Die Sonne kommt langsam

Man hört die Kühe muhen, die Glocken um ihre Hälse klingen hell und ungleichmässig, ein wunderschönes Kuhkonzert. Wir trinken Kaffee, in der einen Hand halte ich die Tasse, in der anderen streiche ich dir durchs Haar. Vor uns erst Kühe und Wiese, dann Berge, die sich in den wolkigen Himmel strecken, als gäbe es dort etwas umsonst.

Die Sonne kommt langsam.

Aber sie kommt, sagst du und siehst zu mir hoch. Sie muss kommen, sage ich und drehe das Gesicht in die andere Richtung, ohne meine Hand aus deinen Haaren zu nehmen. Keine Menschenseele in der Nähe sonst, so scheint es. Unten auf dem Parkplatz ein einzelnes weisses Huhn, das zwischen den Autos herumwackelt und nach Essen sucht.

Wie halten die Menschen hier diese Ruhe aus? Vielleicht wird man auch verrückt, wenn alles, was man den ganzen Tag hört, das Klingeln von Kuhglocken ist, sage ich. Vielleicht wird man auch verrückt, wenn man immer wieder darüber nachdenkt, wann man verrückt wird, sagst du. Dass ich irgendwann verrückt werde, weiss ich ja schon, sage ich. Ich suche nur noch nach dem perfekten Zeitpunkt.
Und es zeigt sich tatsächlich der blaue Himmel, gelassen schütteln ihn sich die auseinanderdriftenden Wolken aus dem Ärmel. Ich starre auf die Berge und lausche und noch immer nichts als Kuhglocken. Drei schwarze Hühner weit entfernt auf der Wiese, so stummgeschaltet, als habe allein mein Kopf sie auf den Rasen projiziert.
Aber die Sonne kommt.

Als ich zurückblicke, liegst du im Bett hast die Augen geschlossen und erlebst innendrin deine eigenen Gefühle.

Und als ich mich zu dir lege, mit meinem Kopf an deiner Schulter, weiss ich wieder, warum ich hier bin.

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