Stille Wasser

Das Emmental ist schön, aber das ist es ja immer. Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont verschwunden, also ist es noch hell, aber die Ahnung der Nacht liegt bereits in der Luft. Ich stehe am Ufer der Emme.

Ich geniesse die laue Brise, die mir über den Nacken streicht. Ich bin nervös. Am liebsten würde ich wegmarschieren, zurück in die Stadt, in der heute ein Frühlingsfest stattfindet – eine Menge Lärm und Trubel, die Musik schwappt mit dem Wind herüber. Darum ist auch keiner hier und ich komme mir mehr als seltsam vor, so einsam herumzustehen.

Was hat mich nur geritten, heute diesen Treffpunkt auszumachen? Mit einer Frau, die ich im Leben noch nie getroffen habe und von der ich nur weiss, was sie geschrieben hat.

Ich halte das Kribbeln in der Magengegend nicht mehr aus. Um zumindest irgendetwas zu tun, ziehe ich die Schuhe aus und grabe die Zehen in den Sand. Er ist warm und weich und ich frage mich, warum ich das nicht öfter mache.

 

 

 

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