Dies ist ein ganz gewöhnlicher Donnerstagabend

Sie stand in der linken Ecke des Gartens. Die Sonne schien durch die Bäume.
Plötzlich tauchte er vor ihren geschlossenen Augen auf. Irritiert blinzelte sie, doch das Bild verschwand nicht. Gott, hatte sie lange nicht mehr an ihn gedacht. Wie es ihm wohl ging? Lange, seit Ewigkeiten, nichts mehr von ihm gehört.

Seltsam, dass die Leute immer noch glaubten, das Leben sei nichts als eine Sammlung von Geraden, die einander irgendwann kurz kreuzten, weil das Geraden eben in der Mathematik spätestens in der Unendlichkeit tun. Weil es sich nicht vermeiden liess. Und danach weiter ihres Weges gingen.
Am Ende blieb es doch nie bei einer Strassenkreuzung – für eine gewisse Zeit bildeten die beiden Geraden immer Parallelen. Drifteten zwar irgendwann auseinander, ihre Wege verliefen aber länger in der Nähe des anderen als die meisten Leute dachten. Denn war man nicht auch dann jemandem nahe, wenn man ihn nicht berührte (was Parallelen bekanntermassen nie tun)? Reichte es nicht, an denjenigen zu denken?

Irgendwann war sie in die andere Richtung weitergegangen, damals hatte sie gedacht, wie man so schön sagt, “unsere Wege haben sich getrennt”. Stundenlang hatte sie anfangs an ihn gedacht, ihn gehasst, von ihm geträumt.
Und nun war er hier in ihrem Garten.

Sie lächelte. Das alles war schon Ewigkeiten, scheinbar Lichtjahre her. Es verwunderte sie ihre eigene Sehnsucht nach etwas, das sie noch nicht einmal mit den Fingerspitzen greifen konnte und für, dass sie keine Worte hatte.

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