Endlich küsst er sie

Ich wünsche manchmal
ich könnte
mich an dir sattküssen
aber dann müsste ich sterben
vor Hunger
nach dir
denn je mehr ich dich küsse
desto mehr muss ich dich küssen:
Dich Küsse nähren nicht mich
nur meinen Hunger
(Erich Fried)

 

Ihre Kehle ist viel zu trocken, die Welt viel zu dunkel, die Fremde zu gross. Die Lust einem Zittern gewichen, das nur noch schreien möchte. Sie wünscht sich nur noch aufzuwachen, aus diesem Traum, der solange ihr Leben mitbestimmt hat. Sie reisst die Augen unter der schwarzen Binde auf und registriert, beinahe mit einer an Wahnsinn grenzenden Klarheit – nur Dunkelheit. Und die deutlich.

„Ich bin hier, alles ist gut, nichts kann dir geschehen. Ich bin hier vertrau mir.“

Und sie fällt zurück – und vertraut .

Sie spürt seinen Atem auf ihrem Gesicht, weiss seinen Körper beinahe berührungslos über ihrem, kann seinen Duft fast auf ihrer Zunge schmecken und fühlt seine Hände beruhigend über ihr Haar gleiten.

„Du bist schön, ja, du bist aufregend du bist mein wahrer Traum, hörst du?“

„Ich begehre dich, ich will dich!“

Endlich küsst er sie.

Im schläfrigen Nebel sanft gewordener Augen, liegen sie aneinander. Ineinander. Haltlos. Bodenlos. Ihr gleichmäßiges Atmen und das leise Ticken seiner Armbanduhr sind das einzige, das die Stille begleitet.

 

Das Bild ist ein Resultat der Zusammenarbeit von mir und Michael.

 

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