Ich kenne meine Aufgabe

Deine Haut. So glatt. So hell. Überall und nirgends.
 Du lehnst langsam den Kopf zurück und bietest mir deinen Hals. Die Erhabenheit deiner Bewegungen rauben mir den Verstand. Ich höre auf zu denken. Alles was ich noch wahrnehme, ist das wellenschlagende Echo deiner Sinnlichkeit in mir.
 Ich beuge mich über dich und weiss, ich bin verloren.
 Meine Lippen berühren die Kühle deines Halses und verschmelzen mit dir. Dein Duft berauscht mich.
 Ich grabe meine Zähne hungrig und sanft in dein Fleisch. Du bebst unter mir. Warm berührt mich mein Name am Ohr. Diese eine Silbe, die nur mich meint.
 Flüsternder Stoff, als ich mich zu dir lege.
 Gierig greifen deine Arme nach mir.  Die Gewissheit in deinen Augen erzählt es mir.

Ich kenne meine Aufgabe.

 

Wenn ich an deinen Mund denke
wie du mir etwas erzählst
dann denke ich
an deine Worte
und an deine Gedanken
und an des Ausdruck
deiner Augen
beim Sprechen

Aber wenn ich an deinen Mund denke
wie er an meinem Mund liegt

dann denke ich
an deinen Mund
und an deinen Mund
und an deinen Mund
und an deinen Schoss
und an deine Augen
(Erich Fried)

 

Ja, Geliebte.

Ich bete dich an.
Du setzt dich auf mich.
Mit der Gewalt eines brechenden Dammes rauscht das Blut laut durch meinen Schädel.
Mein Puls pocht.

Dein Puls pocht.

 

Ich will dich. Ich will dich.
Ich werfe dich auf den Rücken. Dein Widerstand ist zwecklos. Ich erkenne dich und dein Spiel.
„Nimm mich.“, lächelst du mir mit schamloser Unschuld entgegen. Du kennst mein hungriges Verzehren. Dein Abgrund ist tiefer als meiner. Willig lehnst du dich zurück und lässt mich gewähren und wartest auf den samtenen Nachtschatten in meinen Augen. Beobachtest mich, bis du weisst: die Lichter sind angezündet. Ich brenne. Ja. Komm. Verliere dich. Ich erlöse dich. Von deiner Göttlichkeit. Erlösung. Ich weiss, du willst es.
Mich verschlucken.
Ich höre auf zu atmen.
Dein tiefes Stöhnen vibriert an meiner Kehle und sendet wilde Kreise über meinen Nacken.
Du schälst mir die Haut in Streifen vom Rücken.
Du bäumst dich auf und ich liebe dich für dein Vergessen.
Nichts mehr bist du. Kein Name, kein Schatten, nichts mehr. Ja!
Ein Biss in meine Schulter holt mich zurück aus der wirbelnden Röte vor meinen Augen.
Ich bewege mich nicht. Sehe dich an.
Hör nicht auf. Bitte, hör nicht auf!
Dein Atem fliegt heiss über die Bisswunde.
Nein, ich höre nicht auf.

Ich kenne meine Aufgabe.

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