das waren wir, und oh-so-melancholisch.

Und dann treiben deine Worte einen schmerzlichen Zug in mein Lächeln; denn du schreibst von Veränderungen, und damals war ich es, die dir Veränderung vorwarf. Es sei gut, schreibst du, dass wir uns verändern und beeinflussen lassen; wir alle tun das, fügst du noch hinzu. Du verschwimmst; das Bild, das ich von dir habe, springt hin und her, wie eine dieser Kippfiguren. Mal sehe ich dich, wie ich dich zu kennen glaube, sehe das, was der liebevolle Tonfall des Briefes verspricht – Dann wieder, nur Leere. Stumpfes Nichts, das ist alles; keine Fratze, kein Hohn, nur Traurigkeit.

Und mir laufen Tränen übers Gesicht, und ich denke, wie ich schon beim ersten Lesen, damals, geweint habe. Damals vor Glück, vor Glück und Dankbarkeit. Aus Geborgenheit. Jetzt? Grüble ich tränenwischend. Weshalb jetzt?

Papierfaltend, briefverschliessend: Aus Nostalgie. Vor Schmerz. Wegen dieser ungeheuren, ohnmächtigen Wut, in die du mich gestürzt hast; weil du zu einem Phantom geworden bist, du, die mir einst so nah war. Auch: Weil ich damals nicht begriffen habe. Weil alles so einfach hätte sein können. Weil es das auch war, ab und zu, und ich das vermisse; ich vermisse dich, und das Chaos, das du in mir angerichtet hast, und ich weine, weil ich weiss, dass du Recht hattest: Es geht mir besser ohne dich.

“Wie hab ich das gefühlt was Abschied heisst.
Wie weiss ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreisst.”

Page 27 of 30« First...1020...2526272829...Last »