Ich weinte auch

Und als der Regen fiel, hätten wir uns küssen können zwischen den Pfützen, an den grünen Ampeln, auf den Zebrastreifen und unter den Brücken.
Weil unsere Mäntel mit dem Grau des Tages verschwommen wären, hätten nur ein paar Leute uns gesehen, wie wir dastehen, wie ich meine Hände vergrabe in deinen hellen Locken, wie deine Arme um mich geschlungen sind, wie nass unsere Haare schon sind vom Dastehen. Es wäre gewesen wie damals, an jenem Tag, als wir an einem anderen Bahnhof in einer anderen Stadt standen, aneinander gelehnt, uns in die Augen sahen und der alte Mann uns sah, stehenblieb, lächelte und ganz leise sagte so muss die wahre Liebe sein und weiterging.

Epilog

Hätten wir uns geküsst, wäre das Leben weitergegangen wie er.

Ich nehme meine Kamera, klettere einen Hügel hinauf und sehe nach unten. Und es ist genau so, wie ich es schon die letzten Tage geahnt hatte. Genau das, was ich gedacht hatte. Es ist genau der Grund, warum ich schon wusste, dass ich nach meinem ersten Besuch hierher zurückkehren würde, ohne jemals hier gewesen zu sein. Was bleibt, ist dieses Gefühl, schwächer, kleiner, verletzlicher zu sein als je zuvor. Und dabei die Gewissheit, keine Angst zu haben, nicht vor dem Sturm und dem Wasser, nicht vor der Nacht und nicht vor dem Alleinsein am Morgen. Und diese unendlich grosse Dankbarkeit, hier sein, und überhaupt, einfach sein zu dürfen.

 

 

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