Mach die Augen nicht zu

Gedankenversunken teilen wir einander diese Welt mit, die es nur zwischen uns gibt. Auf einmal gibt es Bilder in uns, leuchtend farbig aus intensiver Lebendigkeit.

Das Leben! Nichts anderes zeigen sie, ausser dieses Leben, wie es ist in einem Moment – der bleiben soll…

Ein wolkenloser Himmel über uns gab es, gibt es und wird es noch oftmals geben. Doch so wie er ist, wenn wir ihn gemeinsam nebeneinander über uns haben, wird er nie mehr sein. Es gibt Dinge, die ähneln sich, doch gleich sind sie nicht. Wiederholung ist im Einmaligen nicht möglich. Und ja, es lohnt sich, diesen Augenblick festzuhalten, mit dem Herz, mit dem Gefühl und allen erdenklichen Emotionen. Wieso sollte ich dir in diesem Moment etwas Unwahres sagen? So wahrhaftig wie ich mir solche Momente herbeiwünsche, so wahr wird der Moment sein, wenn er ist. Wahrscheinlich wird er anders, als wir ihn erdenken. Einzigartig und besonders, das steht fest. Einen Fehler kannst du kaum begehen, wenn du nicht einfach nur tust, was du zu tun fühlst. Es wird anders sein, weil es anders ist…

 

Niemals bin ich neben dir aufgewacht, niemals bin ich neben dir eingeschlafen. Jedes Mal lag ich neben dir und war hellwach. Hellwach war der Raum, hellwach war mein Kopf, hellwach waren alle meine Gedanken, die Sonne und deine Anwesenheit erhellten alles und liessen mich innerlich leuchten.

Da liegen wir jetzt also.
„Ich könnte uns Nudeln machen.“
Irgendwie ein komischer Satz, wenn er von jemandem ausgesprochen wird, der nackt ist. Wenn man dabei selbst auch nackt ist macht das die Situation eher skurriler als realer.
„Mit Tomatensosse?“
„Ja, könnte sein. Ich muss nachschauen, was da ist.“
Also schnell was übergezogen und raus in die Küche.

Ich bleibe zurück und decke mich zu und lausche der Musik. Mein Bewusstsein dreht sich im Kreis wie ein kleiner Junge auf einer grünen Wiese im Sommer, nur ein bisschen schneller und schwankender. Nur nicht wegfliegen, bloss nicht umkippen.

Und mach auf keinen Fall die Augen zu.

Ich starre also vor mich hin in den halbdunklen Raum. Das Bett ist viel wärmer und weicher und grösser als meins. Hier könnte ich noch ein wenig bleiben. Ich starre also vor mich hin in den halbdunklen Raum. Das Bett ist viel wärmer und weicher und grösser als meines. Hier könnte ich noch ein wenig bleiben.

Ich überlege mir, wann ich das letzte Mal jemanden getroffen habe, der so gut küsst wie Du, du die in diesem Moment gerade das Nudelwasser salzt oder Tomatensosse in der Mikrowelle aufwärmt, oder was auch immer du gerade tust. So gut geküsst hat ja schon ewig niemand mehr, vielleicht noch nie. Oder vielleicht schon, aber dann eben nicht mich. Wahnsinn. Noch bevor ich überlegen kann, wie wohl der Rest später laufen wird, wenn die Nudeln gegessen sind, fallen meine Augen dann doch zu.

„Mit Käse?“ Licht fällt durch den Spalt der Tür, durch den du den Kopf steckst. Ich öffne die Augen.
„Oh ja!“
Wie lange ist es bitteschön her, dass mir jemand Nudeln mit Tomatensosse und Käse gemacht hat, noch dazu um diese Uhrzeit? Und jetzt fühle ich mich übermässig vom Glück umarmt und geküsst. Gleissendes Licht fällt durch die Jalousien, die den Raum verdunkeln, kleine Englein schwirren um mich herum und schiessen mit Pfeilen um sich und singen im Kanon süsse Lieder. Mir wird schon ganz schwindelig.

Da kommst du auch schon wieder und hast Nudeln und Tomatensosse und Käse dabei und alles ist ganz wie im Märchen. Wir erzählen uns keine Witze und lachen trotzdem und für einen kurzen Moment bleibt die Zeit stehen und es gibt niemanden, der in diesem Moment besser zusammenpasst als wir.

 

 

Das Bild ist in Zusammenarbeit mit Michael und die Texte sind mit Annina entstanden.

Ich danke Euch beiden von Herzen.

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2 comments

  • Poet Laval April 10, 2016   Reply →

    Wie ich so sitze und meine Gedanken verschmelzen zu flüssigem Ausdruck, scheint es, als wären all meine Gefühle in meinem Tintenglas konzentriert. Mit der Feder tauche ich hinein und lasse sie auf dem Papier tanzen, dass sich Worte daraus formen.

    Ich wünsche euch einen schönen Sonntag.
    Michael

  • SonRisa April 16, 2016   Reply →

    Es tut einfach nur gut, solche Gedanken mit euch teilen zu können…

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