Kein Gestern und kein Morgen

Bei dir sein wollen
Mitten aus dem was man tut
weg sein wollen
bei dir verschwunden sein

Nichts als bei dir
näher als Hand an Hand
enger als Mund an Mund
bei dir sein wollen

In dir zärtlich zu dir sein
dich küssen von aussen
und dich streicheln von innen
so und so und auch anders

Und dich einatmen wollen
immer nur einatmen wollen
tiefer tiefer
und ohne Ausatmen trinken

Aber zwischendurch Abstand suchen
um dich sehen zu können
aus ein zwei Handbreit Entfernung
und dann dich weiterküssen
(Erich Fried)

Als ich das Wasser in die Kanne giesse, steht sie hinter mir. Warmer Atem fliesst in meinen Nacken. Ihre Hitze, verursacht mir Schwindelgefühl und ich muss die Pfanne absetzen.
„Vorsicht heiss“, sage ich leise.
„Ja, sehr heiss“, flüstert sie heiser und ihre Lippen kitzeln mein Ohr.
Wenn ich nicht gleich sitzen kann, werde ich ohnmächtig, denke ich, als ich ihre Hände auf meinem Bauch spüre. Meine Knie werden weich und ich staune über mich. Was mache ich hier?

Als ich mich umdrehe lässt sie die Hände sinken. Diese schönen Hände, mit den schlanken Fingern, die meine Haut in Brand setzen und mein Blut in Lava verwandeln. Ich wünsche sie zurück an meinen Körper. Schweigend sieht sie mich an.
Ihre Augen leuchten wie dunkle Fackeln. „Ich will mit dir schlafen“, höre ich mich sagen. Sie lächelt und drückt mich an sich.

Ich will dich küssen, spüren, schmecken, denke ich. Mit beiden Händen umfasse ich ihr Gesicht, streiche durch ihr Haar und geniesse dieses Gefühl zwischen den Fingern. Kühle Lippen berühren meine. Ich fühle mich wie unter Wasser und schwimme nackt mit der Strömung. Wasser ist in meinen Augen, meinen Ohren. Es ist überall und ich ergebe mich willig diesem sanften Schweben, das mich weg spült aus der Küche, aus dieser Stadt und aus dieser Welt.

Im Schlafzimmer ist es dunkel. Sehnsucht und Sex. Wir lassen uns in die Decken sinken und ich will nur noch ihre Haut auf meiner.

 

Kein Gestern und kein Morgen. Kein Ich, kein Du und kein Denken.

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