Zusammen sind wir frei

Jetzt standen wir hier und schauten auf den Fluss und schwiegen. Jeder von uns wusste, dass der Augenblick gekommen war. Wer macht den ersten Schritt. Sollte ich jetzt etwa die Initiative ergreifen und wenn ja, wie? Das traute ich mich irgendwie nicht. Jeder hing in diesem Augenblick den eigenen Gedanken nach, wartete auf den anderen aber ergab sich letztlich der eigenen Verlegenheit angesichts dieser ungewöhnlichen Situation.

Ausgerechnet Lara wagte sich vor. „Und jetzt? fragte sie mit leiser Stimme und suchte nach meiner Hand. So standen wir uns gegenüber und schauten uns abwechselnd in die Augen.

„Wir könnten da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben.” sagte ich leise an Lara gerichtet. „Der Kuss, den Du mir da gegeben hast ist mir derart in die Glieder gefahren.”
Überrascht sah sie mich an. „Ehrlich?”

Ich nickte nur vielsagend mit dem Kopf.

Sie kam meinem Gesicht ganz nah. „Na, dann komm mit.” flüsterte sie leise und zog mich an der Hand zurück in die Höhle.

Ich hielt ihr Gesicht in meinen Händen. Ich sah in ihre Augen, einige ihrer Haarsträhnen hatte sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst und fielen über mein Gesicht. Und in aus ihrem strahlenden Lächeln war plötzlich alle Anspannung verschwunden.

Sie küsste mich, mit einer aufreizenden Langsamkeit und Behutsamkeit.

 

Jeder Mensch hat seine eigenen Wünsche, sein eigenes Begehren. Sie sind Teil seines Schatzes. Sie können jemanden fernhalten, aber gemeinhin ziehen sie denjenigen, der wichtig ist, an. Meine Seele hat dieses Gefühl gewählt, und es ist so intensiv, dass es sich auf alle und alles um mich herum übertragen kann. Jeden Tag wähle ich aufs neue die Wahrheit, mit der ich leben will. Ich versuche, praktisch zu sein, effizient, professionell. Aber wenn ich könnte, würde ich immer meine Wünsche und mein Begehren zu Gefährten wählen. Nicht aus Notwendigkeit und auch nicht, um nicht so einsam zu sein, sondern einfach nur, weil es mir guttut, weil es gut ist.
(Paulo Coelho)

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