Es regnet nicht mehr

Jetzt sind sie zum ersten Mal wirklich nah. Diese fremden Hände. Und sie berühren sacht, beinahe nur wie geahnt ihr Gesicht. Warme Fingerspitzen, berühren ihre Lippen, wandern über Nasenflügel, finden sanft und nur für den Hauch eines Moments ihren Hals. Streichen wie zufällig über ihre Ohren und verlieren sich dann in ihrem Haar. Unter dem strengsanften Zug seiner Hände fällt ihr Kopf leicht zurück und sie stöhnt, ganz bestimmt auch erschrocken, leise auf.
 Sie kämpft mit dem Drang ihn zu berühren. Sich festzuhalten, an ihm, an etwas, das sie aus der Dunkelheit befreit.
 Und schon lösen sich seine Hände, jetzt wieder ganz sanft, aus ihren Haaren und legen sich behutsam auf ihren Rücken. Sie spürt beinahe wie er sie betrachtet. Sein Atem erreicht sie nur gedämpft und sie erkennt dadurch den Abstand, der sie immer noch voneinander trennt. Ein leises Zippen belebt die Stille zaghaft und nur von ungefähr. Er hat den Reissverschluss ihres Kleides geöffnet und wieder bewegen sich seine Hände auf ihren Schultern so, dass der glatte Stoff des Kleides, an ihren Hüften entlang, zu Boden fliesst. 
Jetzt zittert sie wieder, wie draussen auf dem Weg hierher. Aus so vielen Gründen, dass sie sich für einen kurzen Augenblick fragt, wie es möglich ist, jetzt zu denken. In so einem Moment, der jegliches Denken verbietet. Oder dem es ausgeschalten wurde. Wie ein Radio, mit unerwünschtem Sender. 

„Du bist so schön“ dringt ganz plötzlich und aus dem schwarzen Nichts die Stimme an ihr Ohr. Leise, rau, beinahe nur ein Flüstern und dennoch zerreisst sich die Stille in dem Augenblick beinahe schmerzhaft. Sie spürt wie ihr Körper zuckt.

Es regnet nicht mehr.

 

 

Das Bild ist ein Resultat der Zusammenarbeit von mir und Michael.

 

 

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