Mein Blick streift sie immer wieder

„Es tut mir leid wegen gestern wirklich.“
Ich wollte ihr noch sagen, dass ich sie liebe, aber das war mir dann doch zu peinlich im vollgestopften Pendelzug.

„Ich liebe dich.“

Sie ist es, die es sagt und ich lächle und irgendwie ist heute endgültig ein bisschen Frühling geworden.

Der ganze Wagen scheint auf einmal von einer unerklärlichen Hektik erfasst zu werden und das am frühen Morgen, jetzt wo ich ausnahmsweise glücklich bin. Das darf doch alles nicht wahr sein. Was ist los, was soll die Aufregung? Ich will jetzt Frühling sein, ich will jetzt ihre Hände halten und mich an ihr erfreuen. Diesen kleinen unscheinbaren Moment, nichts Spektakuläres zwar, nur ein kleines Glück, das sich nicht festhalten lässt, das bald wieder auf Reise gehen wird, einen anderen Zug, ein Flugzeug oder ein Schiff besteigen wird um andere zu streifen, diesen zarten zerbrechlichen Augenblick will ich jetzt voll auskosten und nichts soll mich daran hindern.

Und dann spüre ich deine Kraft

Du liebst mich mit deiner dir eigenen sanften Unerbittlichkeit. Du lässt mich baden in deinen Augen, nährst mich mit deinen Küssen. Dein Flüstern ist eine lebensnotwendige Süssigkeit.

War ich jemals so wenig und so viel?

Jetzt in diesem Moment dürfen wir sie leben: die unendliche Ruhe, die unerschöpfliche Zärtlichkeit, die reine Liebe. All das darf sich im Alltag nur selten zeigen, zu angreifbar, zu verwundbar wird man durch sie, aber jetzt sind wir herausgenommen aus der Zeit.

Deine Augen, deine wunderschönen Augen sind glücklich, deine Atmung ist wie meine, tief und erholsam. Allein dein Anblick, das langsame in dir Sein, dein Geruch nach Lebendigkeit, die Erkenntnis deiner selbst, deine warme Haut, deine Seele, die mich umgibt, dein warmes Licht, das nie erlischt. Ich umfasse dich und halte dich fest in meinem Arm, mein Kopf ruht auf deiner Schulter, einen sanften Kuss lege ich dir auf deine Wange, einen zärtlichen Kuss, ein Kuss für die Ewigkeit.

Wir haben nach neuen Welten gesucht

Und dann waren wir mit einem Mal allein in der Dunkelheit, sie wollte ihre Schlafsachen holen und ich ergriff die Gelegenheit, ergriff sie und folgte ihr. Während sie alles zusammenklaubte, stand ich an einen Stuhl gelehnt und spürte die Schwere der Situation auf mich niederfallen.

Das hatte ich mir gewünscht, mit ihr allein zu sein und dann, ein paar Worte nur, sie vielleicht an mich ziehen. Ich stand da und konnte nicht, konnte kein Wort herausbringen, keins, das von Belang gewesen wäre. Ich war wie gelähmt. Einerseits wollte ich, wollte mehr als alles andere ihre Lippen schmecken und in ihrem tiefen Blick ertrinken, und andererseits überwog die Angst. War es angst? Unsicherheit. (Dabei war ich mir doch so sicher gewesen.) Ich half ihr, die Sachen zu tragen, das war alles.
Und bei der Umarmung zum Abschied musste ich lächeln, kopfschüttelnd, ich gab wohl auch ein Geräusch von mir, das leicht tadelnd klang, und sie fragte, „was?“, was ist, was habe ich getan, was hast du denn. Du hättest mich küssen sollen, wollte ich erwidern, wieso hast du das nicht, wieso lässt du etwas in mir auflodern und löschst es nicht, sondern schürst es nur immer weiter, wieso?

Warum muss das Leben so kompliziert sein, fiel mir an der Haustür ein, und eigentlich ist es doch so einfach.

Und ich verfluche dieses Leben. Und jubiliere zugleich.

Ich hatte mich auf dem grossen, Stein zusammengerollt, vor dem Feuer. Ein paar Scheite brannten; die Wärme kroch langsam meine Knöchel empor. Auf der Decke zwei Tassen Kaffee. Zwei Tassen? Ich hatte meine dort abgestellt, mir war auf einmal übel gewesen. Ruhig atmen, ich atmete ruhig, ein und aus, ganz ruhig, und sie betrachtete mich. Sie lag da und schaute, und dann legte sie sich neben mich, sodass wir, Gesicht an Gesicht, nebeneinanderlagen.

Ich weiss nicht mehr, was sie noch sagte, was sie flüsterte, als wir so dicht an dicht dalagen. Ihre Nacktsein, waren Aufforderung genug.

„Zum Anbeissen siehst du aus“, sagte ich, glaube ich, noch; und etwas, das überhaupt nicht passte, einfach irgendwas. Sie strich mir mit dem Finger übers Haar, über die Lippen, und ich lächelte, und ich wurde schläfrig, dabei durfte ich nicht, konnte nicht einschlafen, denn ich wollte noch nach Hause.

Und da packte mich leise Wut, kalter Zorn auf sie, die da lag und streichelte, und genau wusste, dass ich sie nie würde lieben können, nie auf diese Art.

Und deshalb öffnete ich den Mund, als ihr Finger wieder meine Lippen nachzeichneten. Und dann kam das Küssen, und ich riss sie an mich, riss sie über mich und zu mir hin.

Auf den Stachel des Begehrens haben wir nur eine Antwort: fangen, einschliessen, festhalten.

Das tiefe Begehren, das realste Begehren ist dann in einem, wenn man zum ersten Mal auf jemanden zugeht. Das löst das Knistern aus. Danach erst kommen Mann und Frau ins Spiel. Aber das, was zuvor geschah – was die gegenseitige Anziehung auslöste -, kann man nicht erklären. Es ist das Begehren in seiner ursprünglichen, reinsten Form.
(Paulo Coelho)

Das Bild ist eine Symbiose von Michael und Urs. Danke für die wunderbare Zusammenarbeit.

 

Epilog

Das echte Liebesleid nistet sich an der Basis unserer Existenz ein, erwischt uns unerbittlich an unserem schwächsten Punkt, greift von da auf alles andere über und verteilt sich unaufhaltsam über unseren ganzen Körper und unser ganzes Leben. Wenn wir unglücklich verliebt sind, dienen unsere sämtlichen Leiden und Sorgen, vom Tod des Vaters bis hin zum banalsten Missgeschick, wie zum Beispiel einem verlegten Schlüssel, als neuerlicher Auslöser für den Urschmerz, der stets bereit ist, wieder anzuschwellen. Wessen Leben durch die Liebe auf den Kopf gestellt wird, so wie meines, der meint immer, zusammen mit dem Liebesleid würden auch alle anderen Sorgen ein Ende finden, und so rührt er unwillkürlich immer wieder an der Wunde in sich drinnen.

Zusammen sind wir frei

Jetzt standen wir hier und schauten auf den Fluss und schwiegen. Jeder von uns wusste, dass der Augenblick gekommen war. Wer macht den ersten Schritt. Sollte ich jetzt etwa die Initiative ergreifen und wenn ja, wie? Das traute ich mich irgendwie nicht. Jeder hing in diesem Augenblick den eigenen Gedanken nach, wartete auf den anderen aber ergab sich letztlich der eigenen Verlegenheit angesichts dieser ungewöhnlichen Situation.

Ausgerechnet Lara wagte sich vor. „Und jetzt? fragte sie mit leiser Stimme und suchte nach meiner Hand. So standen wir uns gegenüber und schauten uns abwechselnd in die Augen.

„Wir könnten da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben.” sagte ich leise an Lara gerichtet. „Der Kuss, den Du mir da gegeben hast ist mir derart in die Glieder gefahren.”
Überrascht sah sie mich an. „Ehrlich?”

Ich nickte nur vielsagend mit dem Kopf.

Sie kam meinem Gesicht ganz nah. „Na, dann komm mit.” flüsterte sie leise und zog mich an der Hand zurück in die Höhle.

Ich hielt ihr Gesicht in meinen Händen. Ich sah in ihre Augen, einige ihrer Haarsträhnen hatte sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst und fielen über mein Gesicht. Und in aus ihrem strahlenden Lächeln war plötzlich alle Anspannung verschwunden.

Sie küsste mich, mit einer aufreizenden Langsamkeit und Behutsamkeit.

 

Jeder Mensch hat seine eigenen Wünsche, sein eigenes Begehren. Sie sind Teil seines Schatzes. Sie können jemanden fernhalten, aber gemeinhin ziehen sie denjenigen, der wichtig ist, an. Meine Seele hat dieses Gefühl gewählt, und es ist so intensiv, dass es sich auf alle und alles um mich herum übertragen kann. Jeden Tag wähle ich aufs neue die Wahrheit, mit der ich leben will. Ich versuche, praktisch zu sein, effizient, professionell. Aber wenn ich könnte, würde ich immer meine Wünsche und mein Begehren zu Gefährten wählen. Nicht aus Notwendigkeit und auch nicht, um nicht so einsam zu sein, sondern einfach nur, weil es mir guttut, weil es gut ist.
(Paulo Coelho)

Jessica

Shooting as much as I’ve been lately, I get bored fast. Especially when I’m shooting Jessica, who I’ve shot many many times.

The pretty shots just don’t do it for me. The proud stances, the fancy light, when she’s in my viewfinder, I’m constantly trying to figure out something More.
Results in a lot of shots I’ll end up deleting. A lot of playing around, trying to sort through what’s working and what isn’t.
This shoot was very much that, me unhappy with most of the ideas I was coming up with.
Then we both slide a little coming down the hill and it’s a lightning bolt across my thoughts.

I have her slide.
Then have her do it again.
And again. Struggling with the focus, with the light, with just enough flare, with her positioning as she runs/falls.

Then we got the shot.

And I had her do it again anyway. Look at her, it was hilarious!

Boredom gets you chasing fun, gets you this.

Liebe, verlorene Kathleen

Dieser Brief ist ins Leere gesprochen. Aber wenn ich abends am Fenster sitze, und die Musik erinnert mich an dich, dann kann ich nicht anders.

Dann sitze ich hier und fühle mich aufgehoben, nach langer Zeit wieder. Aufgehoben, beim Gedanken an dich. Nach allem, was war, und allem, was ist, zum Trotz. Du bist ein Teil von mir, und ich begreife das erst jetzt. Es fühlt sich wie Familie an.
Das ist es. Wie Familie, weil du nicht anwesend sein musstest, um mir das Gefühl zu geben, bei dir zu sein; weil das immer stärker war als alle Stimmen gegen dich. Gegen uns, sofern es das jemals gegeben hat, uns; in meinem Kopf, in deinem?
Ich frage mich, wie es dir jetzt geht, und spüre, dass du mich blockierst. Ich kann nicht länger erahnen, was du tust, was du gern tust und was nicht; du bist mir fremd geworden. Ich würde dir gern zeigen, was ich für Musik höre, welche Bücher ich lese, was mich verwirrt, was mich fasziniert, aber ich kann mir deine Reaktion darauf nicht mehr vorstellen; dein Urteil über mein derzeitiges Leben. Dieses Urteil, das mir immer wichtiger war, als ich zugeben wollte.
Jetzt bin ich befreit davon.

Update:
Und dann knipst du schnell wieder das Lämpchen an, den Hoffnungsschimmer; wartest, bis es dunkel wird im Zimmer, und dann schwebst du davon mit deinen Träumen, wirbelst Spiralen in die Schwärze.

Nachts ist die Sehnsucht am stärksten.

Wie leer doch Worte oftmals sind.
Ich greife nach ihnen
Und finde nichts, finde weder Halt
Noch Trost
Oder beides zugleich, aber in
Geringem Masse.

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