Eingebungen

Diese Woche war so ein Tag ohne Eingebung ohne Nichts.
Klarkommen war seine Formulierung, und er fragte mich, ob und nicht wie ich klarkäme, und deshalb konnte ich einfach immer Ja sagen. Ich wollte nicht reden, konnte den Schmerz und die dunklen, durcheinanderwirbelnden, ziellosen Gedanken nicht in Worte fassen, sosehr ich es auch versuchte. Ich sass auf dem Fensterbrett, starrte in den Himmel und versuchte alles aufzuschreiben, aber es gab die Worte nicht. Schmerzen hat man auch, wenn man sich in den Finger schneidet, Schwärze kann schön sein, eine Leere kann man füllen, und damit war alles zu wenig, zu oft benutzte Wörter, die nicht für das Schlimmste stehen können, was mir passiert ist.

Normalerweise kommen die Eingebungen einfach so zu mir, wie junge Hunde eilen sie heran und bringen ein paar Stöckchen, wie dressierte Affen kommen sie daher und spielen mir etwas auf der Trompete vor.

Und anderntags, da bleiben sie einfach weg. Dann liege ich stundenlang am der Emme, alle Kleidungsstücke so weit wie möglich von mir weggeworfen, und starre mit weit aufgerissenen Augen in den blauen Himmel, der mit seinen inhaltslosen Schäfchenwolken so leer ist wie die Stelle im Kopf, an der sich sonst üblicherweise die Ideen sammeln, als hätte jemand wie wild mit einem Radiergummi ein altes Blatt Papier bearbeitet, alles fort und ganz zerknittert. Nur die Sonne ist da und brennt alles aus und lässt alles Aufkeimende sofort verdorren.
Und mit dem Mund voller Glace setze ich mich auf, und dann denke ich, nicht zum ersten Mal, wie schön das ist, das Leben mit so viel ungenutztem, brach liegendem Verstand, und warum das nicht immer so sein kann wie heute, das frage ich mich dann, aber dann ist an dem Tag nicht genug Hirnschmalz aktiv, als dass ich mir die Frage beantworten könnte. Also sitze ich an einem Tag wie diesem weiter einfach, und bin stolz auf die beste Leistung des Tages, die nämlich, nicht an der eigenen Glace erstickt zu sein, die lebenswichtigen Funktionen einwandfrei, ansonsten alle Sinne abgestellt, der Wasserhahn, aus dem normalerweise die geschärfte Wahrnehmung sprudelt, ganz fest zugedreht. Der eigene Körper wie in Watte gepackt.
Eigentlich der Vorsatz, jeden Raum zwischen zwei Atemzügen zu nutzen, ihn mit den eigenen Händen zu packen, dem Leben einen eigenen Anstrich verpassen, Carpe that fucking diem, wenn endlich mal die Zeit dazu vorhanden ist, so wie heute, deshalb ein Stapel Bücher, Notizbuch und Stifte im Anschlag, sorgfältig gestapelt direkt an der Hüfte im Gras liegend, da werden sie heute bleiben, weil manchmal ist eben alles geschlossen, auch der eigene Verstand.

Die Eingebungen werden schon wiederkehren, sie werden zu mir kommen und mir wie Zweitklässler Lieder auf der Blockflöte vorspielen. Das Gedankengewitter, das dem klaren Gefühl folgt, das kommt schon. Und während ich mich aufsetze und nach dem Notizbuch greife und den Stift zücke und aufschreibe, wie schön es ist, mal auszureissen, mal, in gedachten Form, einen Tag lang nicht zu existieren, denke ich: Dass schreibende Menschen wohl niemals Urlaub haben.

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