Früher wollte ich das nie wissen

Prolog
Wir stehen früh auf, stärken uns und laufen über Stunden hinweg bis in den Nachmittag hinein. Wenn uns keine Wehwehchen plagen und keine Blasen uns vom Weitergehen abhalten, kommen wir sogar halbwegs fit an unserem Ziel an. Ein nettes Lokal. Wir lassen uns auf einem traumhaften kleinen Platz nieder, geniessen kaltes Bier, essen Käse mit Blaubeermarmelade und fühlen uns ein wenig wie kleine Kinder mit blauverschmierten Mündern. Die Sonne wärmt Körper und Herz. Später am Nachmittag wollen wir noch Bilder machen. Drei Menschen. Es macht Spass, wie wir uns austauschen, wie wir unsere unterschiedlichen Beobachtungen, Erlebnisse und Gefühle beschreiben und abermals ist es fast schon schockierend, wie schnell extrem persönliche Dinge auf den Tisch gebracht werden. Persönliche Gedanken, über die man zu Hause lange nachdenkt, bevor man guten Freunden davon erzählt. Aus diesem Austausch ist das Bild entstanden im Sommer 2015.

 

 

Früher wollte ich das nie wissen. Jetzt bin ich älter geworden und die Uhr tickt laut, die Tage und Jahre vergehen wie Luftpostliebesbriefe an die Liebste, die auf einer stürmischen Insel sitzt und auf Schönwetter wartet, während am Ufer die Aufwartungen salzverzehrt sterben.
Die Sonnenbrille beschlägt vom heissen Atem der Unverbindlichkeit und wir lachen, bis uns die Realität die Kehle zuschnürt. Alltag ist grau, dachte ich, Alltag muss grau sein. Aber Alltag ist das, was uns am Leben hält, wenn man das Nichtwissenwollen eintauscht gegen die wohligwarme Umarmung des Zugeständnisses zu einem fremden Menschen, der einem so fern wie die Sonne an einem Gewittertag ist und so nah wie die Regentropfen auf der eigenen Haut.

 

 

Epilog
Leicht ist es nicht. Doch genau das, was ich wollte, raus aus dem Staub der Gewohnheit, raus aus dem Mief der Sicherheit. Jetzt also bin ich in die Achterbahn des Lebens eingestiegen, lache und staune, lasse mir das Adrenalin zu Kopf steigen und drehe Runde um Runde. Zwischendurch ein paar Loopings und ein Traum wird wahr. Nur die Menge an Zuckerwatte in meinem Magen hatte ich vor Fahrtantritt vielleicht nicht ganz bedacht – es ist schwer, den Fixpunkt zu finden und die Sehnsucht zu stillen.

Aber bin ich nicht genau deshalb eingestiegen?

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